Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Spalte 309-310 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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309 310 Unsterblichkeitstehre der alten Besitze er noch so viel, und erfreue er sich des Besitzes noch so lange — er muß es doch endlich einmal fahren lassen, — darum kann ec selbst im vollen Besitze der Ecdengüter nicht glücklich gepriesen werden. — Dem zufolge kann unter „jenem Morgen" (V. 15), den der Psalmist der Grabesnacht gegenüber stellt, kein Morgen im physischen Sinne, — wie auch unter der (ib.) verheißenen Herrschaft der Tugendhaften über die Sünder kein Lustwandeln jener auf dem Grabe dieser verstanden werden, — sondern es ist Alles lediglich auf die jenseitigen Zustande beider Menschenklassen zu beziehen. Ja, dies ist unumgänglich nochwendig, wenn nicht der Psalmist mit sich selbst, im Widerspruch gerathen und aus seinem lehrreichen Vortrag eine Absurdität werden soll. Wäre es wirklich wahr, daß er mit der Darstellung des Unterschiedes zwischen Frommen und Gottlosen nicht über das Grab hinausgeht, so könnte man sein ganzes Lehrgebäude mit einem Seufzer Hiob's umstoßen: "liV nD2n na-ii iv IV“ : „Nun Liegen sie beide im Staube — -Beide von Würmern bedeckt!"^) — Hiob 21, 25. — Und welchen traurigen Triumph ließe er dann seine Helden feiern! Nein, der Mann, der so entschieden gegen alles Stolzieren auf physische Ueberlegenheit eifert, kann unmöglich mit der trüben Hoffnung sich trösten, noch einst auf das Grab seiner Feinde zu treten. Ganz unbegreiflich aber müßte dann der Vorzug erscheinen, den er für sich, als eifrigen Verehrer des Herrn, in Anspruch nimmt, nämlich, daß Gott seine Seele dem Tode entreißen werde (V. 16). Wie? der Weise, der so eben das ganze Ecdenleben für einen Schatten erklärt, sollte auf einmal wieder selbst nach einer Spanne Zeit geizen? — Abgesehen aber auch hiervon, so konnte man unserm Psalmisten in Bezug auf den für sich in Anspruch genommenen Vorzug doch mit seinen eigenen Worten einwenden, daß ja auch Frevler nicht selten ein hohes von Erdenfreuden gekröntes Alter erreichen, — worin bestände also der Vorzug der Redlichen? — Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß der göttliche Lehrer nur das Jen seit zum Maaßstabe des wahren Glückes nimmt, — wonach sein erhabener Vortrag schöner Harmonie und hoher Bedeutung sich erfreuet» Wir werden dadurch belehrt, auf die Erdengüter keinen großen Werth zu legen, da sie das wahre Glück nicht bedingen; er weist uns ferner auf den unausbleiblichen Moment des Todes hin, der allein über den Werth oder Unwerth eines Menschen entscheidet; endlich wird uns die beherzigenswerthe Wahrheit ans Herz gelegt: 5) Dies spricht der Psalmist gewissermaßen (V«. 11.) selbst aus. 1 Hebräer. Von Isidor Kaempf. — I’dj ab) □"ix- -— hD"j niariM ^'03 „Ein Mensch, geschmückt mit Würden — ist er weise nicht -- So fährt er wie die Thiere hin!" — Ibid. 21. — Was aber die alten Hebräer unter „Weisheit" verstanden, und die neuern verstehen sollen, — lehrt uns Hiob: „Siehe! Ehrfurcht vor dem Ewigen haben — Das ist Weish eit! Und das Nebel meiden — Das ist Vernunft"!5 6 *) — Hiob 28, 28. - Nachträgliche Anmerkung. Aus dem durch Freundeshand so eben uns zugekommenen LB. d. O. Nr. 14 d. v. I. ersehen wir mit Vergnügen, daß unsere Ansicht über die Bedeutung des viel besprochenen zum Theil die des Hm. Dr. H. Rhode, Licent» u. Privatdoc. d. Theo!, in Breslau, ist. Da nun die a. a. O. von Hrn. Dr. I. Cossmann gegen die Ansicht des H. Rh. erhobene Pcotestation gewissermaßen auch uns berührt, so sehen wir ■ uns veranlaßt, dieselbe, in so fern sie nicht in unserer Abhandlung "überhaupt ihre Erledigung gefunden, hier zu erledigen. Hr. C» meint, daß VTT Ps. 55,16, und Qv>n dProv. 1, 12 darum nicht vom Grabe verstanden werden können, weil dieses nicht lebendig verschlingt; allein die hier citirten Stellen sagen nichts mehr und nichts weniger als: *ITYn// Num. 16, 30, das ihnen ohne allen Zweifel zu Grunde liegt und von uns Nr. 8. d. I. hinlänglich erklärt worden. Eben so wenig kann: „bm 'nm iniD" I Sam. 2, 6. zu Gunsten der Annahme eines Todtenreichs sprechen *). Denn wollte man auch unter diesem Ausdrucke ein Wiederbeleben der Todten verstehen, 6) Vergl. Pst 111, 10; Prov. 1, 7; Ier. 8, 9. - *) Auch der Talmud bedient sich zuweilen des Wortes ba er aber die Unsterblichkeit der menschlichen Seele im geläutertsten Sinne kennt, so versteht es sich von selbst, daß er damit nichts weniger, als das sogenannte To dt enreich bezeichnen will. Die gewöhnlichen Bedeutungen, in welchen ‘puviy im Talmud vorkommt, sind: Grube und Grab. So sagt R. Elasar in Bezug auf Babylon:!?1 ko npiöy NW „es ist tief, wie S ch e 6 l" (Pesachim fo(. 87 b.) —, wo es offenbar widersinnig wäre, in einer anderen Bedeutung als „Grube" nehmen zu wollen. Sanhedrin fol. 92 a wird das in den Proverbien (30, 16) vorkommende ausdrücklich auf das Grab bezogen; daselbst Heißt cs: 'Dl Hl^pS 13 pD’J3D^ blNü ('Dl Dm blNE'inVDl no) „Das Grab, in welches man den Kodten unter lautem Weinen legt" re. — In demselben Sinne kommt blNt" auch in folgender Stelle vor: P i n w P Pw, hdi ~’3p nPs 2’nien - Po: non dt idn 20r