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Der Orient · 1842-05-14 · 20 (14.5.1842) · p. Spalte 307-308

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Spalte 307-308 (sequence 2)
Language
German
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307 308 Unsterblichkeitslehre der alten Hebräer. Von Isidor Kaempf. ihrer sinnlichen Lüste, -- werden am Ziele ihrer Pilgerschaft, stumpfsinnigen Schaafen gleich/ hinüber ins Ienseit getrieben; daselbst endlich, wo die Schuppen von ihren Augen fallen, und ihnen ein neues Lichc aufgeht, das sie das Eitle vom Wünschenswerthen, das Falsche vom Wahren unterscheiden laßt, — sehen sie sich von den Tugendhaften beherrscht, die sie hienieden verhöhnt und verfolgt haben. Nun wendet sich der Psalmist nochmals dem Körper dieser Praffec zu und bemerkt, daß der Erdenkoloß, dessen Mästung das einzige Ziel ihrer Bestrebungen ist, nach ihrem Hinscheiden dem vernichtenden Grabe verfallt, wo Verwesung seiner wartet. Der göttliche Sänger würde aber seine Aufgabe nur halb gelöst haben, ließ er es bei der Darstellung des Zustandes bewenden,, in welchem sich die abgeschiedenen Seelen der Verruchten befinden; er fetzt daher der Verdammung dieser das selige Loos entgegen, das ihm, dem frommen Gottesverehrer, aufbewahrt ist: td ik/'eo-rn?] . — .rte ^r.(?y* 2) „Doch meine Seele — wird Gott aus dem Scheäl3) erlösen, — Denn mich wird Er aufnehmen!" — Ibid. 16. — So haben wir denn wieder einen unwiderleglichen Beweis für die Nichtigkeit unserer Behauptung, daß die ge ist es volle Männer; gehe hin zu ihnen, auf daß sie dich segnen"". — . -r- Wer die mannichfachen Auslegungen, deren unser psalmistischer Vers sich erfreuet, kennen zu lernen wünscht, sehe .1. W. SchrÖderi Syntagma Obserrv. ad quacdam ]oca Psalmorum p. XXVII. — 2) Vergll Genes. 5, 24; Ezech. 24, 16; Ps. 73, 24. — 3) Diese Stelle hat einige Schwierigkeit, weil wie es scheint, hier in einem andern Sinne genommen werden muß, als in den übrigen Stellen unseres Psalmes. De Wette, der unter das sogenannte Lobten reich versteht, dessenohngeachtet aber )b bntD zu commentiren sich genöthigt sieht: „well sie jetzt im Grabe, dem Orte der Verwesung, wohnen", — sucht die Schuld des offenbaren Widerspruches dem Psalmrsten aufzubürden, indem er vorgiebt, daß im ganzen Verse eine Vermischung der Vorstellungen von der Verwesung im Grabe und dem Schatten leben im ScheuL {?!) stättsinde. — Die Verwirrung löst sich auf, wenn 'Man Folgendes gehörig in Erwägung zieht, bezeichnet, wie wir bereits erklärt , zunächst „Grab"; in Hinsicht aber, daß dieses die Vernichtungsstätte des äußern Menschen, ist, wird es zuweilen zur Benennung der Vernichtung und des Verderbens überhaupt gebraucht. Daher steht es auch parallel mit rw, jrDN und mD (Hiob 26, 6; — Ps. 30, 4 und 10; 55, 16 und 24; — Prov. 5, 5; 27, 20; — H. L. 8, 6). Demnach bleibt unser Psalmist bei der Anwendung des dessen allegorischer Bedeutung „Vernichtung" treu, — nur daß er im Fluge der Begeisterung das Object seiner Darstellung oft wechselt, indem er bald vom Körper und bald von der Seele spricht. alten Hebräer die Unsterblichkeit der menschlichen Seele in möglichster Ausdehnung wohl gekannt. Zwar wollen nicht alle Interpreten den Sinn unseres Psalmes so, wie wir, auffassen; vielmehr giebt es manche derselben, welche meinen, daß der Psalmist mit seiner Darstellung des zu entartenden Schicksals der Gottlosen nicht über das Grab hinaüsgehen , sondern nur sagen wolle, daß diese selbst in ihrer größten Herrlichkeit stets dem Tode ausgesetzt seien, und es leicht kommen könne, daß die von ihnen heute verachteten und unterdrückten Frommen mit dem nächsten Morgen schon, auf ihrem Grabe lustwandeln 4). — Allein die Unhaltbarkeit dieser Meinung geht aus der Totalanschauung des in Rede stehenden Psalmes hervor. Die Tendenz desselben läuft, gleich der des bereits besprochenen Buches Hiob, hauptsächlich daraus hinaus, jenes schwierige Problem zu lösen, „wie das Glück der Gottlosen und das Leiden der Frommen mit der Gerechtigkeit Gottes sich vereinbaren lasse". Es wird gelöst, indem der Psalmist darauf aufmerksam macht, daß das wahre Glück nur im Besitze ewiger Güter bestehe, daß mithin alle irdischen Güter, deren Besitz ja kein ewiger ist, auch nicht das wahre Glück bedingen, und es daher eine Thorheit sei, nach ihnen unablässig zu streben. Also die gewisse Endlichkeit, nicht das ungewisse frühe Ende des Menschen ist der Warnungsspregel, den der große Lehrer der lüsternen Menschheit vorhält. Er räumt die Möglichkeit eines langen, beglückten Erdenlebens ein, — weist aber auf den dessenohngeachtet unausbleiblichen Tod hin, gegen welchen das längste und beglückteste Leben gar in kein Verhältniß gebracht werden kann. I Ti? ~ im —' Inriasfn nan» rib „Und wenn (der Thor) noch ewig lebte! Und nimmer die Verwesung sähe!" — Ibid. 10. — dann wollte der Psalmist ihm noch ein Glück hienieden zugestehen; dies ist aber nicht der Fall, — auf der Erde ist sein Bleiben nicht, und so kann ihm auch nicht auf derselben ein wahrhaftes Glück zugestanden werden. — Wenn der Psalmist nun (V. 13) von der Herrlichkeit des Sterblichen sagt, daß sie die Nacht nicht überdauere, so meint er offenbar die Grabesnacht, — wie er sich hierüber deutlich ausspricht: N§T inioi! *6 Irres ithn* ■“vt"*6- „Denn nichts nimmt er tm Lode mit — Die Herrlichkeit fährt ihm nicht nach!" — 4) Siehe Herder Vom G. rc. a. a. O. — Dc Wette's Uebersi d. Ps. —

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