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Der Orient · 1842-05-14 · Heft 20 (14.5.1842) · p. Seite 158

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 20 (14.5.1842)
Date
1842-05-14
Page
Seite 158 (sequence 20)
Language
German
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den Juden. Dieselben Waffen, die, um.nur eines neue- , reu Streites zu gedenken, Ey th in Würtemberg gegen die Classiker gebrauchte, welche er nur auszugsweise, -gleichsam nach vorhergegangener geistlicher Censur, in Chrestomathien : und Auszügen der Jugend in die Hände gegeben zu sehen; wünschte, — dieselben Waffen oder besser denselben passiven; Widerstand, dieselbe vis inertiae-, stellten die Juden lange ' Zeit dem heidnischen Merthüme entgegen. - Doch hat sich! hierin schon Vieles geändert und ich kann schon jetzt eine ■ Dreizahl nennen, die sich ihrer philologischen Leistungen vor: der christlichen Mitwelt nicht zu schämen hat: Wilhelm ' g r e u nd, den Lcxicographen, L e o p o ld Munk (einen Verwandten des berühmten in Paris lebenden Orientalisten), den Verfasser eines Werkes über die Atellanenspiele und einer kurzgefaßten Metrik, beide in Breslau, endlich den Professor Rubino in Marburg, der sich durch seine antiquar-historischen Forschungen über die römische Geschichte einen Namen. erworben hat» — Von den übrigen grammatischen und linguistischen Bestrebungen der Juden, namentlich in Bezug auf die Aufhellung orientalischer Wissenschaft, will ich hftr mit keinem Worte reden;' auch was sie in den historischen Disciplinen und namentlich in den Hilfswissenschaften dtr Geschichte im Einzelnen Rühmliches geleistet, lasse ich ganz zur Seite liegen. Aber auf die Naturwissenschaften muß ich noch einmal zurückkommen. Die Entfremdung vom Leben, welche die Juden so oft in das Labyrinth der Casüistik und einer oft scharfsinnigen, aber mit der Dogmatik innig verwebten und nicht selten allzusubtilen Philosophie verlockte, hat sie auch von der Natur abwendig gemacht; der Mangel an festem Besitze, die Entbehrung eines freudigen Daseins, die ungewisse, in Nebel und Dämmerung verhüllte Aussicht auf die Zukunft, die unaufhörliche Furcht vor dem Terrorismus fanatischen Uebernutthes — wann konnten solche Schrecknisse wohl das vertraute Verhältnis zur Natur erzeugen, wie jene ungetrübte Genußseligkeit ausßommen lassen, welche so wesentliche Requisite des Eingehens in die Geheimnisse der Wechselwirkung zwischen dem Weltgeiste und seiner'Schöpfung sind und bleiben müssen? Selbst die meisten jüdischen Aerzte blieben daher der Naturforschung mehr oder minder fremd gegmüberstehen. Auch hier giebt es schon glänzende Ausnahmen von der bisheriger Regel und, um Convertiten und nur in kleineren Kreisen bekannte jüdische Gelehrte ganz zu übergehen, nenne ich hier nur Dr. Steinheim in Altona, Prof. Valentin in Bern und Dr. P a-p p e n h e km in ' Breslau. — Und allerdings betrachte ich es als'bedeutsam, daß die Juden, man verzeihe mir diese humoristische Aeußerung, bei einer ernsten Gelegenheit — zur Natur zürückgekehrt sind; wir erblicken darin 'hie beste Bürgschaft, ' daß sie sich bald mit allen Fragen der Gegenwart , die auch sie berühren, aussöhnen werden, und daßihr Zwiespalt mit der Außenwelt gelöset, die Schranke, die Scheidewand, welche sie bis jetzt von ihr getrennt, entfernt werden wird. Eine gegenseitige Annäherung zwischen ihnen und. ihren christlichen Mitbürgern wird, durch das Entgegenkommen der Majorität erleichtert, nicht lange mehr vermißt werden. Nur insofern räume ich der Wahl des Hrn. Dr. Rieß eine höhere Bedeutung ein. Sie ist ein Zeichen der Zeit. Sie muß als ein solches sowohl demjenigen gelten, der die Ausnahmen schon darum nicht liebt, weil sie an dasMärtialgesetz und den Belagerungszustand erinnern, wie nicht minder dem, der, obschon er der preußischen Akademie der Wissenschaften hohe Anerkennung zollt, doch noch immer in Zweifel bleibt, ob die erste gelehrte Körperschaft einer großen Monarchie mehr sich selbst oder den Neuaufgenommenen durch eine Wahl ehrt, die, von seinem religiösen Bekenntnisse ganz abgesehen, jedenfalls nur auf einen wahrhaft eminenten Denker ssallen darf. Daß aber die tonangebenden Männer der Wissensschaft sich über jedes, auf das am meisten eingewurzelte Vorurtheil erhaben zeigen , dünkt uns eine Pflicht, die'sie dem Genius der Wissenschaft abzutragen schuldig sind und durch deren Erfüllung sie einen neuen Zuwachs an Ehre und Achtung in den Augen der Welt gewinnen. — Damit soll jedoch nicht das Lob, das der Akademie in diesem Falle gebührt, geschmälert und beeinträchtigt werden; nicht einmal die Frage soll erörtert werden, warum sie nicht schon früher einen von auswärtigen Herrschern so ehrenvoll anerkannten Astronomen, -wie Wilhelm Beer, in ihre Reihen ausgenommen habe; vielmehr soll die gebotene Gelegenheit dazu benutzt werden, um ihrem großherzigen, hochsinnigen Präsidenten, Alexander von Humboldt, hier besonderen Äcmk 'abzustatten für die unermüdliche, damals leider nicht mit Erfolg gekrönte Anstrengung, die er vor mehreren Jahren machte, um den jetzt als Professor in Bern wirkenden ausgezeichneten Physiologen 2k* lentin aus Breslau seinem Vaterlande zu erhalten. Schon als Breslauer Student durch thätigrTheilnähme an den physiologischen Untersuchungen Purkinjes, des edlen Beförderetder slavischen Literatur, und an den pstanzenphysiologischm Forschungen Gravenhorst's in größeren Kreisen bekannt und selbst von der Naturforscherversammlung beachtet, hatte Valentin-kaum seine akademischen Studien absolvier, als ihm von der Pariser Akademie der Wissenschaften der Preis für eine physiologische Aufgabe zuerkannt wurde. Er aber sehnte sich vor Allem nach einem akademischen Lehramte in Preußen; weit entfernt, neben Johannes Müller in Berlin lehren zu wollen, ambirte er eine Professur-in'einer -der -kleineren preußischen Hochschulen, aber das besetz , welches die Juden von solchen Aemtern ausschließt, trat ihm entgegen. An der Stelle des Verlangten wurde ihm das Amt eines Custos an der Berliner Universitätsbibliothek angeboren; daneben sollte ihm auch gestattet sein, Privatvorlesungen zu halten, wobei er jedoch auf jeden akademischen Lehrerberuf verzichten müßte. Valentin wollte darauf nicht eingchen» Da intervenirte Humboldt zu zweien Malen bei dem verstorbenen Minister von Altenstein, — ohne Erfolg. In einem überaus schmeichelhaften Schreiben an Valentin äußerte er darauf das Bedauern, daß die Regierung bei dem Buchstaben des Gesetzes beharre,

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