Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1842)
- Date
- 1842-05-14
- Page
- Seite 157 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360222--2469-3529325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
157 lung am Hofe viel Dank zu sagen. Indessen ist es noch nicht bekannt, daß Humboldt in gleicher Weise sich über die Verfassungsfrage ausgesprochen habe. Sein Bruder Wilhelm nahm freilich seinen Abschied, als Preußen die liberalen Ideen aufgab, und es ist ein theures Vermachtniß, welches ihm dieser überlasten hat. Hoffen wir daher, daß er an einem günstigen Zeitpunkt sich auch hier energisch ausspreche l S t 0 l p, 30. Marz. (Verspätet.) Ein freudiges Eceigniß in unserer Gemeinde ist heute der Gegenstand .meiner Mittheilung. — Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Joseph Klein traf am 23. d. M. hier bei uns ein und dieser Tag der von der ganzen Gemeinde mit frohem Jubel begrüßt wurde, wird uns in steter freudiger Erinnerung bleiben. — Schon früh Morgens war der Vorstand, dem sich dann noch viele aus der Gemeinde anschlossen in mehreren Wagen dem verehrten Manne, der sich schon bei feiner letzten Anwesenheit in St. die Herzen Aller gewonnen hatte, bis Schlawe entgegen gefahren, woselbst er von dem Vorstande im Namen der Gemeinde empfangen und bewirthet wurde. Gegen Abend traf dann der Rabbiner und seine Gattin in Gemeinschaft mit den ihnen Entgegengefahrenen hier ein und wurden in die für sie im Schullokale in Bereitschaft gefetzten Zimmer eingeführt. Diese waren auf sinnreiche Weise geschmückt und konnten kaum die Menge der Herren und .Damen so wie der männlichen und weiblichen Schuljugend fassen, die gekommen waren, den Lehrer und Seelsorger zu begrüßen. Als dieser endlich mit seiner Gattin eintmt, begannen die Knaben ein zu diesem Feste gedichtetes Lied zu singen, nach dessen Beendigung Hr. Dr. K. sich an die Anwesenden wandte und in ergreifender Weise seinen Dank und seine Liebe für die Gemeinde aussprach y ein junges Mädchen sprach hierauf noch in wenigen aber herzlichen Worten die Gefühle und Wünsche für die Gefeierten aus, die gewiß von jedem in der Gemeinde getheilt wurden. Nun beeiserte sich jeder dem verehrten Manne und seiner Gattin seine Ergebenheit darzulegen und es gewährte ein sehr wohlthuendes Gefühl zu sehen,, mit welch herzlicher ungeheuchelter Liebe hier eine Gemeinde ihren Rabbiner empfing, der aus fremden Lande gekommen war, um hierunter uns zur Verherrlichung Gottes und zum Segen der Gemeinde zu wirken. Am ersten Tage des Pesachfestes hielt Hr. Dr. Klein seine Antrittspredigt über Amos 8, 11, die den Enthusiasmus noch mehr steigerte, und in welcher der Redner aufs Neue sein Talent als Volksredner bekundete. Hoffentlich wird Herr Dr. K. die vielfach ausgesprochenen Wünsche erfüllend, die Predigt dem Drucke übergeben, die dann der hiesigen Gemeinde ein schönes Andenken an den Tag sein wird, an welchem sie den schönen Bund mit ihren verehrtesten Lehrer geschlossen und die auch auswärtigen Freunden der Kanzelberedsamkeit durch ihre Gediegenheit manchen Genuß gewahren dürfte. — Wünschen wir nun der Gemeinde Glück, daß es ihrem gemeinsamen Streben nach Licht und Aufklärung möglich geworden ist, einen Rabbiner anstellen zu können, wünschen wir ihr doppelt Glück dazu, daß die dazu gebrachten Opfer dadurch belohnt worden sind, daß es uns gelungen ist, einen Mann zu gewinnen,.'der vermöge seiner Talente als Redner und Pädagog selbst einer großen Gemeinde zur Zierde gereichen würde und unter dessen Leitung wir einer schö^ neu Zukunft mit Sicherheit entgegen gehen. <p. Volkschümliche Aussätze »»> Keurtheilnngen. Reflexionen und Andeutungen über ein noch rmbearbeitetes literarhistorisches Thema. (Schluß.) Ich will hier nur cmdeuten, daß man dm Grund für die bisherige geringe Cultivirung beider Felder des Wissens von Seiten der Juden vornehmlich darin zu suchen habe,. daß dieselben erst, seit den letzten französischen Kriegen in größerer Anzahl den' höheren Lchr-Anstalten des Staates, den Pflanzschulen des freiern wissenschaftlichen Geistes, zuströmten, und auch wohl früher, wie noch jetzt von Staats-Aemtern, so meist von der Wohltbat ausgeschlossen waren, an dem höheren Unterrichte Theil zu nehmen und den Segen der von ihm gespendeten Woblthaten auch auf sich übergehen zu sehen. Weigert sich ja noch jetzt der Director eines in einer preußischen Provinzialhauptstadt bestehenden Gymnasiums, jüdische Schüler in dasselbe aufzunehmen, gleich, als wäre dieses Institut nicht, wie es wirklich der Fall ist, ein städtisches, sondern reines Privat-Eigenthum! Das Fernbleiben von den elastischen Alterthumsstudien, von Griechen und Römern hatte aber noch einen anderen, schwer ins Gewicht fallenden Grund. Dasselbe Argument, wie es noch jetzt von orthodoxen Christen gegen die heidnische Weltansicht geltend gemacht wird, dominirte lange auch bei