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Der Orient · 1842-05-07 · Beilage zu Nr. 19 (7.5.1842) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 weise österreichische Regierung darf mit dieser Sühne für das durch fast ein Jahrhundert an mehren Geschlechtern begangene Unrecht, für die HunderLLausendm verursachte Qual und auf sie gehäufte Bedrückung nicht zaudern. Die Zeit, wo der Jude das Werkzeug in der Hand der Regierenden war, um durch .ihn die Regierten auszusaugen, ist vorüber: auch wünscht fte. der Jude nicht zurück, man hört in Böhmen allgemein wenig von Wucherproceffen; und wenn der Jude mit den landesüblichen 5 Proc. Zinsen sich begnügen muß und wirklich begnügt, wie können gesetzlich von ihm 25 Proc. gefordert werden? Solche Anomalie, solch verletzender und die Würde des Staats gefährdender Widerspruch kann in unfern Tagen nicht geduldet werden. Ihm wird entweder durch gänzliche Aufhebung oder durch theilweise Capitalisation (wie dem Vernehmen-nach vorgeschlagen seyn soll)-abgeholfen werden. Die Zeit weist.„vorwärts"; sie negirt Stillstand und Rückschritt, der Stillstand verrath SLagnarion, der Rückschritt führtzur Beeinträchtigung, führt folgerecht zur — Judensteuer..' Leipziger A. Z. Von dee Böhmischen Grenze, 20. April. Der Orient Nr. 16 bringt eine Entgegnung des Herrn Neuburger, Lehrers an der deutschen Schule in Böhrnisch-Leipa gegen meinen im. Orient Nr. 52 vorigen Jahres enthaltenen Bericht, worauf ich nur Folgendes zu erwiedecn habe. —Herr Neuburger irrt, wenn er glaubt, daß dem harten Unheils über ihn persönliches Uebelwollen, oder sonst eine unlautere Absicht zu Grunde gelegen habe. Ein früherer Bericht von mir. konnte ihn zur Genüge überzeugen, wie sehr ich geneigt bin, auch in einem. Schullehrer, wenn er. von der Würde seines Berufes wahrhaft durchdrungen ist, das Verdienstliche anzuerkennen, wo es sich als solches hecausstellt. Meine eben so wohlgemeinte als freimuthige, wie wohl derbe, Zurechlweisung galt nur dem Unwürdigen und Heuchlerischen des ihm zur Last gelegten, und mir aus zuverlässiger Quellebekannt gewordenen Treibens; natürlich konnte, in soweit die Gesinnung dabei gewürdiget werden mußte, auch die Persönlichkeit, aus der sie resultirte, nicht unberührt bleiben. Glaubt aber Herr Neuburger,. daßdie ihm zur Last gelegte Schuld ihn nicht treffe, so möge er zur Steuer der Wahrheit sich veranlaßt fühlen, durch ein einfaches Ieugniß, entweder von Seite seines geistlichen Vorstandes, des Herrn Rabbiners Hamburger, oder des löblichen Comit6s, dem die Aufsicht. über die hebräische Lehranstalt anvertraut ist, die ihm in seiner gemeinschaftlich mit noch drei andern Lehrern an die Behörde überreichten Eingabe Schuld gegebene Verdächtigung der hebräischen Lehranstalten überhaupt, namentlich aber die ihm zur Last gelegte durch mancherlei- Winkelzüge versuchte Auflösung der bereits provisorisch genehmigten hebräischen-Lehranstalt in B ö hmisch-Leipa zu entkräften, und ich erkläre mich alsdann bereit, das Verdammungsuctheil, zu dem ich möglicher Weise durch irrige Berichte getäuscht, sollte veranlaßt worden sein, zucückzunehmen. In so lange aber Herr Neuburger dieser Aufforderung nicht nachkommt, muß ich, der Versicherung glaubwürdiger Gewährsmänner trauend, das ihm zur' Last gelegte Treiben für wahr halten, und wie motivirt es auch sonst durch erbärmliche Brovrücksichtm erscheinen mag, als ein niedriges und daher unwürdiges bezeichnen, welches nun vollends, durch die in. jener Entgegnung liegende Dreistigkeit der Lüge sich zur Unverschämtheit und Frechheit potenzirt hat. Schließlich kann ich nur bedauern/ daß Herr Neuburger, der auf seine Entgegnung volle 17 Wochen warten ließ, nicht lieber ganz und gar geschwiegen hat. Seinem Renomme hatte ec durch eine solche Diseretion 'sicherlich nichts vergeben, da außer Böhmisch-Leipa schwer-! lich irgend Einer von der Existenz des Herrn N. Notiz genommen hat. In der eignen Heimath aber, als seinem nächsten Wirkungskreise, hat er gerade durch jene Entgegnung leider sich nur sehr schlecht empfohlen; l denn Herr N. galt daselbst bisher für einen guten deut-; schm Lehrer; durch seine bekannt.gegebene Entgegnung, l aber bat er seine Geistesarmuth auf eine Weise doku- - mentirt, gegen die ihm keckes Laugnen eben so wenig ' als Protestationen sonstiger Art etwas nützen werden.'! Denn wer' solche Proben von Sprachrichtigkeit und styi listischer Fertigkeit zur Publicität bringt, HM sich selbst dadurch das glaubwürdigste Testimonium paiipertatis j gegeben, und auf eine unwiderlegbare Weift bewiesen, 'nicht nur, daß ihm jede Qualisication zum Lehrfache ■ abgehe, sondern auch, daß er, wie im Rechtssache, so;i auch in jedem andern, ein Laie fti.. Die specielle Nach- :i Weisung dieser meiner Behauptung an seiner Replik bin; ich bereit, auf jedesmaliges Verlangen des Herrn N.; in einem der inländischen Tagesblatter zu liefern. Die Seitenhiebe, die Herr N. gegen den anonymen Berichterstatter geführt hat, hätte er sich ersparen können; sie haben den nicht getroffen, dem sie gegolten. Deutschland. Von der Elbe, 18. April. Wenn nicht di'e^ hundertköpfige Hydra der Orthodoxie und die Furcht mich schreckte, daß wiederum einmal dieses Ungethüm, wie es feit dem' Jahr 1823 und noch in neuester Zeit gethan hat, felbst den Sinn der helldenkendsten Staatsmänner irre machen könntet' ich würde schweigen und die skandalösen Scenen auf dem jüdischem Kirchhofe zu Breslau nicht von Neuem auffrischen. Jene Besorgniß aber zwingt mich. Ihnen sofort die mir soeben aus Breslau von mehren höchst achtbaren Augenzeugen zugekommene verbürgte Nachricht mitzutheilen, wodurch die in Nr. 103 enthaltene vollkommen widerlegt wird. Nachdem der nunmehr von dem breslauer Gememdevorstande fuspendirteRabbiner Tiktin bei dem Sarge des' Verstorbenen eine gehässige Rede gegen die Freunde des Lichts in jüdisch-deutschem Jargon gehalten hatte, entfernte sich derselbe, während Dr. Geiger mit einigen Worten den Segen eines wohlthätigen Lebens zu schildern begann. Nach zwei Minuten schien eine Gahrung m der umstehenden Menge entstehen zu wollen, welcher der gemeine Ruf eines Einzelnen^ daß die deutschen Prediger nicht mehr geduldet werden müßten, Lust machte. Die weitern traurigen Ergebnisse sind bereits bekannt, ebenso der alsbald von dem gesammten Vorstände gefaßte und ausgeführte Entschluß, das Haupt der Jntrigue zu entwaffnen. Wenn nun auch der Oberpräsident über

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