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Der Orient · 1842-05-07 · Beilage zu Nr. 19 (7.5.1842) · p. Seite 4

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 den Hergang genaue Untersuchung 'anzuordnen m'cht anstehen wird, so wird doch wahrscheinlich das Resultat derselben die Bestätigung der Suspendirung sein, wobei überhaupt zu berücksichtigen, daß in Preußen jüdische Cultusdiener in der Regel vom Staate nicht autorisi'rl sind. Wann wird endlich eine durchgreifende, höher» Orts consirmirte Ordnung des gesammten jüdischen Cultus im Geiste des Schuckmann'fchen Rescripts vom 2. Sept. 1823 dergleichen Entweihungen der Friedensstatte verhindern und den Jargon in Trauerreden und Predigten vernichten. Wann wird ein Gesetz das Minimum des Fortschrittes im jüdischen Gottesdienste feststellen, um die Freunde des Guten zu ermuntern, die jetzt, durch bekannte Lhatsachen abgeschreckt, kaum das Haupt zu erheben wagen, so daß die große breslauer Synagoge (traurig ist es zu sagen) einer kleinen Gesellschaft nur gehört, welche dieselbe von einem Privatmann erst gemiethet hat. Soll denn das jüdische Gotteshaus nicht, wie in den meisten andern Ländern, auch in Preußen überall mit Ehrfurcht von der jüngern Generation betreten werden können, die erst dann sich stolz rühmen kaun, Juden zu sein? Wann wird eine Sicherstellung dieser Art gewährt werden um des Rechts, um der Vernunft — nein, um der Ehre des Staats willen? (L. A. Z.) Schweden und Norwegen. Christianka, 11. April. Ueber Henr. Wergeland's Vorschlag an das Storthing, den Juden die Niederlassung in Norwegen zu gestatten, ist das Gutachten des Höchsten Gerichts in Betracht des §. 2 des Grundgesetzes, eingesordert worden, dieses nun auch bereits an den Constitutions-Com.it« erstattet, und hat die Mehrheit des Höchsten Gerichts sich für die Ansicht erklärt, daß die Ausschließung der Juden nicht als ein grundgesetzliches Princip angesehen werden könne, und also mit Hinsicht auf §. 112 des Grundgesetzes (Aenderungen desselben betreffend) nichts im Wege liege, daß der letzte Passus, im obgedachten Paragraphen („die Juden sind fernerweit von der Zulassung in Norwegen ausgeschlossen") nach dem Vorschläge des Bureauchess Wergeland wegfalle. (L. Z.) Rußland. Odessa, im Marz. Wie Alles in den neurussischen Provinzen seit Kurzem den Anstrich des Bessern und Vollkommneren gewinnt, so schreiten auch die dortlebenden Juden, vor allen die Odessaffchen, in ihrer sittlich-geistigen Veredlung sichtlich vor. Diesen raschen Aufschwung seiner Zustände verdankt dieser Landstrich dem trefflichen Verwaltung system seines gegenwärtigen Generalgouverneurs, des Grafen Woronzow. Die Odessa'schen Juden haben ihren heutigen Standpunkt begriffen, der sie anweist, mit der übrigen Bevölkerung sich der europäischen Cultur anzuschließen, hinter dieser nicht mehr zurückzubleiben, ihre alte tobte morgenländische Hülle, die sie bisher noch umgab,, abzuwersen. Ihre heutige Lebensweise, die Erziehung ihrer Kinder, ihre Kleidung entäußert sich immermehr den früheren Nationalformen, und sie nehmen die Gebräuche der Mitbewohner an, ohne dennoch von den Fundamentalgesetzen ihres Glaubens zu weichen. — Vom löblichen Geiste dieses Vorschreitens wird aber die zahlreiche jüdische Bevölkerung in den Wefirussischen Gouvernements, wie überhaupt im Königreich Polen, noch keineswegs beseelt. Diese hängt noch immer hartnäckig und unverändert den Gebrauchen der Vorväter an, ist im Vergleich zu diesen sittlich viel schlechter geworden, hat sich alle Gebrechen der neuern Zeit, aber nichts Gutes von dieser angeeignet, und wird in diesem Zuschnitt eine wahre Seuche für die übrige Mitbevölkerung, am meisten aber für den grundbesitzllchen Volksstand, welchen sie unter allerlei täuschenden Vorspiegelungen sich ganz zu unterwerfen und systematisch auszusaugen gewußt hat. Wahrend die polnischen Juden es noch immerfort für eine unverzeihliche Sünde halten, ihre Söhne einer christlichen Schule änzuvertrauen, während sie jeden Umgang mit denen ihrer Glaubensgenossen meiden, die das ihrer Meinung nach heilige polnische Costüm mit dem allgemeinen europäischen vertauschen, sehen wir jetzt in Odessa im Richelieu'schen Lyceum, in allen dortigen männlichen und weiblichen Pensionen, die Lehrktassen eben so von der hebräischen wie von der christlichen Jugend ungestillt; erstere steht in der Lernbegier keineswegs mehr der letztem nach. In den dortigen Gesellschaftskreisen trifft man nicht selten junge Juden, die eine merkwürdige Gediegenheit darthun; eine verhältnißmäßig gleiche Bildung nimmt man bei den jungen jüdischen Damen wahr; ft'e sprechen das Italienische mit nicht minderer Geläufigkeit und Reinheit der Accentuation, wie das Deutsche und Französische; in der Literatur dieser Völker und den schönen Künsten, vornehmlich in der Musik, sind sie keineswegs fremd. Unter andern Tugenden ziert die dortigen Juden auch der Wohltha'tigkeitssinn für Arme» Roulirt in den städtischen Gesellschaftskreisen irgend eine dahin bezügliche Subscriptron, so fehlen darin gewiß nicht die Namen der .vermögendern jüdischen Banquiers und Kaufleute. So steuerte noch vor kurzem der jüdische Kaufmann Jefrus 1000 Rubel zum Westen der ärmern Uebersiedler aus der Provinz Kurland nach Cherson. Die jüdische Schule in Odessa ist für die untern Lehrklaffen sehr gut organisirt, und erweist sich in dieser Beziehung sehr nützlich» Keineswegs dem Beispiel der übrigen Ausländer in Odessa nachahmend, suchen die dortigen Juden die Landessprache, die russische, mit. beharrlichem Eifer gründlich zu erlernen. Mit Interesse lesen sie die klassischen Schriftsteller der Nation, und suchen ganz in den Geist ihrer Schriften zu dringen. Im vergangenen Sommer ward das neue jüdische Bethaus in Odessa vollendet. Während seines Waues contribuirten die Gebildetern und Vermögendem des Volks jährlich 10,000 Rubel aus eignen Mitteln. Den fremden Glaubensgenossen, die diesen Tempel jetzt besuchen, gewahrt es ein Herz- und sinnerhebendes Vergnügen, die Stille, Ordnung und Ruhe während des Gottesdienstes anzusehen. Das Aeußere desselben hat ein elegantes, gefälliges Ansehen, die innern Raume sind geschmackvoll verziert, und werden, was sonst bei den Juden nicht bemerkt wird, musterhaft rein erhalten. Beide Geschlechter sitzen in getrennten Abtheilungen. Im Gesänge, der kürzlich noch elnenuregellosen Geschrei glich, herrscht Harmonie der Stimmen, denn er wird von einem vorsingenden Cantor dirigirt. Früher fand von allem Dem dasGegentheil statt, welches jedenFremden gleich davon scheuchte. In einem kleinen, dumpfigen Bethause versammelte sich die Menge bunt durcheinander, plerrte die Gebete im larmensten Tone ohne alle Ordnung her, Keiner verstand den Andern. Man sah die unmanierlichsten Stellungen von den Betenden einnehmen, manche in liegender Stellung über die Bänke hingestreckt, andere essend oder schlafend. Dieses häßliche Bild des Cultus dem Höchsten geweiht, herrscht leider fortdauernd noch in den jüdischen Synagogen der weißruffischen, lithauischm und polnischen Provincialstädte. Die neue Synagoge in Odessa besitzt auch ein eigenes Sängerchor von jüdischen, mit guten Stimmen begabten Knaben. Gegen .diese Neuerungen erhoben sich natürlich viele Stimmen, welche hartnäckig noch dem alten Sauerteig anhingen, sie wurden aber von dem gebildetern, ihre Zeit und Stellungen besser begreifenden Theile der Bevölkerung zum Schweigen gebracht. (Ausland.)

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