Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Spalte 293-294 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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293 Geschichte der Cultur u. der Schulen unter den Juden. Von D. Ehrmann. 294 toten m Babylon ^) zu thörichten Unternehmungen bereden wollen, und Jeremias schrieb deshalb einen Brief an dieselben, worin er sie ermahnte, als Unterthanen einer fremden Macht dieselben Bürgerpflichten zu erfüllen, wie in der Heimath, und für das Wohl des Staates zu beten, unter dessen Schutze sie Leben39). Während des siebzigjährigen Exils der Juden in Babylon, zeichneten sich viele aus ihrer Mitte durch Kenntnisse, Frömmigkeit und Größe des Geistes aus. Nebukadnezar ließ viele jüdische Jünglinge aus den vornehmsten Familien in -Babylon erziehen, in den wichtigsten Kenntnissen der damaligen Zeit unterrichten. Unter diesen zeichnete sich der weise Daniel aus, der bald zu den höchsten Ehrenstellen gelangte. Babylonien kam unter persische Botmäßigkeit, und Cyruö ertheilte den Juden die Erlaubniß in ihr Vaterland zurückzukehren, und den Tempel aufzubauen. Obwohl viele derselben,- deren bürgerliche Verhältnisse im Lande wohl geordnet waren keinen Gebrauch von dieser Erlaubniß wachten, kehrten doch die meisten in ihr Vaterland zurück, und viele Hindernisse muthig beseitigend vollendeten sie den Bau des Tempels, der bald in seiner schönsten Pracht dastand. Während des Exils mußten die Juden sich der fremden Bildung anschmicgen, und brachten wirklich viele ausländische Begriffe mit ins Vaterland, die sie später ihren eignen Begriffen beimischten 4Ö). Die politische Lage mußte ebenfalls bei ihnen der Kenntniß der Religion schaden. Die Nationalmonumente, die die göttlichen Lehren ins Geda'chtniß zurückriefen, waren verschwunden, die Ausübung der mosaischen Gesetze so viel als möglich verhindert. Mußte doch der angesehene Daniel durch ein Wunder gerettet werden, blos weil er an den einigen Gott sein Gebet richtete 41). War auch das Gesetzbuch vorhanden, so fehlte doch das Verständniß und der Commentar zu demselben, wenn es in seine frühere Bedeutung eintreten sollte. Das Volk bedurfte eines zweiten Moses, der ihm nach dem Willen Gottes die nöthigen Erklärungen zur jüdischen Lehre gäbe und dieser ward ihm in dem gelehrten schreibfertigen Esra 4~). Er erklärte dem 38) Jeremias 29. 39) lbid. 40) Nach dem Midrasch brachten die Juden aus Babylon mit die Namen der Monate (Astronomie) und die der Engel (Angelo- und Dämonologie). 41) Daniel 6. ' Die Jnconftqumz und die Launen der persischen Despoten zeigen sich auch durch die in diese Zeit fallende Geschichte der Esther. 42) Der Tradition zufolge soll von ihm das Vorlesen aus der Tora am Montag und Donnerstag in den Synagogen herrühren. Esra stand bei den Juden aller Zeiten in großem Ansehen. Der Talmud sagt von ihm, er wäre würdig gewesen, von Gott selbst die Lehre für Israel zu empfangenwäre ihm nicht Moseszuvorgekommen. Er sock die Torq in einer neuen Buchstabenschrift umgeschrieben, haben. Die Verehrung der Juden für Esra erhielt sich noch lange-. Zeit nach der ralmudischen Periode. Möglich, daß sich damals Volke das Buch der Lehre deutlich mit Angabe des Sinnes43), was um so nöthiger. schien, als auch während des Exils die hebräische Sprache vernachlässigt wurde. Durch die babylonische Gefangenschaft ward die Absicht Gottes, durch die Juden alle Völker der Erde zu belehren, gefördert. Aus der Geschichte Daniels und der drei gleichzeitigen Gottbegeisterten Jünglinge ward dev Name des wahren und einigen Gottes geheiligt, und der Schutz, den er seinen Frommen in der größten Noth sendet, anerkannt. Israel mußte oft die Feuerprobe dev Leiden bestehen, war aber die Noth aufsAeußerste gebracht, blieb auch die göttliche Hilfe nicht aus. — Diese historische Wahrheit wurde auch immer von den Völkern anerkannt und verlieh dem jüdischen Volke etwas Heiliges etwas Unantastbares44). -1 Hebet: die Vorstellungen der alten Hebräer von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele- Von Zsrdov Kaempf. (Fortsetzung.) ■ Die Freunde der Unterwelt wollen nun nach ihrer Weise auch hier unter das, Todtenreich, und unter DWp") die dasselbe bewohnenden Schatten verstehen. Allein gesetzt auch, der Prophet sprach wirklich von einem unterirdischen Aufenthaltsort für abgeschiedene Seelen, so meint er offenbar nur die.Wohnung der verstorbenen Sünder — die Holte! — Sonst sehen wir gar nicht ein, wie es dem König von Babylon zum Schimpf gereichen sollte, daß er das Loos aller Menschen, dem sogar der Prophet selbst unterworfen ist, getheilt habe. Nur wenn es dem Ort der Verdamm«! ß gegenüber eine Wohnung der Seligkeir giebt, gewinnt das in Rede stehende Lied an Kraft und Würde. Der babylonische Tyrann wähnte in seinem Hochmuth, sich, hinauf in den Himmel zu schwingen und — nach seiner heidnischen Denkungsart — ein Gott zu werden: da mußte er, allen andern Tyrannen gleich, hinab in die Hölle fahren! — Daß er bei seinem Einzug in die Unterwelt von einer Deputation empfangen wird, kann nicht als Einwand der hier ausgesprochenen noch etwas Näheres über seine Wirksamkeit, vorfand. Muhammed beschuldigt die Juden in seinem Koran (Kap. 9) daß sie Esra für einen Sohn Gottes halten. 43) Nehemias 8> 8. 44) Ist Mordechai, sagt die Frau Hamans, aus dem Stamme der Juden, vor dem du einmal gefallen bist , so wirst du ihm nicht beikommen, du mußt unterliegen (Esther 6, 13). 19