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Der Orient · 1842-05-07 · 19 (7.5.1842) · p. Spalte 295-296

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Spalte 295-296 (sequence 4)
Language
German
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295 Unsterblichkeitslehre der alten Hebräer. Talmudische Exegetik. Von M. Schwarzauer. 296 Ansicht dienen, da ja nicht angegeben wird, daß die erwähnte Deputation aus lauter Tugendhelden bestände; im Gegentheil vielmehr beweist die Benennung „die Gemästeten des Landes", womit der Prophet sie beehrt, zur Genüge, für wessen Geistes Kind er sie gehalten wissen will. Würde nun dieses Alles der strengsten Unsterblichkeit einen Eintrag thun? — Aber wir sind weit entfernt, die betreffende Prophezeiung auch nur im Entferntesten mit der Lehre von der Unsterblichkeit in Verbindung bringen zu wollen; vielmehr sind wir der Meinung, daß sie nicht über das Grab hinaus gehen will. Zu dieser Annahme berechtigen uns mehre darin vorkommenden Ausdrücke, die auf das fragliche Todtenreich gar nicht passen. Wenn V. 8 gesagt wird, die Cedern Libanons reden den Gefallenen höhnend an: „Seit dem du liegst, kommt Niemand, uns zu fällen", so ist hier offenbar vom Liegen im Grabe die Rede. Dies geht noch deutlicher aus V. 11 hervor, wo des Tyrannen Lager im Scheol mit den Worten beschrieben wird: „Motten sind dein Polster, — deine Decke — Würmer!" — Paßt dies.auf das fabelhafte Schattenreich? —* Endlich wird B. 19 das Grab ausdrücklich erwähnt, daselbst heißt es: „du aber wirst aus deinem Grab geschleudert werden rc.," das vollkommen entscheidet. Der einzige Einwurf gegen unsere Ansicht, den wir von den Vertheidigern des Schattenreichs noch zu erwarten Hätten, könnte vielleicht die Frage sein: „Der König von Babylon kommt ja an einen Ort, wo lauter Leben herrscht? — Könige verlassen ihre Thronen, eilen' ihm entgegen und empfangen ihn mit einer Anrede — kann dies im Grabe der Fall sein?" — Hierauf hatten wir aber zu erwiedem: V. 8 laßt der Prophet die Baume des Waldes frohlocken und den Tyrannen verhöhnen — kann dies wirklich der Fall sein? 22) — Dergleichen kühne Bilder sind auch der abendländischen Poesie nicht fremd, ohne daß es noch Einem eingefallen wäre, daraus auf die Dogmatik der Religion der betreffenden Dichter zu schließen. Nur was aus des Herzens Tiefe fließt und sich unmittelbar auf die Religion bezieht, kann auf diese ein Licht werfen, nicht aber eine Allegorie, ein — wenn auch aus weiser Absicht — verhülltes Wort. Israels Religion spricht sich nicht so dunkel aus, als daß man zu ihrer Enträtselung dergleichen Hilfsmittel erst bedürfte. Es stände sehr schlimm mit der Religion überhaupt, wenn nur ein durch namenlose Leiden ausgepreßter Seufzer Hiob's, ein rathselhafter Ausdruck der erhabenen Poesie eines Propheten zu ihrem Schlüssel dienen sollte. Daß dem aber, Gott sei Dank! 22) Wollte man auch unter diesem Bilde die Großen der Erde verstehen, so widerlegt dieses immer noch unsere Behauptung nicht, — da ja auch dann noch daraus hervorginge, daß die Worte des Propheten nicht im eigentlichen Sinne zu nehmen seien. — nicht also ist, haben wir bereits genugsam erkannt und werden uns davon im Verlauf dieser Abhandlung noch mehr überzeugen. — (Fortsetzung folgt.) Talmudische Exegetik. lieber bie biblische» Auslegungen des Talmuds bei seinen Gesetzbestimmungen. Von M. Schwarzauer. (Fortsetzung.) Lassen wir nun wieder unfern Vecf. sprechen. S. 68. „Den Standpunkt der Mischna, welche im guten Glauben war, vollkommen im biblischen Sinne die Gesetzerweiterung zu unternehmen, ff. und damit dem fortschreitenden religiösen Leben und dessen Vertretern volle Macht einräumte (Sanhedrin 11, 3) konnte man nicht festhalten, da Hiermit wohl eine zeitliche Autorität der Mischna begründet, aber nicht eine ewige zugegeben wäre, indem im Gegentheile die weitere Entwickelung des religiösen Lebens sich der Mischna gegenüber hatte geltend machen können, die Mischna aber als für ewige Zeiten verbindlich betrachtet wurde (?). Man mußte daher einen Rückschritt zu den Saducäern hin machen und die Autorität aller gegebenen Bestimmungen möglichst auf das Schristwort zurückführen, die Bedeutung des nicht darauf zmückgeführten wirklich geringer stellend." Hier verfangt sich der Verfasser in seinem eignen Schlüsse; indem der Nachsatz den Vordersatz aufhebt. Erkannte man der Mischna „ewige Autorität" zu, und doch wohl vorzüglich biblisch begründeten Bestimmungen, so gehörten doch sicher die Mischnot: Rofch ha-Schana 2, 8. 9 und Ediot 1, 4. 5 auch zu dieser ewigen Autorität, — und hier wird ja gerade eine immerwährende Fortentwickelung des religiösen Lebens zugestanden!? Davon abgesehen hat man ohnedies der Mischua niemals unbedingte ewige Autorität zuerkannt. In den „Acht Grundsätzen in Betreff der Halacha", welche dem nnnü tjd vorgedruckt sind, heißt es ad 4 „und so schreibt auch der NriVi nach dem talmudischen Satze pv»n, rnran p nr&n ptA pv jnw ‘“nnD{? mn tw 13) „Wir schließen keine Halacha aus der Mischna d. h. wir dürfen der Mischna widersprechen." Damit wir aber ein anschauliches Bild von der extensiven Größe und des intensiven Werthes der biblischen Deutungen in der Mischna erhalten, versuchen wir es, hier solche in tabellarische Ordnung zu bringen. 13) Hr. D. Luzzattö hat dieses übersehen S. "jßn D"D 3 Lhl. S. 73—76.

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