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Der Orient · 1842-05-07 · Heft 19 (7.5.1842) · p. Seite 147

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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147 lief) sich mehr befestigende öffentliche Meinung von der Unparteilichkeit und Würdigkeit Ihres Blattes erfordert es, daß Sie besagtem Vorfall, im Lichte der Wahrheit beschrieben, einen Platz verstauen. — Indem der Verstorbene in seinem Codicill den Wunsch geäußert/ es möchten zwei Dajanim die Leiche begleiten, war es natürlich Pflicht des Vorstandes, die Leidtragenden, welche bei solchen Gelegenheiten ziemlich passiv sind, darauf aufmerksam zu machen, daß - sie nicht die willkührliche Aeußerung des Herrn Tiktin, „er repräsentier das ganze Rabbinatscollegium" befolgen, sondern auch den Rabbiner Geiger zur Begleitung auffordern möchten, was diese dann thaten und die Bitte um eine Leichenrede hinzufügten. G. kam seiner Pflicht nach. Da er in einem Miethwagen kam, machte ihn einer der Verwandten darauf aufmerksam, es sei Sitte, daß die eignen Wagen vorführen, und da es nicht paffend sei, daß der begleitende Geistliche zuletzt fahre, so forderte ec diesen auf, in einen der leeren Begleitungswagen einzusteigen. Wenn Herr —8— über den behenden Satz des Rabbiners (der ihm selbst übrigens zu einem sehr ungelenken Satz in seinem Berichte Gelegenheit gegeben hat) und deffen kleinliche Eitelkeit lächelte, so mögen wir ihm seine Heiterkeit nicht trüben, wie wir ihm überhaupt gern den Vorrang überlassen. Auf dem Friedhofe angelangt, zeigte sich schon eine Leidenschaftlichkeit bei der Parthei T's, deren Grund ganz unbekannt war; ein Stander, der in die Halle geschafft worden, damit vor dem zahlreichen Publikum die Rabbiner bei ihren Reden sich verständlich machen könnten, ward auf die Aufforderung T's. mit großem Geräusch wieder hinausgeschafft-. Dann trat, T. vor die Leiche und hielt eine Rede.' . Auf dem Orte des ewigen Friedens mußte der Geistliche gewiß alle Aufregung, alle Anspielungen vermeiden, aber davon war Hr. T. weit entfernt. Mit versetzt, hier dm Correspondenten — s— (mit einer früher» ähnlichen Chiffre im Oriente nicht zu verwechseln) gegen den unverzeihlichsten, unbilligsten Angriff in Schutz zu nehmen. Nicht ein- Iota von dem Men, was hier gegen den Corr. gesagt wird, ist wahr, geschweige denn würdig. Hr. —s^- ist kein Schriftsteller von Profession und kein Theologe, er hat sich vielleicht für diese oder jene Parthei entschieden, aber es ist ihm durchaus nicht beigekommen; im Interesse einer Parthei zu referiren, was auch mit seinem sonst so würdigen Charakter nicht übereinstimmen würde. Was Sie, werther Hr. Correspondent, über seine Anonymität sagen, ist um so ungerechter — ich will jeden härter» Ausdruck vermeiden — als er darin Ihnen ganz gleich ist; denn Sie sowohl als er wollen nicht dem Publikum genannt sein, wohl aber der Redaction. Uebrigens - hätte ich herzlich gewünscht, daß Sie Ihren Ausspruch, Jener habe „den Vorfall entstellt m itgerheilt", ohne Stichelei beleuchtet hätten, was Sie in diesem Artikel nicht gethan; die Wahrheit ist das Ziel, wohin wir streben, wonach wir ringen, und dieses Ziel ist da, wo man nicht mehr einer Parthei, sondern der Lüge als Gegensatz gedenkt. . R e d. dem ihm eignen Klagegeschrei zog er los über die Schlechtigkeit der Zeit: „ein Lamdan, der nicht nach der Gemara lebe, sagte er, sei noch schlimmer als ein Am-Ha- Arez; die jetzigen Reichen schämten sich fromm zu sein, sie fürchteten, es schade ihrem Credit;" und dies auf dem Orte, wo jeder Zorn schweigen soll in Gegenwart der vecschiedenst Gesinnten. Als T. geendigt hatte, stellte sich sogleich die ganze Wirkung seiner aufregenden Rede heraus; denn kaum öffnete G. den Mund, als außerhalb der Halle, wie Herr —s— sehr wahr und richtig es nennt, ein pöbelhafter Tumult ausbrach, an dem jedochwie jeder Vernünftige einsieht, die Anhänger Geigers, die auf seine Rede voller Erwartung lauschten, nicht die geringste Schuld Haben können, von dem es sich vielmehr bald ergab, daß er auf Verabredung' entstand zur absichtlichen Störung G's. in seinem Vorträge. G. hielt natürlich inne, und sprach: ich will die Ruhe des Tobten nicht stören, ziehe hin in Frieden! und entfernte sich. Die Erbitterung äußerte sich nun natürlich vielfach; und ob vielleicht später einige Verehrer G's. aufs Tiefste verletzt, auch ein unbesonnenes Wort gesprochen, das wird die Untersuchung ans Licht bringen. Der Vorstand berufen, die eigenen Rechte wie die seiner Beamten zu schützen und den Zündstoff aus der Gemeinde zu entfernen, that was er nicht lassen konnte. Sie können sich denken, daß 14 Ehrenmänner, deren öffentliches und Privatleben kein Spaheraüge zu fürchten hat, die freilich, wie Herr —s— berichtet, Freunde G's. sind, aber doch wahrlich aus keinem ändern Grunde, als' weil sie Freunde des Lichtes, des Rechts und der Wahrheit sind, Männer, alle in der letzten oder dbch in der Mittlern Lebensstufe, sich nicht zu dem Schritte der Suspension T's. veranlassen ließen, wenn dieser nicht das Resultat der gewissenhaftesten ruhigsten Ueberlegung wäre, wenn nicht 60 der ehrenwerthesten Gemeindemitglieder den Vorstand zu diesem Schritte aufgefordert hättenden überdies auch der übrige größere Theil der Gemeinde stillschweigend billigt, wenn nicht alle in T. den tiefem Urheber des Skandals erblickt hätten. Das Schreiben des Vorstandes aber an Herrn T., das Herr —s— mit weniger Rücksicht gegen den letztem, als bis jetzt seine Widersacher gehabt haben, abdrucken ließ, ist eine Waffe, die'der ungeschickte Wertheidigec gegen seinen eignen Schützling wendet, denn dasselbe zeigt zur Genüge, was der edlere Theit der Gemeinde über den Mann und sein Wicken denkt. Die Unterzeichneten Namen sind auch außerhalb des Weichbilds Breslaus bekannt; sie genügen zur Vertretung der Sache. Was der Erfolg fein wird, wird die nächste Zukunst lehren. X. ' f8tre§Iait, 24. April. Meinem Versprechen gemäß erfolgen hier auszüglich diejenigen Paragraphen aus den Statuten für die chiesige Israelitische Gemeinde, welche in den jetzigen Wirren und Zwistigkeiten von der 19 *

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