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Der Orient · 1842-05-07 · Heft 19 (7.5.1842) · p. Seite 146

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 19 (7.5.1842)
Date
1842-05-07
Page
Seite 146 (sequence 3)
Language
German
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146 nicht in Ausführung kommen konnte, weil etwas Festes und nicht Vorübergehendes geschaffen werden soll, steht dennoch bald bevor, wenn nur der nöthige Schutz geleistet wird. Wie rüstig die hiesige Gemeinde sich zeigte in Betreff des neuen projektirttn Gesetzentwurfs über die Verhältnisse der Juden, ist Ihnen hinlänglich bekannt. Und so zeigt sich denn dem aufmerksamen Beobachter eine gesunde Entwicklung des Gemeindelebens, die von intelligenten Vorstehern gefordert wird, die aber dennoch mit Recht dem. Namen Geiger, als dem Anreger und Repräsentanten derselben, zugeschrieben wird. — Natürlich treten diesem die schadhaften Elemente der ' Gemeinde entgegen, die sich wieder unter der Fahne Tiktins schaaren, und dieser Mann hat in der That seine Stellung zur Gesammtgemeinde und zu deren 1 Verwaltung so verkannt, daß er mit seltner Hartnäckigkeit und Herrschsucht die ihm vorgeschriebenen Pflichten ignorirt, die Schritte der Gemeinde, sobald sie ihm nicht gefielen, namentlich die Wahl Geigers zum zweiten Rabbiner und Alles, was daran sich knüpfte, willkührlich desavouirte und bestritt, und hiermit weit über seine Funktionen hinausgriff und sich zum Herren der Gemeinde aufzuwerfen und zu behaupten große Lust zeigte. War nun sein Jgnoriren und Pcotesticen freilich meist ohnmächtig, so. war doch, seine Weigerung, eines jeden kollegialischen Zusammenwirkens mit Geiger ebenso verletzend, wie störend, und seine Deraschor, die er im Widerstreite, mit den, Statuten, der Gemeinde, wonach er alle 4 Wochen einen Vortrag in, reindeutschec Sprache zu halten hat, der sich, lediglich aus Religion und. Moral beziehe, blos zwei Mal im Jahre, und. gelegentlich auf dem Friedhöfe hielt, hatten stets einen so feindseligen Charakter, waren, so voll bitterer, witzelnder Anspielungen, wahrhaft. Bibel- und Midrasch-Stellen verdrehend, daß sie jedesmal bei dem. verständigeren Th eil der Gemeinde Unwillen erregten, seiner Partei aber leidenschaftliche Nahrung.gaben. Viele wünschten bei. Trauungen beide.Rabbiner, vereinigt zu sehen, indem sie T. nicht beiseite, schieben , aber auch, das anregende Wort aus G.'s Munde nicht vermissen wollten; T^ weigerte sich, der Vorstand, mußte zu den.Mittel greifen, daß jedem, der beiden Rabbiner gestattetsei, Trauungen zu verrichten. Bei Chaliza und Ehescheidung, wo ein Rabbinatskollegium fungiren muß, war diese Trennung nicht. möglich; dennoch weigerte sich Herr T., G. dabei, mitfungiren zu., lassem Der Vorstand, ebensowohl verpflichtet, feinen, Maßregeln Anerkennung zu verschaffen, als., die. Rechte, der/ von ihm Angestellten zu schützen, duldete diesesnicht, und. zwei Jahre lang schon wurde versucht, dieses. Zerwürfniß zu beseitigen, während welcher Zeit vorkommende Chalizah's auswärts vorgenommm wurden. — Ich will hier nicht die Motive zu T^s Verfahren., untersuchen, so wie ich. überhaupt , kein. Freund. der. estroni<;ue, seunäaleuse, es vermeide,. Thatfachen zur Beleuchtung seines Charakters beizubringen; aber aufmerksam muß ich darauf machen, daß der Rabbiner einer großen Gemeinde sich schwer versündigt, wenn er, nicht beachtend die Stimmung eines großen und zwar des ehrenwertheren,- angeschenern Thesis, mit petulanter Vehemenz in allen Stücken verfährt, das Zerwürfniß immer nährt und steigert. Daß sein Ansehen dadurch untergraben wurde, ist natürlich; man sagt es sich jetzt iryyrer und immer, daß der Mann denn doch eigentlich nicht, sowohl seiner wahrhaften Befähigung seine gegenwärtige Stellung verdanke, als vielmehr dem Umstande, daß sein Vater hier Oberrabbiner gewesen, und bei dessen Tode seine nächsten Verwandten im Vorstände gesessen;, man erinnerte sich, daß der Mann damals sogar keine riNnin mnn austreiben konnte, auch gar nicht eigentlich angestellt, sondern bloß auf 3 Jahre als stellvertretender Oberrabbiner ausgenommen worden sei, in der damaligen Lauheit aber das Vechältniß sich so foctgeschleppt habe; daß er übrigens seit der Zeit auch nicht das Geringste geleistet, was der Gemeinde zu Statten gekommen, und wodurch ec etwa seine Befähigung bewiesen habe. Dennoch ließ man ihm die gerechte Unzufriedenheit nicht fühlen, behandelte ihn vielmehr nach wie, vor mit der größten Rücksicht, und sowohl Herr Dr. Geiger als der Vorstand ließen es nicht an Versuchen fehlen, seinen starren Willen zu beugen, die aber alle erfolglos blieben. Unter diesen Umständen erkannte man es.wohl, daß es irgend einmal zu einem Aeußersten kommen müsse, und so sehr alle, Einsichtigen dies zu vermeiden bemüht waren, so arbeiteten Herr Tiktin und seine Partei in ihrer stürmischen ungebildeten Weise, nur immermehr darauf hin, die Krisis zu beschleunigen. Sie erreichten ihr Ziel. —; Ich komme jetzt zu dem Vorfall auf dem Friedhof, den Ihnen der hiesige Correspondent —8— in Nr. 17 des Orients, durchaus entstellt mitgetheilt hat. Man sieht den Geist, der ihm die schwerfällige Hand beim Schreiben führt, und hinter dem geschlossenen. Vistc erkennt' man ohne großen Scharfblick den theologischen Industrie - Ritter, sei es, auch , nur aus seiner unbeholfenen Schreibweise,. ex ungue ieonem! Jetzt in der Aufregung und- Verwirrung des. frischen Kampfes, meintder kühne Held seine ersten Sporen an, Geiger zu verdienen; Gelegenheit macht ja. zu so Manchem, warum nicht auch zum, Schriftsteller I Wie sagen die Talmudisten? Nmir rui NiDDy 2^, „Nicht das Mäuslein. ist der Dieb, sondern das Loch^> aber wer. sieht nicht ein, daß. man.dem-kecken Mäuslein leicht das- Loch verstopfen, kanw*). Die tag- *) So ungern ich zu den Mttheilungm Anderer eine Bemerkung mache, da ich der Meinung lebe, daß gerade den jüdischen Blättern wahre' und nicht bloß titulare Unpartheilichkeit nöthig ist, so-sehe ich mich .doch in die Nothwendig.keit

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