Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1842)
- Date
- 1842-05-07
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken fü r ■ ' ' - •' Das Abonnement für ein Jahr" ist 5 Thlr. jüdische Geschichte Md Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich. Man abonnirt bei allen das Literaturblatt mitlöbl. Postämtern und Herausgegeben - gerechnet, zwei Bogen, allen solid. Buchhand¬ und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. von Samstag regelmäßig. Ar. Julius Fürst. AG» ~ Leipzig, den 7. Mai; \ Ä. ^4-2* Deut sch l an d. (Breslau: Anderweiter Bericht über die neuesten Gemeindezustande daselbst. E b e n d.: MiLtheiheilungen aus den Gemeindestatuten. H am bür g: Herrn Haarbleichers Treiben. B e r li n : Die Akademie der Wissenschaften in ihrem Verhaltniß zu den Juden. Eb en d. Ministerial-Verordnung über' Beiträge der Juden zu christlichen Kirchensystemen.) — Volks Lhümliche Aufsätze und B e urt h eilu n g e n.> Das Judenreglement von 1710 in Hamburg. — Reflexionen über ein noch unbearbeitetes literar-historifches Thema. — Joseph utö> sein Freund, aus dem Persischen. — P e rso n a l ch r o n i k u n b M i s c e l l eit. — LV. d. Or. . - .Deutschland. IZvesiLSA, 2. April. Unsre zwar immer große aber seit lange nicht beachtete Gemeinde tritt seit einiger Zeit mit in den Kreis der Bewegung, ja drängt sich in gewissem Sinn sogar in den Vordergrund. In der That rann man aber auch sagen, daß Breslau seit vier' Jahren eine ganz andere Physiognomie angenommen. War damals unter den Gebildeten die größte Gleichgültigkeit gegen alles Jüdische, und sogar eine vorherrschende Neigung zum Austritt bemerkbar, so stellt sich gegenwärtig das allseitigste Interesse an jedem Vorgang und Ereignisse, das jüdisches Leben berührt, heraus. Alles regt sich" jetzt frisch und lebendig, während freilich das. von früherher Krankhafte Widerstand leistet und/ die wunden Stellen nun erst recht in ihrer abschreckenden Blöße hervortreten. Ich will nicht so häufig Berichtetes hier wiederholen: wie die Predigten Geigers immer eine zahlreiche und gedrängte Schaar von Zuhörern in das fonit fo t>etobeCc @otte^I>au§ vufert / nun nachdem nicht mehr der Reiz der Neuheit dorthin lockt, sondern das wahrhafte - Bedürfniß echter Erbauung; auch die mühsam sich emporringende Verbesserung in der Synagoge, wo Choralgesang eingeführt, das Aufrufen mit Namen und die Versteigerung der Mizwot abgeschafft wurde, , eine würdige Ruhe immer mehr sich befestigt u. dergl. Vorstufen zu einer eigentlichen Cultusreform, mag ich nicht weitläufig schildern, obgleich sie , bei einem so gemischten Publikum wie das' hiesige ist, bei den wirklich ans unglaubliche grenzenden Hindernissen, welche Herr Tiktin einem jeden Schritte in dm Weg legte, von eben so viel Ernst als Beharrlichkeit Seitens des Cultus- Vorstandes Zeugniß abtegm. Um Ihnen eine Probe von der Art des Herrn Tiktin zu geben genügt es, wenn ich Ihnen erzähle, daß dieser, als man das .Aufrufen mit Namen einstellte, sowohl an. den Cultusals an den Gemeinde-Vorstand sich protestirend wandte, weil „solche Neuerungen unsren Cultus gefährdeten". Ein solch lächerliches Vorgeben konnte freilich um so weniger Eindruck machen, als Geiger, darüber befragt, auf Meier Rothenburgs Gutachten Nr: 108' und Mendel Steinhards Nr. 3 hinwies. Jedoch lassen wir die theologischen Fragen und sehen wir'auf die andre innere Thätigkeit der Gemeinde, so zeigt sich eine lebendige Teilnahme für alles Edle, das die neuere Zeit unter den Juden hervorgerufen. Cremieux's Aufforderung zur Unterstützung der Schulen in Alexandrien und Kahira fand hier lebhaften Anklang , und die dafür veranstalteten Sammlungen, zu denen auch andre schlesische Gemeinden, welche von hieraus aufgefordert wurden, beitrugen, brachten nahe an 600 Thlr. für diesen schönen Zweck zusammen. Indem die. bestehenden löblichen Vereine an Gedeihen zunehmen, bilden sich auch solche, an denen es bisher gefehlt. Bald wird ein Handwerksverein und ein im großartigen Sinne unternommener jüdischer Leseverem segensreich wirken; die Errichtung einer Religionsunterrichtsanstalt, die in großen Gemeinden, namentlich Preußens , so viele Schwierigkeiten chah und die daher, schon einige Zeit beabsichtigt, noch 19