Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Spalte 283-284 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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H83 Lalmudische Exegetik. es konnten auch die durch wechselnde Verhältnisse entstehenden, von spätem Gerichtshöfen, eingeführten. Gesetze insofern ja auch diese von der Vorsehung eingesetzt — involviren. 4) Viele religiöse Gebrauche waren da, welche nicht klar in der Bibel ausgesprochen sein konnten. Da man sie nun gleichen Alters und gleicher Abstammung mit dieser hielt, so bestrebte man sich, irgend einen.Nachweis dafür m der Bibel zu finden. Ohne darum je-die natürliche Auffassung des Textes hinten an zu setzen. 5) Der Talmud kennt und erkennt die mannigfaltigste Exegese der Bibel — gerade weil eS ein göttlich e s Buch ist —- an, wenn sie nicht die religiöse Sitte negirt; dies bezeugt die Discusston jedes Blattes der G.emara, wo die heterogensten Erklärungen eines und desselben Verses Vorkommen; dies beweist die willkürlichste Verwerfung der Erklärung des Einen vom Andern, ohne die geringsten Motivirung; dies bezeugen klar ausgesprochene Stellen darüber; und endlich 6) seine Nachweise und Erklärungen sind ihm Selbstzweck; es ist ihm das höchste Bestreben im Leben; eine religiöse Beschauung, die schon durch die Absicht geheiligt wird; daher ist ihm seine Untersuchung — so unfruchtbar und erfolglos sie sich auch oft ergeben mag — kein „Spiel" kein „Scherz", sondern der heiligste Ernst, ein Leben in Gott, ein Werk höher als das Gebet selbst, und namentlich das Bestreben, der rnünd-. lichen Lehre dadurch immer mehr beim Volke Eingang . zu verschaffen. 7) Die Geltung der Gesetzbestimmungm des Talmuds hangt nicht von dem Nachweise aus der Nl'N ab, denn jene war im Allgemeinen schon lange da, und der Nachweis geschah erst viel später, und dessen Absicht war keine andere, als: theils wie wir im 6. schon gesagt; theils weil -man voraussetzte , es haben diese Bestimmungen einerlei. Quelle mit der rmn und endlich um -W bnp) tsra Zuletzt 8) ist nach diesem Allen das Deutungsverfahren des Talmuds keine Erklärung zum Verständnisse der heiligen Schrift — welche dem Volke schon durch das Lesen allein verständlich war — sondern ein Bestreben, dem Bibeltexte möglichst die Eapacität zu geben, die traditiven Gesetze zu involviren. . Wir kehren noch einmal zur Mischna zurück, theils um noch einige Belege für das Hecaügebrachte hinzuzufügen, theils noch einige Beweise zur Begründung unserer Ansicht von dem talmudischen Deutungsverfahren bei seiner Gesetzbegrundung nachzutragen, dabei die Skizze in ihrem Fortgänge beleuchtend, um sodann zur Methode der Gemara hierbei überzugehen. Wenn wir den ersten Ausspruch der Mischna (Berachot 1, 5): „Man gedenke des Auszugs aus Egypten Bon M. Schwarzauer. 284 . bei Nacht" eine rpw"i r\m2 ü) genannt hat, so gehr dies auch schon daraus hervor, daß in der Hagada der häus- : lichen Andachtsfeier am Pessachabend, dieser ganze Satz fehlt und statt dessen beginnt diese Stelle gleich mit: „Es sagte R. Elasar b. Asaria: ich bin nun fast 70 Jahre alt" ff.; Die M e chiltha 9) bringt ebenfalls diese Mischna! (Rosch haschana 3, 8) mit einigem veränderten Ausdrucke und folgendem Zusätze: „Dem ähnlich heißt es! (Ex. 12, 13): und das Blut sei euch zum Zeichen an j den Hausern, in welchem ihr seid, und ich werde das; Blut sehen, und werde über euch wegschreiten rc. — i kann denn das Blut etwa dem Engel oder Israel nutzen? , Der Sinn ist demnach dieser: so lange Israel folgsam ist, wird es Gott verschonen^ 8 * I0). R. Elieser will noch, dort aus den, nach ihm überflüssigen Worten: „und es siegte Israel, und es siegte Amalek"v— Israels spatern Sieg in der Offenbarung, bedinget durch , seinen Gehorsam, und aus den Worten: „und die Hände Mosche wurden schwer" —- daß man nicht säumen soll mit der Pflichterfüllung, erklären. Aus diesem ergiebt sich nun. ebenfalls, wie der Bibeltext stets nach dem Zeitbedürfnisse und nach einer subjemven Reflexion gedeutet wurde , ohne Rücksicht, welcher Deutung ein solcher schon anderweit unterworfen gewesen. — Wenn aber unser Verfasser S. 64 sagt: „daß die Verschiedenheit der Ansichten , welche an die verschiedenen Erklärungen sich knüpft, und die Nöthigung, welche für die abweichende Ansicht vorhanden war, eine andere Erklärung aufzustellen, beweisen, daß man an ernstliche Erklärungen gedacht hat;" so geben wir den Schlußsatz, aber den Vordersatz nicht zu. Denn wie schon bereits gesagt, war die Nöthigung und der Zweck nicht die Erklärung des Textes, sondern dieses war nur ein Mittel zur Legalisation der Gesetze. Hinsichtlich der vom Verfasser angeführten Mischna: Chagiga- 1, 8. so verliert dieselbe viel an Bedeutung für die Hypothese unsers Verfassers, wenn man bedenkt, daß sie ihre Entstehung nur einer zufälligen Jdeenassoi ciation verdankt. In den unmittelbar vorhergehenden : Mischnot nämlich werden eben verschiedene Gesetze dec- ■ d rt biblisch begründet, nämlich mit den Worten nt by 11DM, was Hr* Dr. G. selbst S. 60 für keine eigenr-! liche Exegese erklärt, sondern für ^Anwendung von Versen auf gegenwärtige Zustände." Dadurch angeregt spricht nun die Mischna ihre 8) Von einer solchen ist die Rede- Ketubot 5, 3. Sanhedrin 3. Grttin 5. Nedarim 6. Nasir 9. : 9) n>Eo nicriD Nffem 10) Wir konnten hier den Wortender Mechittü kernen ^am^rnn a^minnen* p M bo tibi* {n noDi w orpty on-nipn orpnns by nin p pnw ‘nnsn by*