Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Spalte 285-286 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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285 Lalmudische Exegetik. Ueberzeugung aus, daß eben solche biblische Begründungen den Werth der Gesetze-nicht haben, den n diese wie jene seien das'Wesen der Thora. Schließlich liefert eben diese Stelle noch den Beweis in den Worten ddd^ HD by fb wy daß eben die biblischen Begründungen nur subjettive Erklärungen sind, und nicht wie der Verfasser meint, eine insallibele Bibelexegese, neben welcher keine andere hergeht. Aber nicht nur, daß man sie nicht für infallibel hielt, man erlaubte sich sogar-die Würdigung mancher Deutungen mit einer Ungeheuern Ironie zu bezeichnen. Sotha 5, 5. „An jenem Tage, lehrte R. Jehoschua b. Hyrkanas: Job verehrte Gott nur aus Liebe, denn so heißt es (Job 13, 15): Siehe lobte er mich, brpx )b, ■ seiner würde ich dennoch hoffen. Aber noch bleibt es schwankend^) ob man liest b oder xb, und dann hieße es: ich hoffe nicht mehr? Dafür steht aber (Job. 27, 5): bis ich verscheide lasse ich' meine Unschuld mir nicht nehmen. Dieses lehrt, daß er aus Liebe gehandelt. Da sagte R. Jehoschua: O, wer doch hinwegnehme den Staub von Deinen Augen, Du R. Jocha- Nan b. Saki! der Du gelehret hast Dein Lebelang: daß Job Gott nur aus. Furcht gedient, denn so heißt es (Job 1, 1): und es war derselbige Mann unschuldig und redlich, gott es furch t ig und das Böse meidend. Siehe! Jehoschua, der Schüler Deines Schülers, lehrt, er habe aus Lieb e gehandelt!!" Unverkennbar würdigt hier der R. Jehoschua die Deutung des Hyrkanas durch ein Muster von ironischer Redeweise und zwar noch damit, indem er die großes Autorität des R. I.- b: Saki der viel geringem des Schülers vom Schüler gegenüberstettt. Siehe hierzu noch ibid. 5, 2. Wie hatte man auch consequent einen so hohen Werth auf den biblischen Nachweis legen können, da man das mündliche Gesetz höher als des schriftliche achtete (n - Ny), und dieses sogar den Anforderungen der Zeit unterordnete und aufhob. — So schwächte durch den die biblischen Gesetze das Erlaßjahres (Schebiit 3, 4). — - Als die Mordthaten sich mehrten, Hörte' das TiEny'rbfy (Dt.. 21, 1—9) auf. — Als der Ehebruch keine Seltenheit mehr war, antiquirte 3?. Jochanan b. Saki die onD (Num: 5, 11—31. Sotha- 9, 9). — Der hohe Priester Jochanan ließ nicht mehr das Bußgebet über die Zehnten, worüber Maßer scheni 5, 10 —14 abgehandelt, wird, vortragen, und schaffte 11) In der Gemara'Sotha-3b a. wird dieses weitläufiger besprochen und dem b beide Bedeutungen: „ihm" und „nicht" vindicirtz welches ebenfalls unsere Behauptung oben, bei Beleuchtung der von Hr. Dr. G. angeführten Mischna (Nasir 9,-5)/ wie man nämlich in der Bedeutung gleichlautender Wörter, in denen quiescirende Buchstaben Vorkommen, in Zweifel war, begründet. Vergl. Herrn Dr. Frankels Vorstudien S. 223 u. Amn. §. und ib. 240. 3. Von M. Schwarzauer. 288 gewisse Tempel-Gesänge ab, welche eine zu anthropomorphistische Färbung hatten (Pf. 44, 24) (Sotha 9, 10). — Als die ursprüngliche Absicht der Levirathsehe (Dt. 25, 5 — 6) verfehlt wurde, setzte man die Scheidung ib. 7 — io) für immer an deren Stelle (Bechorot 1, 7). Nach dieser maßlosen Autorität, welche aus diesem Allen für jedes Beth-Din hervorgeht, konnte der Zweck biblischer Begründung talmudischer Gesetze kein anderer sein, als eben diesen beim Volke — dem ja zu allen Zeiten ber tobte Buchstabe mehr galt, als der in wohnende Geist — mehr Eingang zu verschaffen — und zu diesem Zweck hielt man es schon hinreichend, wenn das zu erweisende Subjekt nur irgend eine äußere Verwandtschaft mit dem beweisenden Objekte hatte. Denn bei dem Esoteriker fanden gerade 'Gesetze, deren Begründung — mochte diese biblisch oder rationell sein — erst nachgewiesen werden müßte/ heftigen Widerspruch (Kelim 13, 7. Thebul jom 4, 6.), während diejenigen, welche sich nur aus Tradition stützten,- keinen weitern Widerspruch fanden, oder wohl gar finden durften. S'. Jedajim 4, 3. Keritut 3, 9.): dni ^p-3 HD^/T dx n:wn „Ist es eine Halacha (traditiv) — so nehmen wir es an;- ist es aber Ergebniß der Discussion, so steht zu repliciren." Deshalb zögerte man auch bei der Einführung eines neuen Gesetzes, eine desfallsige Motivirung zu veröffentlichen, um jedem Widerspruche voczubeugen. (Ny fh xy) xniyi nw o xby ">VNM nd\n nd^i ’nw rrv nönn ny' btö üb Nonyon TIN") >l?D N'b'l Wenn nun die Mischna sowohl wie die Gemaca Gesetze für minn p erklärt, so ist dies nicht immer so zu verstehen,' als seien jene Gesetze in der Bibel verzeichnet, oder aus ihr erwiesen, sondern, wie wir schon bemerkt, sie sind mit ihr gleichzeitigen Ursprungs oder in ihrem Geiste eingeführt. Denn die Bezeichnung rhlriri p' fntbetv wir oft beb Gesetzbestimmungen in der Mischna, bei welchen eine Motivirung dieser Bezeichnung gar nicht weiter angegeben wird. So z. B. Baba mezia 7, 2. und Sanhedrin 11, 1. „und diese werden beö zukünftigen' Lebens nicht tbeilhaft".wer da behauptet, die Auferstehung der Todten sei nicht rnirin p biblisch. (Wozu Ra sehr commentirt: selbst' wenn' er auch'sonst für sich an Auferstehung glaube.) Obgleich nun der biblische Nachweis für diese Lehre erstin der Gemara (Sanhedrin 90, 6.) aber nirgends in der Mischna vorgenommen wird. Von der- Gemara behauptet dieses schon Nachrnanides ['2).: Man vergleiche hierzu noch- Sabbat 23, a. 12) Nachmanides zu Maimomdes^ „Büch über die Gebote" Erste Abhandlung. S. 6: d. nt jvjni/ D'DDnttf \3ÖD iüd oprnbi min ennm W :Du»jjn wzrh"ron 'D) mm rnDN „Denn die Weisen pflegen dies stets, ihre Gesetzbesrimmuugen im Namen der Tora zu geben und sprach-