Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Spalte 279-280 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Talrnudische Exegetik. Von M. Schwaczauer. 289 dem Götzendienste mit Leib und Seele anhmg, und unter allen zeichnete sich Achab, der von seiner bösen Gemahlin' Isabel, diesem weiblichen Ungeheuer, in seiner Ruchlosigkeit unterstützt wurde, durch Schandthaten aus. Der elende Zustand des Volkes, so wie der Unfug der falschen Propheten hatten ihren Culminationspunkt erreicht. Die Prophetenschulen, die noch immer, wenn auch vielleicht blos dem Nahmen nach existirt haben, wurden von der schrecklichen Königin gänzlich aufgehoben, die Prophetenjünger grausamer Weise. ermordet, und wahrscheinlich falsche Propheten für den Baal gebildet 20). Durch das energische Auftreten des Propheten Elias am Berge Karmel, erlangte die wahre Gottesverehrung wieder viele Anhänger; durch die Niederlage der Baalpropheten mochten sich die Prophetenschulen wieder erheben, und fanden sich in mehreren Orten, wie zu Bethel und Jericho mit vielen Jüngern, die in der Schule blieben, selbst nachdem sie schon verheurathet waren *-). Elischa, der Nachfolger des Elias in der Prophetie, hielt den jungen Propheten Vorträge, und als der Hörsal den Schülern zu eng war, führten sie selbst ein neues Gebäude auf 22), (Beschluß folgte Talnmdksche Exegetik. Ueber die biblischen Auslegungen des Talmuds bei seinen Gesetzbestirrrrrrungen. Von M. Schwarzauer. - (Fortsetzung.) (Edijot 1, 4. 5) heißt es : „Und warum werden vergeblich die Worte Schamai's und Hillels erwähnt?" (da wir doch nur den einen oder den andern autonsiren.) „Um kommende Generationen zu belehren: daß kein Mensch eigensinnig auf seinen ausgesprochenen Ansichten beharren soll, denn die Vater der Welt beharrten nicht auf den ihrigen." Aber warum wird die Ansicht des Einzelnen neben der der Majorität erwähnt? Da doch dieser der Gebrauch nur folgt! Deshalb: wenn einem Tribunale die Ansicht des Einzelnen einleuchtet und darauf sich stützen will — so hat kein anderes Tribunal, (welches zu der Mehrheit sich bekennt) das Recht, das 20) Aus dieser Combination gewinnt die ganze Geschichte des Elias bedeutend an Licht. Die Königin Isabel konnte in den Schulen die Propheten leicht finden. Daher zeigen sie sich unter Elischa, dem Nachfolger des Elias, an mehreren Orten in größerer Anzahl wieder, nachdem so lange ihrer keine Erwähnung geschah. 21) ll Könige 2. 22) Jbid. 4, 1. 23) Ibid. 6, 1, Urtheil des erstem aufzuheben: es sei denn, daß es ihm extensiv und intensiv überlegen sei." Wir fragen nun: wo einer subjectiven Ueberzeugung solcher Spielraum gelassen wurde, ob da von einer Jnfallibilitat der Bibel- Exegese die Rede sein kann? — Wir fragen vielmehr, wer seine Ansichten für infallibler gehalten, die „Barer der Welt" oder die jetzt nachkommende Generation? Wie viel man der jedesmaligen subjectiven Ueberzeugung eines jeden Tribunals, insofern es als solches gehörig autorisirt war, ohne Rücksicht seines biblischen Nachweises dafür, unbedingt anheimgab, mögen folgende Mischnot beweisen: (Rosch haschana 2, 8. 9.) „R. Gamliel Hatte Figuren der Mondphasen, wonach er die Idioten (welche als Zeugen, den Mond in seinem ersten Viertel gesehen zu haben, behufs der Festbestimmungen austreten) prüfte ff. Einst hatte dieser zwei Zeugen angenommen, welche vom R. Doffa und R. Jehoschua verworfen wurden." Da schickte R. Gamliel (zu R. Jehoschua): ich befehle Dir, zu mir zu kommen mit Deinem Stabe und mit Deinem Gelbe am Bersöhnungfeste, welches an dem Tage nach Deiner Berechnung sein wird. Da fand ihn R. Akiba (den R. I.) betrübt und. sagte ihm, ich kann Dir beweisen, daß Alles was R. Gamliel thut auch Rechtens ist; denn so steht geschrieben (Lev. 23, 2): „Die Feste des Ewigen, die ihr verkünden sollt, als heilige Berufung, meine Feste sind diese." „Die ihr verkünden sollt (lehret) sei es zur rechten oder Unrechten Zeit," „keine andern Feste als di ese (die ihr verkündet)". Da kam zu ihm (zu R. I.) R. Dyssa und sagte zu ihm: ist uns das Bethdin des R. Gamliel eine Autorität, so muß jedes andere von Mosche bis jetzt es uns auch sein. Denn so heißt es: „Und es ging Mosche, Ahron, Nadab und Abihu und siebzig von den Aeltesten Israels". Warum werden die Namen der Aeltesten nicht genannt? Das will lehren: jedes Triumvirat, welches als Bethdin über Israel errichtet wird, ist so gut wie das Bethdin Mosche's. Da nahm er (R. Jehoschua) seinen Stab und sein Geld und ging nach Jabneh zu R. Gamliel an dem Versöhnungsfeste seiner Berechnung. Da stand R. Gamliel auf und küßte ihn und sagte: willkommen in Frieden mein Lehrer und mein Schüler! Mein Lehrer in Weisheit, mein Schüler, daß du angenommen meinen Befehl!" Würde man nun jemals dem Bethdin jeder Zeit solche Autorität beigelegt („wie Mosche selbst!") haben, würde man seiner subjectiven Ansicht so freien Spielraum gelassen, wenn das vorherrschende nn die Beweise seiner Gesetzbestimmungen für infallibel gehalten? In der Thctt, die Behauptungen unseres sehr geehrten Herrn Dr. Geiger werden uns immer unbegreiflicher! Wenn Hr. Dr. G. durch agadische Stellen (Joma8, 9. Nasir 9, 5), die wir schon oben beleuchtet, „das von, der Mischna weit getriebene Spiel mit den Worten der Bibel" nachzuweifm sucht, so ist es uns wohl auch ge-