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Der Orient · 1842-04-30 · 18 (30.4.1842) · p. Spalte 277-278

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
18 (30.4.1842)
Date
1842-04-30
Page
Spalte 277-278 (sequence 3)
Language
German
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227 778 Geschichte der Cultur a. der Schulen unter den Juden. Von D. Ehrmann. Dichter war, schätzt jeder Kenner der hebräischen Poesie; über die weitere Ausbildung seines Geistes schweigt die Geschichte. In seinen schönen Gedichten spricht er selbst von seinem eifrigen Studium der göttlichen Gesetze. Die Lradition giebt nähere Notizen über seinen Fleiß und über seine Kenntnisse. Er soll die Nächte mit Studium und Gebeten durchwacht, und die ritualen Aussprüche ohne Ausnahme ertheilt haben. Bei den letztern zog er, nach derselben. Tradition, den gelehrten Mefiboset, den er Rabbi (Lehrer) nannte, zu Rache, und dieser soll wieder von Daniel, dem Sohne Davids, an Gelehrsamkeit weit übertroffen worden sein 1s)> Unter der Regierung des Königs Salomo wußten die Wissenschaften sehr blühen, da die Stimme der Cultur nicht, wie während der Regierung seines Vaters, von dem Geräusche der Waffen übertäubt wurde. Der König selber strahlte als leuchtendes Gestirn am Horizonte der Wissenschaft. Er wurde als der weiseste aller Menschen erklärt, und Könige aus fernen Landen kamen nach Jerusalem,' seine Weisheit mit anzuhören. Er übertraf an Gelehrsamkeit alle Weisen Morgenlands und Egyptensl6). Er führte in der hebräischen Literatur eine neue Gattung der Ppesie, die der Gnomen, ein, welche die Weisen Morgenlands zu solcher Celebrirät brachten. Er verfaßte 3000 Sittensprüche, von denen nur einige Hunderte auf die Nachwelt gekommen sind, die alle eine tiefe Kenntniß des menschlichen Herzens verrathen. Außerdem war er Verfasser von tausend und fünf Gesängen , die die Fluchen der Zeit ebenfalls verschlungen haben. Doch in allen diesen Fächern fand er schon treffliche Muster. Er war aber unter seinem Volke der Schöpfer einer Wissenschaft, die von den alten Völkern, mit Ausnahme der Griechen und Römer, wenig, von den Juden gar nicht bearbeitet wurde. Ich meine die gründliche Kenntniß der Natur, die er in hohem Grade besaß. Besonders waren das Thier- und Pflanzenreich in ihrem weitesten Umfange Gegenstand seiner Forschungen, worüber er wahrscheinlich auch Werke schrieb, die nicht auf die Nachwelt gekommen sind 17). Was er für die Erziehung und den öffentlichen Unterricht gethan, läßt sich nicht Nachweisen, daß er aber, im Allgemeinen, durch seine vielen Kenntnisse, durch den Tempelbau, durch ausgebreitete Handels- und anderweitige Verbindungen mit dem Auslände, endlich durch tolerante Gesinnungen gegen Andersgläubige viel zur Bildung seines Volkes beigetragen habe, kann mit Sicherheit angenommen wer- 15) Berachot Kap. 8. 16) 1 Könige 5, 10—11. 17) : lbid. wo der Ausdruck dieselbe Bedeutung wie im vorhergehenden Vers zu haben scheint. Möglich, daß aus einem solchen naruchistorischen Werke die Verse 24—32 des 30sten Kapitels in den Sprüchwörtern, die gar nicht dahin gehören, entlehnt sind. Die Vermuthung ist'um so wahrscheinlicher/als man aus den Versen 30 — 32 gar keine Lehre schöpfen kann (vergleiche: Vorrede des Uebersetzers zu Maimonides Mischnakommentar Seder Naschim)., den. Schon die vielen Stellen, in den von ihm verfaßten ProverbienlS), über Erziehung und über den Werth der Weisheit und Kenntnisse bestätigen diese Annahme und lassen vermuthen, daß der weise Monarch diesem wichtigen Gegenstände seine ganze Aufmerksamkeit schenkte. War von der einen Seite die Regierung des. weisen Salomo,, der Cultur des jüdischen.Volkes förderlich, so mußte doch sein gegen das schlichte Leben der beiden ersten Könige Israels gewaltig abstechender Luxus, die Ungeheuern selbst geschaffmcn Bedürfnisse an seinem Hofe, die nie zu befriedigende Baulust, und vorzüglich das Einfuhren fremdartiger Elemente, ins religiöse jüdische Leben, in welchem seit Samuel jeder Götzendienst verbannt war, jetzt aber sich wieder verspüren ließ, das Gemürh des Volkes, das dabei mir Steuern und Frohndienst gehörig bedacht war, in Aufregung bringen, und nur das Scepter eines Salomo konnte das lockere Band zusammenhatten-, welches den Herrscher und die Unterthanen vereinigte. Gleich nach dem Tode Salomo's ging die Unzufriedenheit des Volkes in eine förmliche Empörung über. Die Unterthanen erklärten dem Rehabeam freimüthig, wie dessen Vater ihnen ein schweres Joch aufgelegt, das sie nicht länger zu tragen gedächten, und baten um Erleichterung. Als aber der junge König, anstatt ihre Klagen, nach dem Rathe der Alten am Hofe, die noch von Salomon die Kunst zu herrschen gelernt, durch sanfte Worte zw stillen, den Einflüsterungen der jungen unerfahrnen Spielgenossen Gehör gab, und mit harten und trotzigen Worten antwortete, trennten sich zehn Stämme vom jüdischen Staatskörper und wählten den schlauen, erfahrnen und /kühnen Jerobeam r9) zum Könige. Dieser schändliche Mensch, der seine neue Dynastie zu befestigen strebte, und in Furcht schwebte, das Volk könnte, wenn es an den Festtagen, dem mosaischen Gesetze zu Folge, nach Jerusalem walle, zu seinem rechtmäßigen Herrscher zurückkchren, führre in seinem Reiche den Götzendienst, der nun schon ziemlich lange aus Israel verschwunden war, wieder ein, und dessen giftiger Hauch erstickte aus eine lange Zeit jeden Keimder Cultur unter den Juden. Jerobeam hatte seine böse Absicht erreicht; die Folgen aber, die aus seiner Schandthat entstanden, waren noch verderblicher, und führten den gänzlichen Verfall des jüdischen Staates herbei. Nicht ein einziger seiner Nachfolger im Reiche Israel, der nicht 18) Aus einigen Stellen in den Sprüchwörtern laßt sich Einiges über den Zustand der damaligen Erziehung entnehmen. Der Schüler sollte nicht, antworten, bevor er die Fragen ausgehört (18, 13) ist eine Regel, die später wieder-hervorgehoben wurde (Pirke Abot 5, 7). Die Ruthe und der Zuchtstock waren bedeutende Hebel der Erziehung (19,?17. 22-, 15), obwohl anderseits eingestanden wird, daß ein Verweis beim Verständigen mehr wirke, als 100 Schläge beim Thoren (17,10).' ' , 19) Schon was die Bibel von Jerobeam spricht, zeigt, daß er einen energischen Charakter hatte. Die Tradition spricht viel von seinen Kenntnissen, von seinem Ehrgeize und von seinem Hochmuthe (Sanhedrin 102). 18

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