Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Spalte 275-276 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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275 Zur Geschichte der Cultur u. der Schulen unter den Juden. Bon D. Ehrmann. 278 Welt erhoben*). Von seinen nächsten Nachkommen erfahren wir in dieser Beziehung wenig Interessantes 4 5 6 7 8 * * * *). Jedoch mußte Joseph schon Kenntnisse mancher Art besitzen. Während des Aufenthalts der Israeliten in Egypten mochten sie vielleicht, trotz der drückenden Sklaverei, die sie zu erdulden hatten, manches Nützliche in Künsten und Wissenschaften von' ihren cultivirten .Tyrannen erlernt haben; möglich, daß selbst die Bauten, die die armen Fremdlinge als Frohndienst vollenden mußten, dazu beigetragen haben, ihre Kenntnisse in der Baukunst, die besonders bei den Egyptiern im Schwünge ' war, und in andern künstlichen Arbeitenzu bereichern. Durch die Gesetzgebung auf Sinai geschahim Ideengange dßy jüdischen Nation eine völlige Umwandlung, die, durch den unvergleichlichen Moses *) vorbereitet wurde. Moses steht als Musterbild aller Zeiten da. Seine intellectuelle Bildung hielt mit der' moralischen gleichen Schritt. Seine Poesien 4) Schon das Gelangen zur Erkenntniß Gottes, zu einer Zeit, wo noch kein einziger Lichtstrahl die dichte egyptische Finsterniß, die den menschlichen Geist umhüllte, durchfchimmerte, zeigt von einem ziemlich hohen Grade der geistigen Eulrur. Esmußte der geistige Sinn durch eine gewisse Schärfe und Beweglichkeit vorbereitet fein, um zu solchen gediegenen Resultaten zu gelangen. Er erweiterte auch durch seine Reisen den Kreis seines Wissens, und schon das Unternehmen der Reisen beweist das Streben seines Geistes, der sich nicht mit der engen Sphäre begnügte, welche die Verhältnisse ihm gezogen, und nicht, der Pflanze ähnlich, an dem Boden hangenwollte, der ihm gebar. Die Tradition bringt auch diese Persönlichkeit ins Netz der Mythe, die zu verfolgen wir nicht beabsichtigen; jedoch dürste es der Erwähnung werth sein, daß sie ihn ein eignes Neligionsgesetzbuch, das aus 400 Abschnitten bestanden haben soll, zuschreibt, daß sie ihn zum Verfasser eines kabbalistischen Werkes macht (des Buchs Jezirah) und. daß sie ihm eine gründliche Kenntniß der Astrologie vinbicto 5) Jacob war im Hause seines Vetters Laban bloß zum Hirten zu gebrauchen, wo er freilich eine besondere Kenntniß der Viehzucht entwickelte. Von seinen 12 Söhnen finden wir 10 das Kleinvieh weiden in entlegenen Triften. 6) Potifera, .ein angesehener. Staatsbeamter in Egypten, konnte ihm sein ganzes Hauswesen anvertrauen, und als er später Vicekönig in Egypten ward, rechtfertigte seine Staatsverwaltung vollkommen das Vertrauen, das Pharao iw ihn gesetzl hatte. 7) In der That finden wir bei Verfertigung der Stifts- Hütte durch Moses viele Israelitische Künstler, die Metalle, ' Holz und Steine zu bearbeiten wußten, während in früherer Zeit keine Spur von solcher Kunstfertigkeit vorhanden war. 8) Aus der Annahme, daß Moses in den Priesterschulen der Egyptier erzogen wurde, die aw Wahrscheinlichkeit gewinnt, wenn man bedenkt , daß er am Hofe der Pharaonen seine ersten Iugendjnhre zubrachte, läßt sich auch erklären, warum viele alte Geschichtschreiber den Moses für einen geborgen Egyptier hielten. Manetho, und mit ihm mehrere Geschichtschreiber Egyptens, hielten ihn für einen Priester aus Heliopolis,, der auf den Ruinen der egyptischen Religion eine neue, die jüdische gründen wollte. (sto56j)O. contra Api.on«. 1/ib. 1 et 11.) sind flammende Gotteskwrte, gekühlt vom Hauche derMenschheit, und die ewigen und unabänderlichen Gesetze Iehova's gestalten sich unter seinem Meistergriffel zu jener Vollkommenheit der Sprache, die jedes Zeitalter nachahmt, keines erreicht. In den Zeiten der Richter finden wir sehr wenig von Unterricht und von Kenntnissen. Die vielen Bedrückungen von benachbarten Völkern, hatten jeden Keim des Wissens erstickt; wo der Geist noch irgend eine Thätigkeit entwickelte, ward sie der Kriegskunst zugewandt, deren das Volk oft zur Nothwehr nöthig hatte. Die Waffen der damaligen Zeit wurden von den Israeliten mit Geschicklichkeit geführt Dennoch wird die Familie. Machir als eine gesetzerfahrne bezeichnet, und der Stamm Sebulon soll viele Schriftsteller gehabt haben^). Der Richter Gideon konnte den ersten besten Knaben von Sukkot auffangen lassen, der ihm die Aeltesten der 'Stadt aufschrieb, die er hart bestrafte^). Erst zur Zeit Samuels finden sich-, die ersten Anfänge von eigentlichen Schuten, die sogenannren Prophetenschulen, wo die Schüler wahrscheinlich in Musik und Gesang, Poesie und Redekunst unterrichtet wurden. Der König David, eben so groß in den Künsten des Krieges, als in jenen, die das friedliche Leben erhöhen und erheitern, ging natürlich seinem Volke als Muster voran, und übte den größten Einfluß auf die Cultur desselben. Unter ihm bildeten sich in Israel die größten-Helden, deren persönlicher Much ihrer Erfahrung nicht nachstand. Wie er selbst als Hirtenknabe einen Löwen erlegte, wie er mit eigner Hand den Niesen Goliat zu Boden streckte, eben so wurden 'solche ruhmvolle Thaten von einigen seiner Tapfern muthig ausgeführt Wie die melodischen Töne seiner Saiten das wunde Herz über die Wehm der Erde erhoben, so sollte auch beim Gottesdienste der Klang der Musik13) die andächtigen Beter in höhere Regionen versetzen Die Prophetenschulen mußten dadurch bedeutend anWirksamkeit gewinnen, und die Cultur des Volkes begünstigen und - fördern. Was David als 9) Von 700 Kriegern aus dem Stamme Binjamin wird erzählt, daß. sie, obwohl nur der linken Hand mächtig, mit einem. Steine nach einem Haare schleuderten, und es nicht verfehlten (Richter 20). 10) Richter 5, 14. Nach dem Talmud soll sich Sebulon mit gelehrten Studien beschäftigt haben, und von seinem Bruder Iissachor, der mit dessen Gelde Handel trieb, ernährt worden7'sein. Diese Behauptung wird angeknüpft an Deuterononm 33.18. 11) Richter 8, 14. 12) U Samuel 23. 13) David, war schon Tonkünstler zur Zeit als er an Sauls Hof berufenwurde. Wir finden bei ihm musikalische Instrumente, die weder später noch früher wehr verkommen, von denen er wahrscheinlich mehrere selbst erfand. Was der Talmud von seiner Harfe erzählt, die, vom Winde erregt, von selbst spielte, und ihm vom Schlafe erweckte, erinnert an. die klagende Aeolusharft. 14) 11 Chronik 15.