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Der Orient · 1842-04-30 · 18 (30.4.1842) · p. Spalte 273-274

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
18 (30.4.1842)
Date
1842-04-30
Page
Spalte 273-274 (sequence 1)
Language
German
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rierits. Berichte, Studien und Kritiken für ' jüdische Geschichte und Literatur. M 18. Leipzig, den 30. April 1842. Jüdische Cultur-G eschichte. Beitrage zu einer Geschichte -er Cultur und der Schulen unter den Juden. Von Daniel Ehrmann. — Talmudische Exegetrk. Ueber die bibl. Auslegungen des Talmuds bei seinen Gesetzbestimmungen. Von M. Schwarzauer. — Lit. Ankündigungen. Bemerkung. In Folge der mir so eben zu Gesichte gekommenen Nr. 18 der Judenzeitung bemerke ich, daß in den nächsten Nummern des Orients eine Schilderung des Treibens des Hrn. Dr. Philippson, der sich selbst einen geistreichen Mann und D'en p’läD nennt und unterschreibt, erfolgen wird. Fürst. . Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden, mitgetheilt von Daniel Ehemann. (Erster Artikel.) Von den frühesten Zeiten, bis zur Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. Wie die meisten Völker des Alterthums wußten auch die alten Hebräer nichts von Schulen im eigentlichen Sinne des Worts *). Die ganze Erziehung bestand im häuslichen Unterrichte, der bei den andern Völkern Folge des patriarchalischen Familienlebens, bei dm 'Juden durch ein Religionsgesetz angeordnet' wurde 2). Freilich konnte man es weniger Unterricht 1) Was die Tradition von dem Collegium des Schern und Eber spricht, in welches Rebekka gegangen sein soll, um sich über die Bewegung in ihrem Leibe Aufklärung zu verschaffen, und wo Jakob 14 Jahre mit dem größten Fleiße studirt haben soll (Megilla 6), hat keine historische Grundlage, und beweist höchstens, daß diese beiden Männer durch Kenntnisse unter ihren Zeitgenossen hervorragten. Eine spätere Zeit sucht immer die Anerkennung, die ein Mann von der Mitwelt genießt, und den Einfluß, den er aus sein Zeitalter ausübt, durch , unmittelbares Wirken auf.dasselbe zu motiviren. So läßt die Sage den Patriarchen Abraham in einem Alter von 32 Jahren öffentlich als Prediger und Lehrer der Gotteserkenntniß austreten. Chanoch soll ebenfalls Volksversammlungen veranstaltet und moralische Vorträge gehalten haben (Sefer Hajanschar). Kurz alle ausgezeichneten Männer des Atterthuws wurden mehr oder weniger in den Kreis der Sagen gezogen. 2) Ich kenne ihn, spricht Gott von Abraham, daß er seinen Kindern und Hausleuten befehlen werde, sie mögen beobachten den Weg des Ewigem und Tugend und Recht auöüben (Genes. 18, 19.) Ihr sollt sie, heißt es von den göttlichen als Erziehung im engern Sinne des Wortes nennen, und auch diese erstreckte sich bloß auf die Befriedigung der nothwendigen physischen Bedürfnisse und auf das Verhältniß des geistigen Menschen zu Gott, wobei natürlich die Sittenlehre, die Basis aller Cultur, mehr bei den Hebräern* * 3) als bei andern Völkern in den Vordergrund gestellt wurde. Von einer regelmäßigen Ausbildung der geistigen Fähigkeiten des Menschen, von einer systematischen Behandlung irgend einer Wissenschaft, findet sich in der frühesten jüdischen Geschichte keine Spur. In der vormosaischen Zeit lagen die Gefilde des Wissens brach bei den Hebräern. Von Abraham kann man jedoch annehmen, er habe sich nicht nur in der Erkenntnis Gottes, sondern auch in der Cultur des Geistes über das Niveau der damaligen Geboten, euern Kindern lehren, sollt davon sprechen, wenn ihr zu Hause, wenn ihr auf Reisen seid, wenn ihr euch niederlegt, wenn ihr aufsteht (Deuteronom. 11, 9.). Viele andere Stellen, welche ebenfalls den Unterricht in der Religion einschärfen, findet der Leser der Bibel allenthalben. 3) Die ganze jüdische Religion scheint auf Erziehung zu beruhen. Schon der Name rnn (doctrina), den die. mosaischen Gesetzbücher führen, stammt von itp lehren, unterrichten. Bei vielen Ceremonialgesetzen finden sich die Ausdrücke. „Wenn dein Sohn fragen wird", „du sollst deinem Sohn sagen", „damit dein Sohn wisse" u» dgl. Daher scheint auch bei vielen Ceremonialgesetzen die Ursache und der Zweck derselben zu fehlen. Man konnte voraussetzen, der Vater, dem der Grund des Gesetzes bekannt ist, werde seinem Sohn schon die nöthigen Erklärungen geben. Aus demselben Grunde sehlc auch zu den meisten mosaischen Gesetzen der Commentar, der sich durch Tradition sortpflanzte. Das jüdische Gesetz, sagt Josephus (contra Apion. Lib. 11. Cap. 7.) befiehlt, daß man frühzeitig die Kinder in den Wissenschaften und in der Kenntniß unsrer Gesetze unterrichte, daß man ihnen sage die großen Thaten unsrer Vorfahren, um sie zur Nachahmung anzueifern, und ihnen jeden Vorwand zu nehmen, als hätten sie aus Unwissenheit gefehlt. 18

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