Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Jüdische Absonderung! Erwägung einiger Bedenken gegen die „Emanckpation der Juden" v. Dr. Isaak B. Lowositz (Aus den preuß. Provinzialblättern, Decemberheft 1841 besonders abgedruckt). 'Königsverg 1842. In Commission bei Theodor Th eile. 31 S. Der Verfasser dieses polemischen Gelegenheitsschriftchens ist seinen Glaubensgenossen bereits durch eine größere Arbeit ehrenvoll bekannt, in welcher er die Verwerflichkeit des Glaubenswechsels aus philosophisch - ethischen Prinzipien nachzuweisen suchte. Auch dem „Orient" sind, manche schätzbare Beiträge aus seiner Feder zugefloffen. Eine öffentliche Stimme aus Königsberg, zumal eine so kräftige und von so seltner Gesinnungstüchtigkeit zeugende, wie die hier in Rede stehende, muß aber für uns einen doppelten Werth zu einer Zeit erlangen , da die Anhänger des politischen Fortschrittes auf eben diese Stadt mit so großen als gerechten Hoffnungen blicken. Als ehemalige Metropole des Staates, als Krönungsstadt der preußischen Herrscher, als Sitz einer Hochschule, an der einst Kant lehrte und der noch jetzt einige der lebenskräftigsten Geister der deutschen Gelehrtenrepublik zu großartig wirkenden Stützen und zur ruhmvollen Zierde gereichen, als Geburtsort David Friedlanders, als Mittelpunkt freisinniger Bestrebungen, endlich als ein Fokus, von dem zahlreiche Strahlen einer höheren, innigeren Toleranz nach allen Richtungen ausgehen, verdient Königsberg vor vielen andern ihrer Schwestern im Auge behalten und wegen vielfacher Aeußerungen der dort herrschenden Gesinnung anerkannt und als Muster empfohlen zu werden. — Die Zustände der Juden des preußischen Staates sind nun freilich erst seit dem 'Anfänge dieses Jahres in das bedenkliche Stadium eingetreten, in welchem eine drohende Gefahr deutlich erkennbar ist, ohne daß man die Zeit der Krisis oder die Art und Weise, wie sich dieselbe lösen werde, mit einiger Bestimmtheit oder gar mit unfehlbarer Divination prognostieiren könnte. So viel leuchtet jedoch aus den, schon jetzt auf die Spur der richtigen Würdigung der Symptome leitenden Kriterien^ hervor, daß der Zustand der Ungewißheit noch lange fortdauern kann. Darum ist eine unablässige Sorgfalt nöthig, damit nicht durch Fehlgriffe und Anwendung falscher Mittel, sei es auch nur von Seiten einzelner Rathgeber die Hoffnung auf ein glückliches Resultat der angewandten Mühe paralysirt oder ein Rückfall verschuldet werde. Die uns vorliegende Broschüre datirt schon aus dem vorigen Jahre; sie dient als Entgegnung auf einen im Octoberheste,der preuß. Provinzialblätter enthaltenen, sich auf ein Sendschreiben des- Vers, an den Oberkonsistorialrath und Prof. Dr. Kahler in Königsberg beziehenden Artikel, welcher die Juden als Fremde und als eine sich den christlichen Landesbewohnern nicht zu assimiliren geneigte religiöse Gemeinschaft darzustellen sich abmühte. Herr Dr. Lowositz geht in seiner Polemik kritisch-etymologisch zu Werke und giebt uns einen beherzigenswerthen Beitrag zur Synonymik politischer Termini technici und Stichwörter, wie wir vorher nur einen ähnlichen von Steinheim bei Gelegenheit seiner Erwiederung gegen Gutzkow und mit Rücksicht auf eine detaillirte Zergliederung der Begriffe „Vorurthei! und Idiosynkrasie" geliefert gefunden haben. Ed. Cohn. Das DrÄterrfaß. Aü Herrn Archivarius Hendrik Wergeland in EhrijtiaMa ). - (Nebst einem übersandten D intenfasse.) (Telegraph f. Deutschland Nr. 57.) Auf Erden strömt wohl manch' ein Naß, Daß unser Herz sich freue; Wir sammeln's wohl in manchem Faß, Mit Fleiß, mit Lieb' und Treue: Allein wer kennt das beste Naß? Und wer das allerschönste Faß? Vom Liede sei'n sie hoch erhoben; Das Schöne soll das Schönste (oben. Vom Berge quillt das frische Naß Und tränkt die dürren Auen; Der Seemann füllet Faß um Faß, Dem Meer sich zu vertrauen. Und wie er zieht durch's salz'ge Naß Schöpft er getrost vom braunen Faß; Wo rings nur bittre Wasser quillen, Mag er den Durst mit süßen stillen. Der Oelbaum tränst ein golden Naß, Des süßen Friedens Bildniß; Das zähmt der Wind' und Wellen Haß, Den Wogentanz der Wildniß. Wer preißt genug das milde Naß? Wo füllte Edler's je ein Faß? Das Dir in-Nächten Licht gewahrer, Das Dir zu dienen sich verzehret. Doch edler strömt der Rebe Naß, Aus hölzernem Behälter; Ein flüssig Feuer in das Faß; Von der getretenen Kelter. Io, Evob! Du heilig Naß, Im vollen Heidelberger Faß, Was mag sich wohl dem Wein vergleichen? Was bis zu seinem Ruhme reichen? Doch nicht der Quelle frisches Naß, Und nicht das ftiedensreiche, Nicht das im Heidelberger Faß, Von Odins starker Eiche: Mein Lied erhebt das schwarze Naß, Die Dinte und das Dintensaß; In dunkler Nacht hat es gegohrm, Allein aus Nacht ward Licht geboren! *) Dr. Steinheim halte im Jahre 1840 des Dichters Wergeland Bekanntschaft bei Gelegenheit der Versamml. der skand. Naturforscher in Kopenhagen gemacht. Prof. Wergeland hat bekanntlich die Iudenangelegenheit beim Storthing zu vertreten übernommen. Ed. Cohn.