Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 144 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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144 Wer in dem RaLH der Götter saß, Gin Mann von hohem Sinne; ' Der Menschheit Ocean durchmaß, Seit ihrem Anbeginne: Dem stillt den Durst kein kühler Quell, Kein Oel macht seine Nächte hell, Den Frost nimmt ihm kein Feuerwein; Den Trost gewährt dies Faß allein. So nimm es hin, du tapfrer Held, . Und laß es freudig schalten! Denn weit noch ist das wüste Feld, . Voll schreckender Gestalten l Den Kiel in's schwarze Meer getaucht! Mit Muth das scharfe Schwerdt gebraucht l Und mag es herrschen, mag es dienen, Bis einst der Freiheit Tag erschienen. 24. März, 1842. Dr. Steinheim. Personalchronik und Miseellen. Zur astronomischen Chronologie. Es ist bereits in der Königsb. Zeitung (v. 8. Dec.vor.I.) auf die chronologischen Leistungendes autodidaktischen Herrn B. G o ld b e r g aus Russisch-Polen aufmerksam gemacht worden, die nun hier in zwei Octav-Bogen unter dem Titel „Chronologische Tafeln zur immerwährenden Berechnung des christlichen und jüdischen Kalenders" (Königsb. bei E. I. Dalkowski) in überraschender Weise ans Licht getreten sind, und zu deren Veröffentlichung Männer wie Bessel, Zacobi rc. einen nicht geringen Impuls gegeben haben. Der scharfsinnige Verfasser hat die leichtesten Methoden geliefert, einerseits alle möglichen Combinationen und Rechnungen innerhalb der Iulianischen Periode, andererseits die Auflösungen der sonst bei der jüdischen Zeitrechnung so schwierigen Aufgaben über den wirklichen Neumond (Moled) und den Wochentag jedes beliebigen Monats blos vermittelst der Addition und Subtraktion zu vollführen, wobei er freilich, soweit Ref. mit der Sache vertraut ist, mehr in ersterer als in letzterer Hinsicht auf Originalität Anspruch machen darf *). Ausführlichere Erklärungen, als die schon gegebenen, die ungern vermißte Reduktion des Iulianischen Kalenders auf den Gregorianischen, sowie namentlich eine etwas genauere Vergleichung der jüdischen Zeitrechnung mit der christlichen wird Herr Goldberg wohl noch in einem dritten Bogen sich Vorbehalten haben. Herr Goldberg hat einstweilen genug geleistet, um sich erst durch wünschenswerthe größere Lheilnahme des gelehrten wie nicht gelehrten Publikums zu ferneren chronologischen Arbeiten aufmuntern lassen zu dürfen; und scheint es auch gewagt, wenn ein einfacher Polnischer Jude den Heroen der Wissenschaft neue Weisheit und zwar in deutscher Sprache predigen will, so vergesse man nicht, daß selbst der große Fichte sich nicht schämte zu gestehen, durch den schlichten LLLthauischen Israeliten Salomon Maimon zur Begründung seiner philosophischen Wiffenschastslehre gekommen zu sein. Königsberg, März, 1842. Dr. M. Freystadt. *) Sinnstörende Druckfehler sind mir nur zwei aufgefal- Un: in der christlichen Kalenderberechnung ist S. 7. Zeile 3. 4713 statt 4613, und im andern Bogen S. 9. Zeile 11. ist 5616 statt 5316 zu lesen. Zur Charakteristik des Religionswech sels. Sendschreiben an einen jüdischen Familienvater. Von Dr. I. B. Lowositz. Königsberg, bei Unzer, 1840. — Diese gegen den religiösen Indifferentismus jüdischer Proselyten gerichtete Schrift, aus der Feder eines tiefdenkenden Israeliten geflossen, der für einige Zeit seine Vaterstadt Prag mit unserm Königsberg vertauscht hat, nimmt unstreitig das Interesse wahrhaft gläubiger Juden und Christen auf vielfache Weise in Anspruch. Von der welthistorischen Bedeutung des Christenthums nicht minder als von der Würde seiner eignen Religion mit glühendem Eifer erfüllt, kämpft Herr Dr. Low ositz in kerniger philosophischer Sprache gegen den aus bloß äußern Rücksichten unternommenen Uebertritt aus dem jüdischen Religionsverbande in den christlichen mit allen Waffen des Geistes und des Gemüthes, und flößt jedenfalls des ernst und gemessen gehaltenen Tones wegen den Lesern jeder Partei Hochachtung und Zuneigung für sich ein. Er bezeichnet das Frevelhafte dieses äußern Religionswechsels näher als einen Abfall von Gott, als dem Urquell der Wahrheit; als Mißbrauch der christlichen Religion, als göttlichen Heilmittels; als Eingriff Ln die Rechtssphäre der eignen Religionsgenoffenschaft; als Entziehung der freien Selbstbestimmung bei unmündigen Kindern; als ein gefühlloses Verlassen unschuldig leidender Glaubensbrüder. An diese fünf positiven Gründe gegen den bloß äußerlichen Uebertritt zum Christen-- thume, denen die fünf ersten Briefe der Broschüre gewidmet sind, reiht sich im Folgenden, den jüdisch-religiösen Ritualgesetzen ausschließlich ungehörigen der wichtige negative Grund an, daß die Hintansetzung derselben keinesweges schon als Entfernung vom Iudenthume, angesehen werden kann, indem theils das Princip, religiöse Satzungen unter Umständen auszugeben, im Iudenthume selbst begründet sei, theils die Nichtachtung derselben aus partiellem oder gar totalem Unglauben den Juden um so weiter vom ChristenLhume abbrmge, das Lediglich auf dm Glauben basirt ist. Endlich mahnt der Herr Verfasser seinen jüdischen Familienvater im achten Briefe an die Rückkehr zur religiösen Praxis, nach dem alten Zurufe: quod dubitas, ne feceris, und versichert ihn unter allen Umständen seiner Liebe und Hochachtung, indem er für ihn Erleuchtung, Kräftigung und Erhebung im Glauben erflehet. — So empfiehlt sich denn diese über die gewöhnliche Lagesliteratur sich erhebende, in enggeschlossener Reihe logisch gegliederte Schrift der selbstständigen Prüfung aller Denkgläubigen, und gewiß wird sie Niemand, der fromme Christ nicht minder, als der religiöse Israelit, unbefriedigt aus der Hand legen. Dr. M. Freystadt. In einem Schreiben des Herrn S. G. Stern aus Pucho in Ungarn an Herrn Iolowiez in Berlin wird gemeldet, daß der Druck des hebräischen Wörterbuches rroriD von Rabbi Salomon Parchon bereits begonnen hat, und daß gleichzeitig an der Herausgabe des OND p pDD von rmfiD mit den Bemerkungen und Zugaben des seligen Gelehrten I. Ieitel es aus Prag gearbeitet wird, so daß im Laufe von sechs Monaten die jüdische Literatur mit zwei der wichtigsten Werke hebräischer Philologie und Exegese bereichert werden wird. Diese Nachricht dürfte um so mehr von Interesse sein, als gedachte zwei Werke in enger Beziehung zu einander stehen und Herr Stern letztgenanntes noch mit den fW?7 von fl 3WH und dm Antworten daraus von Menachem ben Saruk bereichert. Verlag von C. L. Fritzsche,. Druck von I. H. Nagel.