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Der Orient · 1842-04-30 · Heft 18 (30.4.1842) · p. Seite 141

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 18 (30.4.1842)
Date
1842-04-30
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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141 Außerdem sind für noch zwei Unterstützungen'etwa 64 Thl. \ verausgabt, theils zur Ausgabe bestimmt, auch im nächsten Jahre eventualiter ein Preis von 200 Thl. zu ertheilen. Der eiserne Fonds beträgt gegenwärtig circa 90 Thl. Men denen, die durch Beiträge, Geschenke und sonstige Leistungen den Verein stützen, so wie allen, die auch ungenannt und unerkannt ihm Theilnahme und Aufmunterung bewiesen haben, starten wir unfern Dank ab: wir muffen die Aufmunterung wohl zu schätzen wissen, find wir ja sie zu gewähren zusammengetreten. Möge daher ein wohlwollendes Gemüth, ein freier Geist uns stets, nicht bloß in den Beziehungen zu diesem und jenem Lerein, erfüllen. Wollen wir ehrenwerthe Leistungen. der Glaubensgenossen zu Anerkennung zu bringen suchen, Talente ermuntern und belohnen, hierdurch Gemeinsinn, sittliche Kraft wecken, um dereinst einen Mittelpunkt für jüdische Wissenschaft zu bilden, so ziemt uns weder Lauheit noch Parteilichkeit, sondern Achtung vor dem Talent und wirksame Anerkennung des Talentvollen. Gewähren wir darum zuerst das , dessen Versagung uns so schmerzlich trifft: die gleiche Anerkennung, die Unterstützung jüdischer Gelehrter und Künstler. Nehmen Sie daher in Ihre achtbaren Kreise immerhin das Vorzügliche auf, selbst wenn es ein armer jüdischer Gelehrter sein sollte; gehen Sie mit dem Beispiele wacker voran, und warten Sie nicht, bis Rang und Vermögen von Außen her aus den Einsamen herabregnet. Denn in solchem Anerkenntnis liegt ein Theil unserer Obliegenheit als Mitglieder dieses Vereins; wir kämpfen ja gegen die Ausschließung. Je mehr aber jemand in sich spürt von edlem Willen, desto feuriger wird er streben, Kraft an Kraft zu rücken, Flamme an Flamme, daß eine Sonne entbrenne, die die Herzen erwärmt, die Geister erleuchtet, eine Sonne, vor deren Strahlen Neid und Dünkel, Vorurtheil und Groll in Rauch aufgehen. Entweichen uns die Bundesgenossen nicht, bleibt die Theilnahme der Mitglieder'tief, anhaltend, so erreichen wir mit Gott unser Ziel, weil wir nicht der Selbstsucht, deren Werke mit ihr vergehen, sondern der Liebe zu Juden und Iudenthum, d. i. einem ewig Schönen, unsere Kräfte weihen. Denn was dem Einzelnen, das der Hülfe bedürftig ist, zu rechter Zeit geopfert wird, ist eine Liebesthat, der gesummten Menschheit erwiesen, und nur in einzelnen Thatm kann die Liebe ausströmen, die den sterblichen Menschen beseelt. In diesen Gefühlen, für Gewährtes dankbar, hoffnungsreich in die Zuknnft schauend, voll Vertrauen zu Ihren Gesinnungen, gestatten Sie, hochzuehrende Herren, daß ich meinen Vortrag schließe. Die stille Empfindung ist auch eine Rede. In der stattgefundenen Vertheilung durch das Loos (Statuten § 44), sielen die vertheilten 38 Bücher und Kunstwerke folgenden Mitgliedern zu: Nr. 1. Rembrandt's Portrait nach Rembrandt, Oeldruck von Liepmann. Dr. Goldschmitt. Nr. 2s Meyerbeer's Portrait. S a l o m o n Meyer, Banquier. Nr. 3 — 6. Mendelssohns Portrait en relief. Ban guter Caro; I. Hirschfeld, Kaufmann; I. Hirschfeld, Banquier; B. Arons, Banqier. Nr. 7. Des kleinen Töffels Lied und Alpenunschuld, componirt von Saloman. M. Tannenbaum. Nr. 8. 6 Lieder, componirt von Saloman. Rosen harn. Nr. 9. Mos. Mendelssohns sämmtliche Werke, Brockhaussche Ausgabe. S. Heinih. Nr. 10. Spinoza, Roman von Berthold Auerbach. M. A. Faudel. Nr. 11. Gabriel Rieffer: Jüdische Briefe Band I. II. L. Eisenberg. Nr. 12. Zunz: Gottesdienstliche Vortrüge. G. A. Rosenb erg. Nr. 13. Iostr Geschichte der Israeliten, 9 Bände. Morris Marasse. Nr. 14. Pleßner, Apokryphen, Bd.1. Ad. Meyer (Frankfurt a. d. O.) Nr. 15. Geiger, Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie des Iudenthums, 1842. Gustav Seldis. Nr. 16. Spinoza: sämmtliche Werke übersetzt von (Werth. Auerbach, 5 Bände. Eng et mann. Nr. 17—36. Formstecher: Religion des Geistes. Iolowicz, Dr. Rubo, F. Goldsmid (London 2 Ex.), Consistorium zu Crefeld, Louis Schwabe, W. Wolssenstein, F. Silber, Loewenhein (Frankfurt a. d. O.), Joseph Moser, Gustav Bock, Jac. Friedländer, Adolph Iacoby, Banquier, L. M. Lesfmann, Sam. Friedberg, L. Beschütz, S. Moser, Julius Levy, Dr. Hollst ein, Dr. Bruck. Nr. 37. Spinoza, sämmtliche Werke. M o r. Oppenheim. Nr. 38. M. Mendelssohns Werke. B. H. G o ldschmid t (Frankfurt a. M.) Volksthümliche Aussätze »»> Keurtherlungen. Literatur. Der Hamburger Tempelstreit, eine Zeitfrage. Von Dr. Abraham Geiger, Rabbiner in Breslau. Breslau 1842 bei F. E. C. Leukart IV. u. S. 84. Beurtheilt von H. Iolowicz. (Fortsetzung und Beschluß.) Ging endlich das Streben des Hrn. Dr. Geiger etwa dahin, die historische Gestaltung und Entwickelung der jüdischen Gebete zum allgemeinen Bewußtsein zu bringen, um dadurch einen Boden zu gewinnen für die so nothwendig gewordene Umgestaltung des Gottesdienstes und der Gebetstücke; so scheint wir auch dieses ein nutzloses Abmühen zu . sein. Denn man beweise noch so sehr bis zur größten Evidenz das Alter oder die Jugendlichkeit eines Gebetstückes, es gewinnt dadurch nichts an erbaulichem Gehalt und nichts an Verständlichkeit für das herangewachsene junge Geschlecht, noch verliert es ein Iota von seiner Heiligkeit bei den Alten, denen es nur aus psychologischer Gewohnheit — denn von verst ehen ist nur bei den Wenigsten die Rede — unentbehrlich geworden.

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