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Der Orient · 1842-04-30 · Heft 18 (30.4.1842) · p. Seite 139

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 18 (30.4.1842)
Date
1842-04-30
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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139 ein Gelehrter gesagt: Für das materielle Wohl der Juden steuert die Emancipation ihrem Ziele entgegen, für das geistige Wohl hingegen ist die Emancipation kaum an die Eingangspforte gelangt. Möge diese Mittheilung hier dazu beitragen, von Neuem diesen für uns so nochwendigen und wichtigen Gegenstand anzuregen, damit es Tag bleibe in unserer Mitte. Der Bericht des Herrn Dr. Zunz lautete: Hochgeehrteste Herren! Als Sie am 10. Juni 1840 in einer vorbereitenden Versammlung den Bericht des von Ihnen, Behufs der Gründung unseres Vereins, ernannten Comit^'s entgegennahmen, wurden, mit Bezugnahme auf das Zeitgemäße eines solchen Vereins, folgende Worte gesprochen: „Soll die Gesammtheit der Juden, indem ihr die bildenden Kräfte entzogen werden, nicht in alte Barbarei zurücksinken; sollen die Juden nicht den Angriffen schutzlos erliegen, nachdem die Wissenschaft, die ihr Anwald hätte sein können, entflohen; soll die von keinem Strahl des fortschreitenden Geistes erleuchtete Religion Israels nicht statt Heil Elend bereiten: so darf Wissen und Kunst nicht ausgetrieben, darf des Menschen edelste Kraft, geistiger Fortbildungstrieb, nicht in dem Juden gebrochen, muß vielmehr überall, wo er sich zu entfalten strebt, mit Sorgfalt gepflegt werden, denn nur wenn wir die geistigen Güter erringen und sie lieben, bleiben uns die materiellen, die wir in Händen haben; ohne Einsicht und Begeisterung, die uns schirmend zur Seite stehen, werden wir elend, trotz aller erträumten Herrlichkeit. Nun so gehe fortan keiner mehr seinen Weg allein, unbekümmert um das Loos der Brüder! Bringen wie den rechten Willen mit, so haben wir die sichere Hoffnung schon an unser Thun gefesselt." Diese Worte, m. H., rufe ich heute, wo wir' uns zum ersten Male als Mitglieder unseres Vereins zusammensinden, in Ihr Gedächtniß zurück, zunächst Ihnen unfern Dank abzustatten, daß Sie durch Ihre Theilnahme jene Hoffnungen der Erfüllung näher gebracht, und durch Ihren Beitritt vorhandene Kräfte so bedeutend verstärkt, den Cultur- Verein ins Leben gerufen haben; dann aber auch Sie zu überzeugen, daß dasjenige, was unfern Verein hervorgerufen , das in dem Vorworte zu unfern Statuten ausgesprochene Princip, demselben als dauernde Grundlage angewiesen ist. Wir haben es weder mit localen, noch mit rein wissenschaftlichen Interessen zu thun; wir geben keine Almosen, bauen keine Wissenschaften an, besorgen auch kein persönliches Interesse der Vereins- Mitglieder. Wir haben vielmehr ein allgemeines Gut im Auge, ein Gut, durch welches, alle übrigen erst genießbar werden: die Pflege und Anerkennung von Wissenschaft und Kunst, da wo sie der Hilfe bedürfen,., und. die hierdurch zu erzielende geistige Kräftigung unserer. Glaubensgenossen.. Die fünfzig Paragraphen unserer Statuten sind, nur die Mittel zu diesem Zwecke, der Geldbeitrag das Mittel zur. Ausführung der Statuten, aber die Mittel sollen regelnnicht, fesseln. Der Geist muß in uns Allen erhaben bleiben und frei.. Die Annäherung zu diesem Ziele soll daher auch Ihr Vorstand stets als sein Augenmerk, und Sie als. den Maßstab bei? der Prüfung.des Gethanen betrachten. Unterm 6. Januar v. I. sind Sie davon in Kenntniß gesetzt worden, daß der von Ihnen erwählte Vorstand; sich constituirt. Derselbe veranstaltete sofort? den Druck der Statuten und deren Verbreitung; sie wurden.-den-Vereins.-Mitgliedern und noch etwa 300 hiesigen Gemeinde-Gliedern zugeschickt, von denen eine beträchtliche Anzahl unserm Vereine sich anschloß. Außerdem sind 60v Statuten-Exemplare nach 64 Orten versandt worden, nämlich nach 29 Orten in Preussen, 21 in dem übrigen Deutschland, 14 des Auslandes. Allein von den 68 Empfängern, worunter 26 Doctoren, 20 Rabbiner, Prediger, Lehrer, Schriftsteller, 22 Buchhändler und Kaufleute, haben nur 17, der vierte Theil, etwas von sich hören lassen, die meisten um zu klagen, wie eine derartige Idee wenig Anklang bei ihren Gemeinden finde, wo nur Oertliches, 'Handgreifliches, was in die Augen fällt und das Mitleiden beschäftigt, auf Theilnahme rechnen konye. Sie sehen, m. H., daß trotz dem Abbruch, den Gleichgültigkeit und Iudenverachtung auch hier verursachen, Berlin hinsichtlich der Gesinnung und des Eifers für Israels Rechtfertigung und geistige Erhebung, eben nicht zu den schlechtesten Gemeinden gehört. Nichtsdestoweniger mögen auch jene Klagen ein gutes Zeichen sein, indem sie die schmerzliche Empfindung, das Bewußtsein von dem Schaden kundthun; die Gemeinden . aber werden nicht zurückbleiben, wenn herzhafte Führer die j Einzelinteressen zu einer gemeinsamen, aus Bleibendes gerich- : teten Bestrebung emporheben, und unsere eigene Ausdauer : wird die. auswärtigen Mitglieder erobern, j Demnächst beschäftigte sich der Vorstand mit der. Stel- : lung einer Preisaufgabe, und blieb, nach sorgfältiger Beraj thung vrschiedener Themata, von der Ansicht geleitet, daß er \ namentlich bei dem ersten Male das Leben und die Wiffen- - schuft in sein Interesse zu ziehen habe, bei dem Gegenstände : des Rabbinerthums stehen. So wurde unterm 11. Juli v.! I. eine Preisausgabe ausgeschrieben zu einer wissenschaft-; (ichen Beantwortung. der Frage:. Was. war, was ist, und \ was soll der Rabbiner sein? .Zu keiner Zeit, war eine. Einsicht! in das Wesen des Rabbinerthu.ms so wichtig,, als gerade in; der gegenwärtigen, wo die Verhältnisse sich u.mgestaften , die j Meinung schwankt, der Einfluß der Rabbiner aber auf reli-; giöses und bürgerliches Wohlergehen entschieden groß ist. Dieserhalb fordert unsere Aufgabe eine quellenmäßige, wissenschaftliche Darstellung.. von Ursprung und. Fortgang dieser; Institution, von der Bedeutung, Stellung und Amtsthätig- : keit der Rabbiner, von ihrer Vorbildung , Anstellung und; ihrer Wirksamkeit. Ueber diese Punkte soll, ein geschichtlicher Aufschluß gegeben, und bei der neuern Zeit sollen der Beruf; und die Stellung der jüdischen Theologen, die sie betreffenden Gesetze und Bildungsanstalten, sogar der heutige Meinungs-; kampf in die Untersuchung eingeschlossen werden. Auf die! beste Arbeit, deren Einlieferungs - Termin der 31.. December! d. I. ist, ist ein Preis von- 200 Thlr. angesetzt. Die Preisi aufgabe wurde durch verschiedene Zeitungen veröffentlicht, und; von den Redaktionen der Preußischen Staatszeitung (Nr. 198),! der Israelitischen Annalen (Nr.. 31), des Orients (Nr. 30) I und. der deutschen Jahrbücher (Nr. 59) nicht' nur. unentgeld- -lichausgenommen, sondern derselben auch in diesen Blättern eine ehrenvolle Stelle eingeräumt. Auch fremde Zeitungen! haben ihrer gedacht, und hat es auch sonst unfern Bestrebun- - gen nicht an Anerkennung von Seiten vieler, achtungswürdi-; gen und unterrichteten. Männer gefehlt. ermunternde Zuru-! fungen, bei einenh.begonnenen. HwMMHaüMmer erhebend. I Auch aufdie Bibliothek dechVereinö.hatten wir unser! Augenmerk, aber. auch, kaum mehr,, denn noch gebricht'es uns!an. einem, eigenem Local und,, cm. h.lnläy.gl.ichen disponiblen Fonds, um mehr als höchstens geschenkte Bücher aufstellen zu können. Einige Schenkungen der Ar t sind, gemacht worchen, hoffentlich wird eine/größere Anzahl Nachfolgen. Sobald. nur einigermaßen., ei'yh BüchrMachrniung.... vorhaMn sein; wird, soll das Auslegen der neuesten Erwerbungen. (Statuten! §♦. 35) statthaben.. 18

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