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Der Orient · 1842-04-30 · Heft 18 (30.4.1842) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 18 (30.4.1842)
Date
1842-04-30
Page
Seite 138 (sequence 3)
Language
German
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schule, cm der Spitze den Obervorsteher der Gemeinde. und die Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt, hinter dem Sarge gingen nächst den Kindern des Verblichenen in einer unabsehbaren Menge von geordneten . Paaren: Aerzte, Professoren, sämmtliche Mitglieder der Synagoge, sowie Männer aus allen Klassen der hiesigen Einwohner, gefolgt von einer großen Zahl Trauecwagen und Privatkutschen.. Auf dem Friedhofe angelangt, sprach der Rabbiner das übliche Gebet „Ha-Zur Tamim", worauf der Sarg unter feierlichen, das innigste Gefühl der Gottergebenheit athmenden hebräischen Gesängen in, die Grüft gesenkt wurde. Dankbare christliche junge Manchen aus der orthopädischen Anstalt, deren Arzt der Verstorbene war, hatten früher schon, das Grad mit: frischen Blumen geschmückt. — So endete der Ehrenmann Dr. L. Jacobson feine irdische Laufbahn unttr uns. Möge er den Lohn seiner edlen Thaten aus der Hand des allbarmherzigen Richters empfangen, möge leicht ihm die Erde werden, und Seligkeit und ewiger Friede seine unsterbliche Seele umschweben. „Es kehret der Staub zur Erde wieder, wie er gewesen, der Geist aber kehret zu Gott zurück, der ihn gegeben." (Köy'el. 12, 7.) M. 'Freystadt, Dr. Bveslcrrr, 17. April. Ich kann Ihnen heute nur in aller 'Eile über den Stand unserer Angelegenheiten berichten: das Urtheil über die Berechtigung unseres Vorstandes zur Dispensätidn unsres verehrtichen Oberrabbiners Tiktin ist nunmehr der hohen Regierung anheim gestellt worden. Inzwischen haben die Anhänger des Hm. Dr. Geiger dem Rabbiner den Vorschlag gemacht,' daß die Gemeinde zwei Kulte bilden solle, der eine unter Tiktins, der andere unter Geigers Präsidium. Der Obercabbiner hat darauf gebührend geantwortet und nachgewiesen, daß dies Anerbieten ganz gesetzwidrig sei; auch würde wohl dieser gewaltsamen Spaltung in zwei Synagogen nie die höhere Sanktion zu Theil geworden fein. Die Erbitterung ist hier sehr groß und Gott gebe, daß die streitigen Punkte bald eine friedliche und glückliche Lösung finden mögen. Ich behalte mir vor, Ihnen mir Nächstem mehrere Actenstücke und die gedruckten Statuten unsrer Gemeinde zuzusenden; ihrer Trefflichkeit wegen verdienen diese letztem eine größere Verbreitung und können andern Gemeinden zum Muster dienen; auf jeden Fall aber scheint es thunlich, die in dem jetzigen Streite wichtigen Paragraphen anzuziehen und in Ihrem Blatte abdrucken zu lassen. -—8— Bvn Ö£t* IUedevelbe, 5. April. In den ersten Wochen des neuen Jahres tauchten zuerst in der Augsburger „Alkgem. Ztg." allerlei Gerüchte über eine bevorstehende Umgestaltung der bürgerlichen, namentlich aber der Mlitarverhaltnisse der preußischen Juden auf. Wirschenkten diesen Mitthellungen Anfangs um so weniger Glauben, da fast gleichzeitig in preußischen, besonders Breslauer Blättern die Aussicht auf die Zulassung der Juden zu akademischen Aemtern ziemlich stark genährt und belebt wurde. Ällmählig nahmen jedoch jene Gerüchte eine immer klarere Färbung an. Französische und deutsche Zeitungen erklärten, sich nun mir seltener Einhelligkeit .gegen jede weitere Verkümmerung des Edictes von 1812 und seiner wohlthäcigen Folgen und benutzten den Jahrestag jener Verordnung zur Vergleichung des Damals und des Jetzt. Da erst fingen einige Zeitungen cm, -die Wahrheit jenes Gerüchtes in Abrede zu' stellen; andere behaupteten, die beabsichtigte Veränderung werde der stattgefundenen Aufregung halber unterbleiben. Beide Annahmen haben sich jetzt als falsch herausgestellt. Den sichersten Beleg dafür giebr uns die in der vorigen Sonnabendnummer der „Allg. Ztg. des Judenthums" abgedruckte Antwort des Königs auf die durch die Aeltesten der Magdeburger Gemeinde in 'Begleitung einer von dem Prediger Dr. Philippson daselbst verfaßten Adresse nach Berlin abgesandten Protestationen und Petitionen zahlreicher jüdischer Gemeinden. Jenes Cabinetschreiben lautet wörtlich wie folgt: „Wenn die Aeltesten der jüdischen Gemeinde zu Magdeburg in der Vorstellung vom 22. v. M. den Eintritt ln den Militärdienst als ein den Juden zustehendes Recht in Anspruch nehmen, so eröffne Ich denselben, daß es niemals die Absicht gewesen ist, den Juden den freiwilligen Eintritt in den Militärdienst zu versagen, wodurch ihre Befugniß zur Theilnahme an dem ehrenvollen Beruf der Landesvercheidigung jedenfalls unverschrankt bleiben wird. Was aber die Pflicht der Juden zum Militärdienst für die Zukunft betrifft, so muß die Bestimmung darüber bis nach Beendigung der von Mir angeordneten Berathungen über die Regulirung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden ausgesetzt bleiben. — Berlin, den 14. Marz 1842. — (Gez.) Friedrich Wilhelm." im März. So eben ist der erste Jahresbericht des Culturvereins erschienen, abgestattet von seinem Direktor Dr. Zunz in Berlin in der Generalversammlung vom 2. März 1842, und ich beeile mich, denselben hier zu veröffentlichen, um hie und da vielleicht den für edle Zwecke abgestumpften Sinn aus seinem Schlummer aufzurütteln und anzuregen. Denn bei aller Sorgfalt und Pflege, welche aus Hebung des Gemeinsinnes unter den Juden seit einem halben Jahrhundert verwendet würde, bei aller Einsicht und Begeisterung, welche der geistige Fortschritt im heutigen Judenthum'hervorzulocken im Stande war, ist es doch noch nicht gelungen, die Gesammtheit über dm beschrankten Kreis des Städtischen hinaus zu leiten, und für Erhaltung des geistigen Fortschrittes selbst etwas zu thun. Die jüdischen Literaten und Künstler wie die Literatur und Kunst der Juden stehen noch wie vor 60 Jahren so verlassen und einsam, so unbeachtet vom Staate und so unbeschirmt von den jüdischen Reichen, daß mit Recht

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