Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1842)
- Date
- 1842-04-30
- Page
- Seite 137 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang. Dritter Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 6 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. fü r jüdische Geschichte und Literatur. das Literaturblatl mit- Herausgegeben gerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem von Samstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. M 18. Leipzig, den 30. April 1842. Deutschland. ^Königsberg. Nekrolog: Arzt Dr. Jacobson. Breslau: Mißstimmung in der Gemeinde. Niederelbe. Zur Läuterung des Urtheils über jüdische Erwartungen in Preußen. Berlin: Jahresbericht des Cultur-Vereins.) — Volks thümliche Aufsätze und Be urt Heilung en. Literatur: Die Geiger'sche Schrift über den Tempelstreit, beurtheilt von H. Jolowicz. Die Schrift von Lowositz „Einige Bedenken rc." — Das Dintenfaß, von Dr. Steinheim. — Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Deutschland. Königsbergs 11. Marz. (Nekrolog.) Am vergangenen Dienstag um 10 Uhr Vormittag ward die irdische Hülle des so . plötzlich in der vollen Blüthe des Mannesalters dahingeschiedenen wackern Arztes und Menschenfreundes, Hrn.Dr. L. Jakobson, mitten in einem unabsehbaren Zulaufe von Volksklafsen jeden Bekenntnisses und jeden Standes zu Grabe getragen. Die Nachricht von dessen am 4. d. gegen Mitternacht unerwartet im Kreise seiner Familie erfolgten Tode verbreitete bei fast allen Bewohnern unserer Stadt Schrecken und Trauer — und dies mit vollem Recht. Au dem bei dem schnellen Hinschwinden des kräftigsten Lebens naher gerückten Bilde der Vergänglichkeit alles irdischen Glanzes gesellte sich bald auch das Bewußtsein des wahrhaften Verlustes, den Biele, ach! nur zu Diele erlitten haben. — Von jüdischen Ettern im Decbr. 1786 hier geboren, hatte der Verewigte sich ein so reiches Maaß von Wissenschaft, Erfahrung und vielseitiger Bildung erworben, daß er nicht blos während eines Zeitraumes von 23 Jahren zu den berühmtesten und am meisten beschäftigten Aeczten der hiesigen Stadt gehörte, sondern auch durch die Veröffentlichung seiner beiden mit dem Monnikhoff'schen Preise zu Amsterdam gekrönten Abhandlungen (Königsb. 1837, bei Gebr. Borntrager), dem gelehrten medrcinischen Publikum sich vortheilhast bekannt machte, nachdem er früher in seinem Streben, als Universitätslehrer zu. wirken, in Folge der Eabinets- Ordre von 1822 gleich vielen seiner Glaubensgenossen verhindere wurde. Aber De. Jacobson war nicht blos Gelehrter, er war Mensch im edelsten Sinne des Worts; getreu den Grundsätzen der Humanität und der Religion seiner Väter, in der er lebte und starb, übte er die Pflichten der Liebe, des Wohlwollens und der Barmherzigkeit gegen Jedermann, Reich und Arm, Hoch und Niedrig, Christ und Jude; wobei ihm namentlich in den Werken der Mildthätigkeit seine treffliche Gattin, geborne Hertz, eine wahre Zierde der Frauen, hilfreich zur Seite stand. Was ec der hiesigen Israel. Gemeinde war, was er als frommer, gottesfürchtiger Mann für sie gewirkt, ist zum Theil bereits von ehrenhafter Seite in der Königsberger Zeitung öffentlich anerkannt worden, und dürfte sein Verlust in dieser Beziehung sobald nicht zu ersetzen sein. Mit unermüdlicher Anstrengung widmete er eine Reihe von Jahren seine Kräfte dem jüdischen Hospital; durch ihn trat die Idee der Centralisation der hiesigen israel. Wohlthätigkeitsvereine ins Leben; er hat sich durch die Gründung der jüdischen Armenschule für Knaben und Mädchen ein ehrenvolles Denkmal gesetzt; er hat endlich durch den großen Antheil, den er an der neuen in der hiesigen Synagoge eingeführten musterhaften Cultusordnung nahm, die Gemeinde zu ewigem Danke sich verpflichtet. Es ist daher kein Wunder, daß der Zufluß von Menschen bei seinem Leichenbegangniß so zahlreich war; sie folgten dem pflichtgetreuen Arzte, dem kenntnißreichen Gelehrten, dem gefühlvollen Menschen, dem gottesfürchtigen Israeliten« Den Leichenzug eröffneten die Zöglinge der jüdischen Armen- 18