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Der Orient · 1842-04-23 · 17 (23.4.1842) · p. Spalte 263-264

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Spalte 263-264 (sequence 4)
Language
German
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264 263 Talmudisihe Exegetik. Von M. Schwarzauer. 11, 19.): px'rri d. h. indem du liegst und in- ' dem' du stehst. Die Schule. Hillels aber' lehrt, das Schema ln. beliebiger Stellung zu lesen, indem es daselbst zuvor auch heiße, „mcm; solle von der Lehre sprechen,/ wenn man auf dem Wege geht/' also die Stellung, die man dabei einnimmt, nichts ausmache, rc. — Aber gerade diese Mischnah beweiset nicht nur nichts für die Behauptung. des Hr. De. G., daß der Talmud seine Erklärungen für absolut und infallibel gehalten, sondern sogar gegen ihn. Denn weiter heißt es dort: „Da sagte R. Tarfon: ich war auf Reisen und neigte mich um Schema zu lesen, so wie lehrt, und ich kam in Gefahr durch Räuberda sagten sie (die Lehrer) zu ihm, du bist ein Selbstschuldner, weil du übertreten hast die Worte der Schule Hillels." Ware man nun der Meinung gewesen gewesen, die Erklärung Hillels sei die „einzig richtige neben welcher keine andere hergeht"— so würde man dem R. Tarfon viel kräftiger und eindringlicher gesagt haben: Du warst würdig deiner Schuld, weil du übertreten hast die Worte der mm, da es aber heißt: Du hast übertreten die Worte 'Nu, so /zeuget dieses, daß-man durch die gründlichere oder oberflächlichere Beweisführung sich nicht bestimmen ließ, sondern durch das Ansehen und die Auctorität, in.welcher die lehrende Schule stand. Kommt nun noch hinzu, daß die Gemara im Verlaufe der Discussion selbst sagt: Mx mv „Wer sich zu der Meinung des Hauses Schamai .halt, thut recht, und wer zu dem Hause Hillels, thut ebenfalls recht;" so geht unwiderleglich hieraus hervor, daß man von der. Beweisführung der heterogenen Vers - Erklärung beider Akademien abstrahirte — oder eben beide Erklärungen für möglich hielt. Man vergleiche übrigens die Gemara zu dieser Mischna (Berachot 21a). Dort heißt es: .„Rav Jehuda sagte, wer da zweifelt ob er Schemah gelesen, braucht es nicht nachzuholen, denn sei nur woraus zu klar hervorgeht, daß diese Deutungen ' nur NnDDDN’ sind. Vorzüglich darf nicht außer Acht gelassen werden, wie die Schule Schamais sich überhaupt mehr an den Buchstaben hielt, wahrend Hillels Schule/mehr den inwohnenden Geist auffaßte. . Bei .Bestimmung der Halachah, welche' sich im Allgemeinen zu letzterer hält, wurde aber nur das moralische Ansehen einer Schule, nicht einmal ein h)p m vielweniger der -Grad der biblischen Begründung bccucfs sichtigt/ Ein unwiderleglicher Beweis, welch einen geringen Werth man auf diese Deutungen legte 4). Mag man: uns vorwerfen, unsere logische Denkweise sei ebenfalls durch das Studium des Talmuds ge-, trübt , wir wollen uns dennoch nicht abhalten lasten, der festen Ueberzeugung zu leben, es haben die Talmudisten 4) Man unterlasse nicht,, den geistreichen Brief S. D. Luzzatto's im NON NNO 3ter Bd. S. 219—223 nachzulesen. den wahren Sinn der Bibel wenigstens eben so gut gekannt und zugegeben wie je ein anderer Exeget. Am wenigsten wankend kann aber diese Ueberzeugung werden, durch die von Herrn Dr. G. ange'zogene Mischna (Berachor 1, 5). „Man erwähnt des Auszugs aus Egypten des Abends, st: was Ben Soma aus der Schrift ableitet, da es heißt (5 M. 16- 3): Damit du gedenkst des Tages, da/du auszogst aus dem Lande Egypten, Tn whl „„die ganzen Tage deines Lebens"",, so schließt das Wort auch die Nachte mit ein." Schon das Wort am beweiset — was auch Hr. Dr. G. weiter dagegen sagen mag — die den Text im freiesten und weitesten Sinne auffassende Erklärung des Ben Soma; und wenn wir auch zugeben wollen, daß dieser Vers nur als Grund des Pastahfestes und der damit verknüpften Gebote dient, so können wir doch so etwas Gesuchtes noch nicht darin finden, wenn man in den Worten: „die ganzen Tage deines Lebens sollst du gedenken den Ausgang aus Egypten," die Verpflichtung zu finden glaubt, auch des Abends sich des Ausgangs aus Egypten zu erinnern, was doch allerdings in diesen Worten liegt. /. Wie wenig Werth man aber auf den Beweis des Ben Soma legte, lehrt folgende nähere Betrachtung dieser Mischna, welche beginnt: „Man erwähnt des Auszugs aus Egypten des Abends." Dieser Ausspruch war alt und hergebracht, und das Folgende ist höchst wahrscheinlich ein späterer Zusätze Daraus sagt nun R. Elasar b. Esariah, daß er dieser Vorschrift keine praktische Geltung verschaffen konnte bis zu Ben Soma's tarn. Demnach war dieser Derasch nicht als wirklich geltender Beweis und Ursache der schon, lange vorher dageweftnen Vorschrift — was der Mischna-Ausdruck klar ergiebt — sondern nur als eine dringendere Aufforderung an das Volk, der mündlichen Vorschrift sich zu fügen. Dem Esoteriker harte dieses Gesetz langst schon vollen Werth ohne biblischen Nachweis. . / /,... Eben so sollen die ersten fünf. Mischnot des achten Abschn. in Sanhedrin den Beweis liefern für „die ungeeignete harte Buchstäblichkeit der talmudischen Bibel- Exegese und wie er diese für die einzig richtige gehalten." Jene enthalten nämlich nähere Bestimmungen über das Gebot vom widerspenstigen Sohne (5 M. 21, 18—21) und heißt es Mischna 4: „Ist eins von den Eltern lahm an den Armen oder an den Füßen, oder stumm, oder blind, oder taub, so trifft den S,ohn nicht die im Gesetze verhängte Strafe, denn es heißt (V. 19): es sotten ihn ergreifen sein Vater und seine Mutter, das können sie aber nicht, wenn sie an den Armen gelähmt sind; sie sollen ihn he raus führen, also dürfen sie nicht lahm sein, sie sollen sprechen, also nicht stumm, dieser unser Sohn, also nicht, wenn sie blind,

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