Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 17 (23.4.1842)
- Date
- 1842-04-23
- Page
- Spalte 261-262 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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261 262 Talmudische Exegetik. Won M. Schwarzarrer. vorhanden gewesen über einen natürlichen! Schriftsinn, der dem aggadischen entgegen- I stehe (!!)". | Wir hatten es zur Aaren Verständigung für unumgänglich nothwendig, hier sogleich n. priori unsere Überzeugung, was der Talmud von seinem Deutungsvecfah-. renbei Begründung seiner Gesetzbestimmungen gehalten/ und wie er es betrachtet wissen wollte, ^auszusprechen. Die talmudische Schrifterklacung behufs der talmudischen Gesetzbegründung man achte wohl auf diese Bezeichnung/ denn der Talmud giebr auch zahlreiche, abgesehen von den religiösen Vorschriften, sprachlich biblische Erklärungen ist stets der heiligste Ernst und nichts weniger als „Scherz" und „Spiel". Die Tendenz di.eses Ernstes ist aber nicht — die Erklärung der Schriftsondern die biblisch geistige, gesetzliche Begründung der zumeist schon vorhandenen J) und in der Bibel gar nicht oder nicht genau bestimmten traditiven religiösen Gebrauche und Gesetze. Das Verstandniß des Bibeltextes wurde vorausgesetzt —- was Hr. Dr. Geiger selbst: zugebend weiter, nachwelst. — Dieses ist vor Allem fest zu halten. So wie nun der, heutige Richter jedes Staates die speciellen Rechtfälle dem Texte und Wortlaute'seines Gesetzes nach bmrtheilt und letzterem jene Erklärung zu geben strebt, um den speciellen Fall ihm homogen zu . machen; so ist das Deutungsverfahren des Talmuds bei dem Bestreben, die traditiven Gesetze als im Geiste der Schrift zu wanifestiren. Verschieden nur in der Methode der Begründung, welche der Talmud' bei vielen Fällen — wenn auch im Allgemeinen rationell — als göttliche Tradition 'giebt. Was würde nun Hr. Dr. Geiger dazu sagen, wenn es Jemandem einfallen sollte zu behaupten: Die Rechtsbegründungen der sammtlichen deutschen oder europäischen Archive seien in den Sinne ihrer Verfasser, die einzig richtige Interpretation des corpus jüris ober eines andern jus, neben welcher keine andere hergehr, wie dies Hr. Dr. Geiger 'von dem Talmudisten zu behaupten wagt?! Was würde Hr. Dr. G. von einem Kritiker hatten, dem es in den Sinne käme -- was vielleicht auch nach Jahrhunderten einmal geschehen kann zu behaupten: sämmtliche Homilien der jüdischen und christlichen Prediger, wären. im Geiste ihrer Verfasser, die wahre und einzigrichtige Bibel-Exegese, neben welcher keine andere Gültigkeit hat?! Doch unserm gelehrten Verfasser gegenüber halten wir es für Pflicht, uns aller Interjektionen zu enthalten und nur von den Lehrsätzen zu. den Beweisen überzugehen. ■€>.. 60 soll „das weit getriebene Spiel der Misch- 1) S. das so treffliche Werk des Oberrabbiners Dr.Frankel: Vorstudien zu der Septuaginta S. XIII. Hiermit vergleiche man S. D. Luzzatto im Ü17 3ter Bd. S; 61"—76 und Dr. G. Zeitschrift für j. Theologie 2ter Bd^ 474 — 492. nah mit den Worten der Schrift" durch die Stellen: Joma 8, 9 und Nasir 9, 5 nachgewiesen werden und anmerkend dem „R. Akiba, welcher lehrt: Heil euch, Israeliten, vor wem reinigt ihr euch und wer reinigt euch? Unser Vater im Himmel! Denn es heißt (Ezech. 36, 25): ich sprenge über euch reines Wasser, daß ihr rein werdet, und ferner heißt .es (Jerem. 17, 13): 'n liwmpD ein Bcrd Israels ist der Herr, wie ein Bad die Unreinen reinigt, so reinigt auch der Heilige, gelobt sei Er, die. Israeliten," eingewendet, daß nipv hier Hoffnung bedeute, .undvom Hrn. Dr. G. ferner behauptet, daß sich die Bedeutung Quell für ,^pQ blos in Verbindung mit D'D fände.- Allein Herr Dr. G. hat hier die Stelle Jes. 22, 11.- Drwy mpDr übersehen, welche allerdings beweiset, daß >-ppO ^) ohne mit QV verbunden zu sein, eine Wassersammlung bedeute -- und dann wäre doch wenigstens der an diesenVers geknüpfte religiös moralische Vortrag des R. Akiba, „kein-zu weit getriebenes Spiel." Es lassen sich sogar sehr leicht Analogien bei christlichen und jüdischen rationalistischen Predigern Nachweisen. — — Eben so wenig können wir dieses-„so weit getriebene Spiel mit dem Schriftworte" in der von Hr. Dr. Geiger angeführten: zweiten Stelle- Nasir 9, 5 finden. Denn wenn R. Jose dem R. Nehocai einwendet, mm heiße. Bangigkeit vor Menschen, undnicht: allein- Scheermesser, wie jener allerdings' begründend behauptet, so lagdiese Einwendung sicher in der wahrscheinlich damals zweifelhaft gewesenen Bedeutung dieses Wortes;- was einerseits daraus hervorgeht, daß R. N. selbst erst durch eine analoge aber genauer bestimmte Stelle Nicht. 13, 5 die hier bei Samuel erweisen muß — was bei unzweifelhafter Bedeutung des Wortes mD so wenig wre bei vielen ähnlichen sicher nicht geschehen wäre; -— und dann ist es ja bekannt, wie die quiescirenden Buchstaben d- und N mit einander verwechselt werden, z. B.. NDT für HD*»;;*np für _ mp'* 3);- Demnach konnten hier recht gut die Bedeutungen von mw und d-iw verwechselt werden,' und die. Einwendungen des R. Jose in. dieser Mischnah ist wenigstens- „kein.so weit getriebenes:- Spiele mit dem Worten derheiligen Schrift.". — Einenfernem Beweisfür die „ernstgemeinte, buchstäbelnd und gezwungene Erklärung zur Begründung von Bestimmungen in den Gesetzen,." soll die: dritte Mischnah des Tractats Berachotl liefern. Dort heißr es nämlich: „Die 'Schule Schammais! lehrt: des Abends soll mandas Schema^ im liegender Stellung, des Morgens' aber stehendlesen, - denn es heißt (5 M. 6, 7; .2) S. übrigens Dr. L Fürst ' s Concordanz d. W. 3) - Vergl. vorzüglich - Dr. Fr ankel s Vorstudien -z. d. Septuaginta S. 100 §. 19 ff. nach welchemdie- Galiläer und namentlich die Palästinä'er die Aussprache der gutturalen ynrns* nicht unterschieden. v 17*