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Der Orient · 1842-04-23 · Heft 17 (23.4.1842) · p. Seite 132

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 17 (23.4.1842)
Date
1842-04-23
Page
Seite 132 (sequence 7)
Language
German
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132 — z. B. das Christmthum, beziehen, so stehen ja eben die! Hauptgrundsätze des Christenthums (Trinität, Erlösung) den Lehren des Iudenthums diametral entgegen. Darum schließt sich als passendes Seitenstück die merkwürdige Exegese des talmudischm Satzes: „Israel ist der Welt so unentbehrlich als die Luft". Das Wild, meint unser Autor nämlich, tonnte nicht besser gewählt sein; denn Israels Function scheint dieselbe im Menschengeschlecht, als die der Winde in der Atmosphäre. Aber die Identität von Lust und Wind scheint das Resultat einer ganz neuen physicalischen Forschung zu sein, die der Welt noch nicht hinlänglich bekannt ist, bis dahin wenigstens sollte.man Luft nicht mit Wind verwechseln. Aber jener talmudische Ausspruch wird vom Verfasser, ohne daß es seine Absicht ist, geradezu wieder umgestoßen, und so ein notwendiger Widerspruch herbeigeführt. Nachdem es nämlich ausgesprochen wurde, daß die göttliche Vorsehung mit der Zerstreuung des israelitischen Volkes die Reinigung aller übrigen Glaubenslehren bezwecken wollte, wird der Einwand, als geschehe diese Reinigung durch das Christenthum, durch die Behauptung beseitigt, „das Christenthum sei nur ein entstelltes Iudenthum oder eine Reform (sic!) desselben." Gefetzt, Letzteres wäre wahr, was noch gar lange nicht ausgemacht ist, so drängt sich nun gerade stärker als früher die Frage auf: Wozu die Zerstreuung der Juden, wenn das Christenthum ihre Function übernommen; wenn das Christenthum, ein entstelltes Iudenthum, alle Glaubenslehren reinigt, würde denn die göttliche Vorsehung ihren erhabenen Zweck nicht erreichen, wenn Israel gemüthlich in seinem Palästina lebte, oder wenn seine Existenz mit der Vernichtung seines Staatslebens und seiner Heiligthümer überhaupt aufgehört hätte? — Gelegenheitlich wird nun auch ein mißbilligender Seitenblick aufdie Mode gewordene Reformationssucht in Israel geworfen, weil man sich dadurch vom Iudenthume entferne, die verschiedenen Versuche hätten immer nur Spaltungen verursacht und nichts Löbliches zu Tage gefördert. Herr V. scheint die Bewegung im Iudenthum seit Mendelssohn als einen Zufall zu betrachten, die eben so gut hätte unterbleiben können; er scheint es nicht zu ahnen, daß eine durch die Zeit erzeugte Idee trotz aller Hemmnisse nach ihrer Realisirung strebt, daß scheinbar unbedeutende Momente Aeußerungen jener sich Bahn brechenden Idee sind; -aber eine Idee ist es, die im gegenwärtigen Iudenthume sich zu manisestiren trachtet, die Idee, welche das Iudenthum zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückzuführen, und da der Geist nur durch das Medium einer adäquaten sinnlichen Form erkennbar ist, diesem reinen Iudenthume eine der neuern Zeit paffende Form zu geben strebt. Wir fragen Herrn V., um nur Eins anzuführen, was soll aus der israelitischen Jugend werden, die, einer freiem und allgemeiner« Erziehung angehörend, an veralteten Formen me und nimmermehr Gefallen finden kann; wir fragen, ob er noch nicht wahrgenommen, daß so viele junge Israeliten, jedes acht religiösen Gefühles sich schämend, auf-ihre Frivolität sich nicht wenig zu Gute thun? Worin anders hat dieses seinen Grund, als, weil von der Uebergehung ihnen nicht mehr zusagender Formen zur Verwerfung des in denselben aufbewahrten Inhalts nur ein Schritt ist? Und „weil die verschiedenen Versuche nur Spaltungen verursachten", ist deßwegen jede Reform zu verwerfen? Nur eine engherzige und philisterhaft kleinliche Ansicht der Geschichte wird die Reformation im 16. Jahrhundert innerhalb des Christenthums verdammen, weil sie Spaltungen verursachte. Und wäre aus dem 30jährigen Kriege ein KOjähriger geworden, man dürfte dennoch nicht wünschen, daß die Reformation unterblieben wäre, sie war ein Triumph des menschlichen Geistes, der Anfang einer neuen Entwickelungslpoche. — Wäre es nicht ein so ermüdendes und undankbares Geschäft, so könnte man auch den folgenden Sätzen, mit geringer Ausnahme, wie den bisherigen, ihre Unhaltbarkeit Nachweisen; wir drecken jedoch ab, um den Leser nicht zu ermüden, uns nur noch aus einiges Wenige beschränkend. Hat Mohammed bloß Mißbräuche unter seinem Volke abgeschafft durch den Einfluß der heiligen Bücher der Juden und Christen, wie dieß der Verfasser ausdrücklich bemerkt, har der Stifter des Islam nichts Positives dem Juden- und Christenrhmne entnommen? Auch bedürfte es einer nähern Begründung, inwiefern die Juden in Assyrien und Babylonien auf die Veredlung der dortigen Religionsbegriffe einwirkten, da sie doch umgekehrt die Angelo- und Dämonologiewon den Chaldäern aufnahmen UV). Ebenso wären wir neugierig, die geschichtlichen Urkunden kennen zu lernen, in welchen zu lesen ist, daß die Juden bei den Völkern so beliebt waren. Unsere Ahnen wurden wahrscheinlich in Spanien und Portugal, in Frankreich und Deutschland geplündert, verjagt, verbrannt, weil sie bei den Völkern so beliebt waren. Oiliicile e.st satiranv mm seribtfre : \YK. Böhmen. 29. Marz. Bei Gelegenheit der vorgenommenen öffentlichen Prüfung des Instituts der Frau Charlotte Löw, über welches in dem Orient schon ein Mehreces gestanden, veröffentlicht die Prager Zeitung vom 1. April folgende Zuschrift, welche die Vorsteherin von den angesehensten Israeliten Prags erhalten. Diese Zuschrift lautet: „An die Frau Charlotte Löw, Vorsteherin des Lehr- und Erziehungs-Instituts für israelitische Mädchen. Bei der am 22. Marz d. I. vorgenommenen öffentlichen Prüfung an Ihrer Anstalt haben wir neuerdings Gelegenheit gefunden, uns von der immer zunehmenden Vortcefflichkeit dieses Instituts zu überzeugen. Der Unterricht in der mosaischen Religion, in den Zweigen des deutschen Sprachfaches, Rechnen, Geographie, Geschichte 2C, hat auch diesmal die wesentlichsten Resultate dargeboten. Das französische allgemeine Gespräch zeigte eine ungewöhnliche Korrektheit und Fertigkeit in 'Aussprache und Ausdruck. Die zum Schluß mit tiefem Gefühle vorgetragene Dankrede der ausscheidenden Schülerinnen, hat uns um so mehr angesprochen, als es uns zugleich ein sicherer Beweis ist für die liebreiche Sorgfalt und Zärtlichkeit, deren sie sich in Ihrer Anstalt erfreuten. Die Menge-der vorgelegten weiblichen Handarbeiten ward von den anwesenden sachkundigen Damen gerühmt. Besonders angenehm war es uns aber zu bewecken, daß die Zahl der Schülerinnen seit einem Jahre um die Halste gestiegen, und daß mehrere derselben, nach vollendeter Ausbildung an Ihrer Anstalt, von derselben zu ihrer fernem verschiedenen Bestimmung übergehen. Wir sehen hierin das beste Zeugniß für die Leistungen ihrer Anstalt und die sicherste Bürgschaft für eine stets wachsende Theilnahme von Seiten israelitischer

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