Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Spalte 253-254 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Lit. Uebersichten. „Umgestaltung der bürgerl. Vechältnisse der Juden in Preußen. 254 der freiwilligen Meilnahme an demselben nicht für eine Art von Prämie für die Irreligiösen angesehen werden müßte, um unser Bedauern darüber zu äußern, daß der Verfasser, bei der Beleuchtung der dem Staate aus solchen Maaßregeln, wie sie beabsichtigt worden, drohenden administrativen Verwickelungen, bloß die in diesem Falle sich immer mehr erweiternde Kluft zwischen Juden und Christen, und nicht auch den unausbleiblichen endlosen Zwiespalt innerhalb der Gemeinden und den Kamps ihrer intelligenten Mitglieder gegen etwaige geistigbeschränkte und anmaßlichwaltende Vorsteher in's Auge gefaßt habe. Dies ist jedoch eine weniger wichtige Ausstellung, die wir der gewiß aus wohlwollendem Herzen entsprungenen Schrift machen zu muffen glaubten, während wir uns gegen den Schluß derselben feierlichst zu verwahren für Pflicht erachten. Der Verfasser sieht nämlich in der, nach Streckfuß, schon vor 1833 zu einer ansehnlichen Höhe gestiegenen und seitdem noch vermehrten Anzahl schriftstellernder Juden, welche, seiner Meinung nach, leicht die ganze Presse in ihre Gewalt bekommen könnten, eine höchst bedenkliche Gefahr für den Staat. Er ist ferner der Meinung,, der „ätzende Verstand", den Heinrich Leo den Juden zugeschrieben, könne im Gebiete der Wissenschaft ein heilsames Agens werden, aber gewaltsam apf die Institutionen des Staates geworfen, würde er, von dem von ihm Iurückgestoßenen, an Ehre und Vaterland Gekränkten benutzt, leicht um sich, fressen und stme edelsten Meile zerstören können. Das Facit endlich, das er zwar nicht selbst daraus zieht, aber doch jedenfalls gezogen wissen will, ist wohl kein anderes, als das: die Zulassung der Juden zu Staats-Remtern sei unumgänglich norhwendig. Auch wir sprechen nun zwar die Anstellungsfähigkeit der Juden, wenn auch weniger als eine Wohlthat oder ein Iugeständniß, denn als ein Recht an, welches das einzige Aequivalent für die Uebernahme aller bürgerlichen Pflichten von ihrer Seite sein kann. Aber wir sind totu (Ho davon entfernt, die zu diesem Schluffe führenden Vordersätze als probehaltig anzuerkennen. Wäre die Aussonderung der Juden aus dem Staats verbände druchgeführt worden, woher hätten sie fortan dasjenige Maaß der Intelligenz, diejenige Liebe zum Vaterlande, die Hoffnung auf das Eindringen in die publicistiiche Mätigkeft schöpfen sMy,. welche einzig, und allein einen wirksamen Einfluß auf die Angelegenheiten des Staates durch die Presse begründen? Oder giebt es denn etwa für jüdische. Schriftsteller eine weniger strenge Censur, als für alle anderen Puhlixistey Prezrße.n.s? Und selbst wenn dies der Fall wäre, müßte man da nicht annehmen, die Presse sei feil und käuflich geworden,, wenn wider den Willen des Staates und des Vol-, kes die Juden sich derselben bemächtigten? Nicht an uns, sondern an den Leitern aller öffentlichen Organe ist es, gegen solche Muthmaaßung Protest einzulegen.— Aber, abgesehen davon, können wir die ganze Behauptung nur für eine lächerliche Drohung, eine Art Schreckschuß für die Regierung, oder für einen unedlen Versuch, die Loyalität aller Juden zu verdächtigen, oder endlich für einen kleinlauten Zweifel an der Macht der öffentlich enMeinung erklären. — Daß übrigens der „ätzende Verstand^, xmf die Wissenschaft geworfen, ein heilsames Agens werden könnte, erlauben wir uns für sehr dubiös zu halten. Die Juden werden auch darin von der Regel der andern zweibeinigen Geschöpfe keine Ausnahme wachen; es giebt Juden, die sich der Wissenschaft mit Liebe und Eifer und aus reiner Begeisterung hingegeben haben, ohne je auf ein Staats-Amt Anspruch machen zu können; es giebt andere, die, auch mit Aemtern versehen, die Wissenschaft nur als eine milchende Kuh betrachten werden, nicht weil sie Juden, sondern weil sie charakterlose Menschen sind. Der Gewinn wird aus der Anstellungsfähigkeir der Juden unfehlbar erwachsen, daß man die Spreu vom Waizen wird sondern, daß man das Unkraut aus dem Boden wird herausziehen lernen, den es verunziert und auf dem es bis jetzt fortgewuchert hat, damit es fortan den edleren Sprossen der Zeit seinen Platz einräumen müsse. Warum ich so viele Worte gemacht habe? Weil ich den jetzigen ZkitpWkt für den geeignetsten halte, M uns einmal gegenseitig über die Frage in ihrer vollen Bedeutung zu verständigen. Jetzt oder nie, sage ich noch einmal, muß der Frieden geschlossen werden zwischen den Parteien, die zum Nachtheile des Ganzen einander so lange entfremdet waren. Es kam darauf an, daß der Moment erschiene, in dem es sich offenbaren könnte, daß es nur Ein Vaterland, Eine Hoffnung, Ein Ziel für uns alle giebt. Der Augenblick ist da. Die deutsche Presse hat ihre Aufgabe würdig gelöset, zwiefach würdig, weil sie das Meiste und Größte nur andeuten durste. Die Regierung hat an die öffentliche Meinung appellirt und diese hat laut und vernehmlich, hat einstimmig und klar geantwortet und gerichtet. Fortan wird Niemand mehr die Gebildeten des Vorurtheils zeihen und damit die Hemmungen des Fortschritts oder gar den Rückschritt beschönigen wollen. Und nun einige Worte zu Euch, meine Glaubensgenossen! Stattet der deutschen Presse im Ganzen, stattet dieser und der „Rheinischen Zeitung" insbesondere Euren heißesten Dank ab für das, was sie in Eurer Sache, zu Eurem wahren Heile geleistet. Grollet nicht ferner mit ihr, weil sie Euch manchmal Unrecht gethan. Verschmelzet Euer Wollen und Streben mit dem Eurer christlichen Mitbrüder; umfaßt mit glühender Liebe das Eine Vaterland; beobachtet, belebet und befestiget seine Gesetze. Vereinbaret Euch in äußerer Sitte, Tracht und Sprache mit den übrigen Söhnen des Volkes; schmiege sich Jeder, so viel er mag, an seinen Glauben, aber vor Allem benutze er den Kern seiner Religion zu edlen Handlungen und großen Opfern für das Gesammtwohl. Regelt die Erziehung; fördert die Entwickelung Eurer Kinder zu achtem Bürgerthume. Seid einig unter Euch selbst, seid einig mit Euren christlichen Brüdern, einig im Streben für Licht und Recht, einig im Kampfe gegen den finstern Geist der Lüge, einig gegen fremde Schmach, einig gegen Alle, welche im Innern Zwietracht säen wollen. Reformiret aber vor Allem Eure bisherige Presse; lasset nicht wahr wer-