Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Spalte 251-252 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Lit. Übersichten. „Umgestaltung der bürgerl. Verhältnisse der Juden in Preußen." 252 und den Monotheismus in seiner Seele zu entzweien; die Mehrzahl der Israeliten würde sich eher von jener losreissen, als einen Augenblick von diesem abtrünnig werden. „Die Bibel ist dem Juden heilig, weil sie seinen höchsten Schatz enthält, weil sie ihn den Einigen und den Einzigen lehrt; Moses und die. Propheten, dies mögen sich alle Judenbekehrer wohl merken, werden nicht als Götzen angebetet, sondern nur hochgeachtet als' die Verkündiger des einzigen Gottes, der allein Israels Schirm und Hort ist. Wenn daher Eure Bemühungen auch bas Unmögliche erreichten, wenn es Euch und dem Vers, des „Bekenntnisses" sogar gelingen könnte, den.Israeliten wirklich aus der Bibel zu beweisen, daß, trotz dem erhabenen Lehrsatz: „Höre Israel , der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" dennoch das Dogma vom dreifältigen Gott das untrüglich wahre sei (S^. 92) — was würdet Ihr für Eure Zwecke dabei gewinnen? Glaubt Ihr, der Jude würde alsdann vor einem dreieinigen Gott mederknieen? Nimmermehr! Aufs Aeußerste gebracht, würde er mit zerrissenem Herzen die während sechs und dreißig Jahrhunderten mit Gut und Blut vertheidrgte, in Verfolgung und Todesnoth sestgehaltene Lhorarolle verzweiflungsvoll zu Boden werfen und sie den Flammen oder Euch preisgeben, und darauf. mit gewohnter kindlicher Ehrfurcht in sein geheiligtes Gotteshaus treten und mit jener frommen Inbrunst, . welche alle Zeiten und. Völker überlebt, andächtig ausrüfen: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, d e r E w i g e ist e i n z i g!" So wie die Angriffe ausss Judenthum, hat der.Verfasser auch die ganz neuen und unerhörten, aus der Bibel hergeleiteten Argumente des Hrn. F. gegen die rechtliche Gleichstellung der Juden , mit noch mehr Kraft und Würde bekämpft. Auf diesen Theil-der Entgegnung hat Hr. L.. die vorzüglichste Sorgfalt -verwendet, und gewiß nicht in die Luft, verhallende D'onnerworte mit Geisteskraft geschleudert. Es hält uns schwer, einzelne Blüthen aus den im Farbenschmuck des Geistes, Witzesder Ironie und Sarkastik prangenden Gefilden zu pflücken, und benügen wir uns die Aufmerksamkeit der'Leser auf diesen Theil hmzulenken s); Hoffen wir, daß dieses der letzte Kampf gegen die Bosheit sei, und Religion und Bibel nicht Mehr in den Pfuhl schamlosen Unsinns, und ^e^benfc^aftlicher Gehässigkeiterr hineingezogen werden; daß das religiöse Moment-zu. keinem Lügengewebe, das Wort Gottes zu keinen Schemgründen für die Thorheit und Engherzigkeit, für die Entziehung und Beschränkung natürlicher und bürgerlicher Rechte, verwendet werde. Seid gerecht, rufen wir mit dem Verfasser (S. 169), um Eurer, selbst willen'bitten wir Euch, seid gerecht! Laßt jenen bösen Geist nicht wieder, unter Euch einreißen und Wurzel fassen in Euerm Herzen! Bekümmert Euch um Gotteswillen nicht um unsere Seligkeit! die Menscher waren niemals unseliger, als wenn sie 5) Letzteres hat schon früher Hr. Dr. Jost, in den Letzten Blättern der Jsr. Annalen, Jahrgang 1841, mit gewohnter Meisterschaft gethan. sich mit ihrer gegenseitigen Seligkeit befaßten! Beherzigt die Worte Eueres Meisters Matth. Vll, 1. 2): „Richtet nicht,! auf daß Ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welcherlei Gericht Ihr richtet, werdet Ihr gerichtet werden , und mit welcherlei Maaß Ihr messet, wird Euch gemessen werden!" Emaneipatkonsliteratnr. - Die gegenwärtig beabsichtigte Umgestaltung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Preußen. Nach authentischen Quellen beleuchtet. „Facta loquuntur." Breslau, Maschinendruck von Heinrich Richter-. 1842. 22 S. 8. Die Vierzahl scheint unter Preußens jetzigem Herrscher eine - eigenthümliche Bedeutung, eine gewisse Celebrität' erlangen zu sollen. Im Osten stieg das Licht empor: an den äußersten Marken des deutschen Gedankens und männlicher Thatkraft würden „vier Fragen" aufgeworfenauf deren vollständige Lösung das ganze Vaterland sehnsüchtig harrt. Und der Helle Funke neuerwachter Begeisterung hat in tausend Gemüthern Mächtig gezündet, er hat selbst unserer Presse einen lebhaften, wenn auch noch vielfach gelähmten, Aufschwung verliehen — An der südöstlichen Gränzscheide germanischen Geisteslebens ttät, wenn auch in schwächerem Glanze, eine ähnliche Erscheinung hervor. Auch Hier erzeugte weniger die gleiche Abneigung gegen denselben eoloffalischen Nachbar, als der unwiderstehliche Dräng nach Befriedigung des Sinnens und Trachtens unserer Zeit, jene Aeußerüngen der fortgeschrittenen Liebe zum GesäMMtvaterlande, die seit 1813, da sie zuletzt und gerade hier am leuchtendsten in Hellen Flammen emporgelodert, erstorben und zu Grabe getragen schien. Ein schönes Zeugniß aber für diese wiedererwachten Regungen eines diesmal auf höhere Güter gerichteten Enthusiasmus legt bte Steine Schrift ab, am die wir jetzt näher hinantreten wollen. Es sind auch hier vier Fragen, die der Verfasser, als dessen Wohnort wir Breslau, zu betrachten uns berechtigt glauben, seinen Lesern beantwortet. Auf alle vier erfolgt auf gleiche Weise 'dasselbe, einfach und schlagend motivirte „Nein": eine Antwort, der die ganze deutsche und französische Presse bereits im Voraus ihren Beifall gezollt bat. Die vier Sätze nun, in die der Verfasser das Resultat seiner Ansicht und seines Urt'Ws züsammenzieht, lauten wie folgt: 1) „Die Voraussetzung, es gebe jetzt noch eine jüdische Nationalität der preußischen Juden, ist ungegründet." 2) „Die Voraussetzung, die jüdische Religion hindere ihre Bekenner am Mlirairdienst, ist ebenfalls ungegründet." 3) „Die historische Entwickelung des Judenthums wird durch das neue Gesetz nicht gefördert, sondern gestört." 4) „Die konsequente Durchführung dieses Gesetzes konnte administrative Verwickelungen der ernstesten Art erzeugen und dem Staatsganzen nicht bloß nachtheilig, sondern unter Umständen sogar gefährlich werden." Wir eilen über die nähere Begründung dieser Behauptungen hinweg, indem wir nur der beiläufig HLngeworfenen, sehr verfänglichen Frage gedenken, ob, wenn die jüdische Religion dem Eintritte in den Militar'rdienst zuwider sei, die Erlaubniß