Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-04-16 · 16 (16.4.1842) · p. Spalte 249-250

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
16 (16.4.1842)
Date
1842-04-16
Page
Spalte 249-250 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894065--2098-3529257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

249 Lit. Übersichten : „Ueberzeugungen eines Israeliten" rc. von Löwenstein. 259 und die Pfeile seiner Ironie etwas zu weit fahren, was besonders im religiösen Theile hätte vermieden werden sollen«. Von manchen Seiten wurde dem Verfasser der Ueberz. der Vorwurf gemacht, daß bei jeiner Schrift keine Aare Ordnung/ keine geregelte Disposition zu Grunde liege, welcher Vorwurf übrigens in weit größerem Grunde dem Vers, der Bekenntnisse gebührt, während jener als Apologet, Schritt vor Schritt seinen Gegner zu bekämpfen hat, in welchem chaotischen Kämpfen nicht so leicht eine friedliche Ordnung zu handhaben ist« Wiederholungen sind daher unvermeidlich, die aber durch die Eleganz der Sprache und verschiedene Auffassung der Themas den Ideengang weder ermüden noch den Eindruck abstumpsen. Eine Skizze von der Oekonomie dieser Schrift, läßt sich daher/in Folge des mangelnden Zusammenhangs der einzelnen Theile, nicht geben, wir beschränken uns daher darauf, einige von den gelungensten Stellen hervorzuheben. Im Eingang (S. 7—12) stellt der Verfasser den Ursprung der . Religionen in ihrer natürlichen Einheit und spätem Entzweiung, in einer poetischen Allegorie eines aus der schöpferischen Hand des allgütigen Vaters hervorgegangenen lebendigen Quells, dar. Ein würdiges Seitenstück zu den lessing scheu Ringens. ' Die exegetische Unkunde des Herrn F.. und der Mehrzahl seiner Kommilitonen, welche die Trinität aus.der heiligen Schrift beweisen wollen, liegt so klar und deutlich vor den Augen aller des Urtextes Kundigen, daß man es dem Verfasser nur danken kann, sich in keinen exegetischen Streit eingelassen zu haben. Nur das oft mißdeutete Almah hat der Verf. (S. 132), aus einer persönlichen Veranlassung für notwendig gehalten, nicht mit Stillschweigen zu übergehen. Alle andern Bibel-Argumente brauchten nur im Zusammenhang hingestellt zu werden, um deren lächerliche und frivole Anwendung aus die christlichen Dogmen , selbst dem Laien, anschaulich zu machen. Wer würde, es nicht für eine unverzeihliche Ironie halten, wenn jemand die Stelle 5 Mos. 21, 22—23 auf Iesum bezöge*)? Dennoch entblödet sich der Verf. der Bek. nicht, unter andern unsinnigen Beweisen, auch diese Stelle auf die Passionsgeschichte Christi zu deuten. Jeder Bibelkundige muß, solchen Beweismitteln gegenüber, dem Verf. der Uebers. beistimmen, der (S. 86) so ernst und wahr sagt: „In der einen Hand das ursprüngliche Gotteswort und in der apdern Raschi, Ibn-Esra oder Kimchi, und in Ermangelung derselben den Gesenius oder Buxtors, mag man vor die Gesammtheit der Israeliten treten und Gehör 3) Die Idee der Lessingschen Ringe hat schon Nicolo di Valenzia angewendet (Vgl.Sebedetlebuda eäit.^mst.p. 27). 4) Eben so wird irgendwo die Virginität und Empfängniß Mariä aus der Stelle in Iecheskel 44, 2 erwiesen. „Und Gott sprach zu mir: Dieses Thor soll verschlossen bleiben, soll nicht geöffnet werden , und Niemand gehe durch dasselbe, denn Gott der Herr Israels , zieht ein durch dasselbe". verlangen für die richtigere Erklärung eines Bibelverses; erläutert oder argumentirt ihnen aber Einer noch mittelst Übersetzungen, und hätte er sich auch, wie Hr. F. (S. 108 u. 130) gethan, mit einer deutschen, französischen und englischen Uebersetzungs-Dreifaltigkeit versehen, so weißt ihm ein Jude den Rücken, ein anderer die Thüre, und ein dritter, gutmüthiger — die Schulstube! Mit beißender Satyre werden vom Verf. (S. 124) die Beweisthümer für die Pluralität und Körperlichkeit Gottes, mit denen Hr. F. die religiösen'und metaphysischen Ueberzeugung der Juden wankend zu machen glaubt, in die dunkele Nacht des Irrwahns zurückgedrängt. „Möge nun auch, schreibt Hr. L.., Vater Jakob den Mann, mit welchem er handgemein worden (S. 47), so wie nicht minder das Weib des Manoach die gehabte Erscheinung (S. 49) „Elohim" genannt haben, und möge auch Hr. Dr. F. und noch einige solche Sprachkenner dieses Wort mit „Gott" übersetzen und es mit den dicksten Lettern, die nur in der F. A. Schoberschen Buchdruckerei zu Elberfeld vorhanden sind, drucken lassen; der starrköpfige Jude wird sich an alle diese Autoritäten ebenso wenig zum Nachtheile seines Glaubens kehren, als er sich durch die Stimme der berüchtigten Kuh aus der Fassung bringen lassen dürste, welche i(S. 145) so deutlich gebrüllt hat, daß ein pfiffiger Araber und ein dergleichen Iudenbekehrer es alsbald heraus hatten, wie sie, die Kuh, das Erstemal die Worte: „Der jüdische Tempel ist zerstört!" und das Zweitemal: „Der Messias'ist geboren!" gesprochen — nämlich gebrüllt hatte. Wollten die Juden auf das Geschrei des lieben Rindviehs einiges Gewicht legen, so fehlte es wahrlich niemals an Gelegenheit dazu,.und sie könnten mit dem Rabbi Abbun (das.) ausrufen: „Was habe ich nöthig, dieses von einem Araber zu lernen?" — Hier sind wir freilich nicht im Stande, aus der Grammatik einen Gegenbeweis beizubringen, und finden es sehr möglich, daß in dieser Übertragung aus der Sprache der Kühe in die unsrige kein Uebersetzungsfehler vorliege, sintemal jener Jargon wahrscheinlich mit leichterer Mühe zu erlernen ist, als das Hebräische, welches zwischen (im stat. abs.) und (im stat. constr.) leider einen so wesentlichen Unterschied macht, daß dadurch die ganze, unzähligemal wiederholte Beweisführung vom Doppel- und Zwittergott „Maleach Adonai" wie eine Seifenblase zerplatzt und sich in ganz unmerklich wenigen blauen Dunst auflößt". Daß selbst der scharfsinnige M'Caul, sagt der Vers, weiter, zu dieser Parabel und zu einer ähnlichen aus dem babylonischen Talmud seine Zuflucht genommen (tbe Old Paths, Nr. 50, S. 199), beweist hinlänglich, wie man von Seiten der Proselytenmacher in neuester Zeit die gegen das Judentum vorzubringenden Gründe so sehr schwach und unzulänglich gefunden hat. Wahr und ergreifend schildert der Verf. (S. 86) den Seelenzustand der Israeliten, wenn es je gelänge die Bibel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.