Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Spalte 247-248 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Literarische Uebersichtem „Überzeugungen eines Israeliten" rc. von Löwenstein. 248 „Old-Paths" und andern belegt, sondern der Kamps des r ationellen Judenthums mit dem Rabbinismus zu Gunsten des Christenthums angewendet. Die Legenden, Allegorien, Träumereien und Visionen der Talwudisten werden zu den Beweisen verwendet, daß der ganze Talmud ein verwerfliches Machwerk, die traditionelle Lehre ein menschliches Hirngespinnst und dem geraden Sinne der heiligen Schrift entgegen sei, ergo — das Christenthum allein Wahrheit und Heil verbreite. Alle Angriffe dieser Art führt das rationelle Judenthum ebenso gegen das rabbinische, nur daß der Schluß richtiger gefolgert wird: ergo —- die mosaische Lehre allein ist die rechte, sie macht die Thoren weise. '' Wenn das Christenthum mit der mosaischen Lehre identisch, oder vermittelst gegenseitiger Concessionen unter alleiniger Ausnahme der subjektiven Wahrheiten des Judenthums, auf seine ursprüngliche historische Bestimmung-), wie sich solche deren Gründer unbestreitbar vorgezeichnet hat, zurückgeführt werden würde., dann könnten allerdings mit einigem Grunde den Legenden und Allegorien des Talmuds die Wahrheiten des Christenthums gegenübergestellt werden, und dann wäre es, wie der Vers, der Ueberz. (S. 127) sagt, nicht unmöglich , „daß vielleicht unsere Geistlichkeit eine versöhnliche und ausgleichende Concesft'on solcher Art in unser Bekenntniß aufzunehmen vermöchte" so lange aber unter Christenthum jenes Gottheitsdogma verstanden werden will, das unserer innern Erkenntnis;, unserm angebornen Denkvermögen entgegen ist, dann müssen wir trotz der Mängel des Rabbinismus jene Trugschlüsse mit aller Kraft zurückweisen, und die Wahrheit da anerkennen, wo die Vernunft die Stütze des Glaubens entbehren kann. — Die Berichte der Missionäre, gesammelt in bet* Jews Inteil, stimmen alle darin überein, daß das jetzt so verbreitete rationelle Judenthum ein äußerst unergiebiger Bodens für die Saat des' Christenthums sei, daher sie sich auch lediglich in den Unterredungen mit den orthodoxen Rabbinen eines zurückgelassenen Eindrucks, von dem sie die gedeihlichsten Früchte erwarten, rühmen (vgl. die Unterredung des Missionärs Pieritz mit dem Rabb. Hurwitz und Dr. Mannheimer in Wien im Septemberhest). Vernunftgründe scheuend und die eigene Gefahr fürchtend, liegt das rationelle Judenthum außer dem Bereiche ihres Bekehrungsvermögens und ihrer Angriffe, 2) „Die jüdischen Bekehrten, welche Jesus als den durch ihre alten Orakel verheißenen Messias anerkannten, verehrten ihn als den prophetischen Lehrer der Lugend und Religion; aber sie blieben hartnäckig bei den Ceremonien ihrer Vorfahren und wollten sie auch den Heiden auflegen, welche beständig die Zahl der Gläubigen vermehrten „Gibbon e. 15. Paene omnes Christum_ Deum sub observatione legis credebant.“ Sulp. Sev. 2,31. „Jesus circumcisus erat, cibis utebatur Judaicis; vestitu siniüi; si quos sanayit sabbato, ostendit non tantum ex lege, sed et exeeptis sententiis, talia apera sabbato non in ter.dk fca.“ Grotius de Yeritate Uelig. christianae 1. V. c, 7, angeführt von Gibb. obschon ihnen auch auf dem biblischen .Gebiete das starre Festhalten an den Worten der heiligen Schrift und an den überlieferten Glaubenssätzen nicht ' hemmend in den Weg tritt. Ebensowenig stellen sie sich die Aufgabe, Proselyten aus der großen Anzahl der sich zum reinen Deismus Bekennenden und einer Vernunftreligion Huldigenden zu erwerben, welche Prinzipien, wie Kl üb er in seinem öffentlichen Rechte §. 516 not. 6, sagt, nicht aus d er j ü di sch en Nation allein Prosel yten erhalten. Erklärlich ist es daher, daß, so wie die Angriffe der Missionsliteratur das rationelle Judenthum ungefährdet ließen, dieses seinerseits sich gleichfalls ganz passiv gegen jene verhält, und um so dankbarer muß die vorliegende Schrift des Herrn L.. von seinen Glaubensgenossen ausgenommen'werden, der, obschon nicht aus orthodoxem Standpunkt stehend, das Fränkel'sche Machwerk gleichsam zum Vorwand nimmt, um mit dem Proselytenwesen ein ernstes freies Wort zu reden. Wir sagen zum Vorwand, denn keineswegs konnte es der Verfasser ernst meinen, daß das F'sche „Bekenntniß" in seinen Rügen fast nur darum eine Erwiederung verdiene, weit es von einem gebornen Israeliten herrühre. Der Kampf um Wahrheit, in welcher Diseiplin der Wissenschaft und um welchen Glauben er auch geführt wird, muß ganz von den Zufälligkeiten der Personalität getrennt werden und nur mit dem Objectiven, mit den Beweisen, Lehrsätzen und Schlüssen haben wir es zu thun, ganz unbekümmert um den Standpunkt des Vorstellers. Wie wenig Berücksichtigung muß aber eine Schrift verdienen, wenn man zu deren Widerlegung eine Entschuldigung/und dazu eine so gezwungene und zweideutige, vorausschicken muß! Mit Geist und Gemüth hat der Verf. der Ueberzeugung die Polemik eröffnet, die eines gelehrteren und tüchtigern Gegners würdig wäre, und 'zum Erstenmal vernehmen wir die freie Sprache des von der Wahrheit seines Glaubens durchdrungenen Israeliten, in einer Zeit, wo der Jndifferentismus zur herrschenden Mode geworden, die sich sorgfältig und fast ängstlich bemüht, die äußern Formen des Judenthums abzustreifen, und mit unverhehlter Besorgniß ein öffentliches Bekenntniß, als' für die Emancipations - Bestrebungen nachtheilig, fürchtet. Mit derselben Wärme, mit demselben Muthe trat der Verfasser hier für seinen angegriffenen Glauben auf, wie er, bei einer andern Gelegenheit, für die verläumderische Beschuldigung gegen seine Brüder kämpfte; aber dennoch eine zarte Schonung der Conviktion Andersglaubender beobachtend, hat derselbe mit Besonnenheit und Umsicht die Freisinnigkeit seiner Ideen zu zügeln verstanden, ohne darum die Wahrheit seiner Ueberzeugungen in dunkele Formen zu'hüllen. Nur da, wo der Kampf rein persönlicher Natur ist und die Eloquenz seines Gegners alle denkbaren Absurditäten und Gehässigkeiten, die nur von erzjudenfeindlichen Gesinnungen angewendet werden können, als angebliche Motive seiner Bekehrung proklamirt, läßt der Verfasser die Zügel seines Witzes