Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Spalte 245-246 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Literarische Uebei sichten: „Ueberzeugungen eines Israeliten" rc. von Löwenstein. 246 .. 1-nn. ijtj' ' — I “112 "* Ja, du sinkst in den Schwül hinab! Auf des Grabes Boden!" — 1 Les. 14, 9—12; 13-16. — (Fortsetzung folgt.) Literarische Ueberfichten. Apologetik. Ueberzeugungen eines Israeliten, gegenüber dem Proselytenthum. *) .. Von - ... L. H. Löwenstein. (Beurtheilt von K—m.) Wenn der Kampf der Vernichtung, den das Judenthum in seinen verschiedenen Leidensperioden so siegreich bestanden hat, der herrschenden Kirche die Ueberzeugung beibnngen sollte, daß weder blutige Verfolgung, noch harte Ausnahmgesetze die jüdische Nation aus der Reihe der Völkerschaften zu streichen vermögen, und wenn die Erfahrung genugsam erwiesen hat, daß diese nur im häuslichen Leben und in der Synagoge bestehende Nationalität eben so unschädlich neben der Trinita'tslehre wie im alten Rom neben dem Polytheismus bestehen könne, so gab dennoch die sieggekrönte Kirche die Hoffnung noch nicht auf „die verirrten Schaafe auf den Weg des Heils zu leiten". Was Speer und Lanze nicht vermochten, sollten die sanften Worte der Ueberzeugung, im Gefolge zeitlicher Versprechungen., zu versuchen unternehmen: daher der letzte Wall mittelalterlicher Unterscherdungslinien, trotz der vielen Riffe vom Sturm der Zeiten, immer noch neu übertüncht wird; daher Massen polemischer Schriften und absurde Traktätchen überall hin verbreitet werden, um, wie man sich beredet, durch das Licht der neuen Lehre das Helldunkel jüdischer Vernunft zu erleuchten. Dank sei,es der humanen Richtung des fortschreitenden Zeitgeistes, daß die Religionspolitik der Gegenwart wenigstens einen friedlicheren Charakter angenommen, und das Judenthum nicht nur als. ein historisches Faktum, sondern auch als eine religiöse Macht anerkannt wird, die beachtet aber nicht verachtet, die wohl bekämpft aber doch nicht ungerügt geneckt und verunglimpft werden darf. . So vortheilhast aber diese Richtung aus die bürgerliche Stellung der Juden im Allgemeinen ist, so nachtheilig erweist sie sich aufs Judenthum selbst. Ganz gleichgültig sehen die Juden dem Treiben der Proselyten - Societätm zu, und die neue Missionsliteratur mit jenen übrigens veralteten unschädlichen Pfeilen, und abgetragenen Kostüms aus der Rumpelkammer des Mittelalters hat das ganze Schlachtgesilde inne, ohne daß sich für den *) Gegen die judenfeindlrche Schrift von dem getauften Juden Dr. Fränket in Elberfeld. Red. alten Glauben ein Streiter des Herrn erhebt; nur wrnn die bürgerliche Stellung angegriffen wird und Absperrungs-Theorien aüstauchen, d a erscheint ein David, die Philister zu bekämpfen. Das Judenthum wird, preisgegeben, wenn nur die Juden verschont blieben. Wahr ist es allerdings, daß bis jetzt noch alle Angriffe auf's Judenthum an dem schlichten, gesunden Sinn seiner Bekenner scheiterten, die noch immer den Monotheismus und den einfachen natürlichen Sinn ihrer heiligen Schriften, einer ihren Verstandesbegriffen nicht einleuchtenden Lehre und einer der vernünftigen Exegetik entgegenstehenden Deutung vorziehen; allein diese Wahrheiten muffen nicht nur praktisch, sondern wenn es nöthig scheint, auch theoretisch beurkundet werden. Das muthige Beispiel unserer Voreltern sollte uns hier verseuchten, die in 182 Schriften (zusammengestellt in De-Rossi Bibi. Antich.) die Angriffe auf ihre Religion, je nach der Bildungsstufe ihrer Intelligenz widerlegten, und das in den Zeiten wo der Fanatismus seine reichsten Erndten hielt, und mitunter von Männern, die Ln den allerkatholischsten Ländern wichtige Staatsämter bekleideten; so schreibt Part. 3, 875, vom Abrabanel: „k'uit int'en8j88imu8 christianorum in Scripfcuris apertus inimicus, ufc niirum sit eo tempore quo calamo maiedicta in christianos scripta exarabat, eodeni quoque ut ita dicam momento principibus christianis adulabatur“ 1). Wir stimmen daher keineswegs mit dem Verfasser der Ueberzeugungen (S. 15) überein, daß, weil die ephemeren missionarischen Zeitblätter und Flugschriften fast wirkungslos verhallen und kaum der Rede werthen Schaden anrichten, jüdischer Seits dieses Treiben nur als ein gefahrloses, unschuldiges „Amüsement" gelten könne; höhnischen Spott und gehässige Angriffe können wir allerdings durch Nichtbeachtung und Abweisung des Kampfes, ohne Gefahr zu fürchten, entgegnen, aber „das wohlgenährte Grobgeschütz eines M'Ca ul und Konsorten" sind wohl geschärfte Pfeile, die zwar am ehernen Panzer eines jüdischen Theologen abprallen, aber der Ruhe des unbewappneten Laien tödtliche Wunden zu verursachen vermögen. Um so weniger kann aber diese Fehde stolz und verächtlich zurückgewiesen werden-, da von den Genannten der Kampf auf ein neues Feld geführt wird, wo Juden selbst Waffen liefern, womit das Judenthum scheinbar mit Erfolg bekämpft werden könne. Nicht die subtilen Grundlehren des Chriffenthums, wie die Virgmität, die Trinitität und dergl. werden durch spitzfindige Deutungen und Demonstrationen, in den Schriften 1) Die Schlußfolge dieser Anschuldigung ist eben so .absurd als falsch, denn man kann allerdings aufs heftigste ein Princip bekämpfen, ohne deshalb besten Vertheidiger hassen zu müssen. Abrab. könnte daher ganz gut das Christenthum Haffen und seine subtilen Dogmen bekämpfen, ohne deshalb seinen freundschaftlichen Verhältnissen zu dessen Bekennern zu entsagen oder den Stempel der Heuchelei aufzudrücken. 16*