Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1842)
- Date
- 1842-04-16
- Page
- Seite 127 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360218--2430-3529251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
127 gium favoratrilc fttt die Juden, und ein c>Ziosum für alle Beschädigte (unter welchen sich freilich auch wieder Juden befinden können), daß Juden nicht einmal in solchen schweren Criminalfällen zum Eide sollen gezwungen werden können, wo durch ihre Zeugnisse der Weg nicht nur zur Bestrafung der Lhäter, sondern auch zur Entschädigung der Damnisieaten gebahnt werden könnte l Lit er a t rr r. 1) Der Hamburger Tempelstreit, eine Zeitfrage. Von Dr. Abraham Geiger, -Rabbiner in Breslau. Breslau 1842 bei F. E. C. Leuckart, I V u. 84 S. 8. 2) Das Vaterland; die würdige Vorbereitung zum Pesach feste. Zwei Predigten, gehalten in der großen Synagoge zu Breslau rc. herausgegeben von demselben. Zum Besten des jüdischen Hand weckvereins. Ebendas. 27 S. 8. Referent vereinigt die Anzeige beider oben genannten Schriften, weil sie beide von einem und demselben Geiste des Fortschrittes und der Aufklärung durchdrungen, einander gegenseitig unterstützen und erklären. In No. 1. nimmt der Verfasser von dem unlängst in Hamburg ausgebrochenen Zwiste zwischen den alt- und neugläubigen Israeliten Veranlassung, eine Ueberflcht der Veränderungen zu geben, welche die religiöse Denkweise und der Gottesdienst der deutschen Juden, insbesondere seit den ersten Jahrzehenden des gegenwärtigen Jahrhunderts, erfahren hat. Daran knüpft er sein Urtheil über den Hamburger Streit, dessen Ursprung und Verlauf er gleichfalls mittheilt, und setzt so seine Leser in den Stand, sich eine eigene Ansicht über die Sache, um die es sich handelt, zu bilden. Ref. hat des Hrn. Vers. Schrift mit großem Interesse und freudiger Zustimmung gelesen und kann dieselbe mit gutem Gewissen Allen, die an den. großen Kämpfen der Gegenwart lebendigen Antheil nehmen, zur Lektüre empfehlen. Besonders anziehend ist, was über die vergeistigte Fassung des alten Messiasbegriffs, der Bestimmung des jüdischen Volkes und der einstigen Wiederherstellung Zions gesagt wird (S. 47 u. a.); ergötzlich sind die Proben, bis zu welchem Unsinne ein konsequenter Enthusiasmus für das Alte in Sitte und Glauben zuletzt führen muß (S. 23. 36. 60); höchst anregend der Freimuth und die Entschiedenheit, womit der'Verf. das Wort für Licht und Recht im Namen seiner aufgeklärten und vernünftigen Glaubensgenossen ergreift und die Halbheiten, Schwänen und Inkonsequenzen Derer an den Mag bringt und richtet, welche nicht den Muthund die Kraft haben, die ganze Hand zu nehmen, wo sie den-kleinen Finger bereits gereicht erhielten. Zu diesen schwachherzigen Anhängern der Wahrheit und Freiheit in-religiösen Dingen gehören nämlich eben die Hamburger Tempelvereinsmäqnec und sie vernehmen manch unliebsames Wort von unserm Verf. ebensowohl als die hartnäckigen Befehder und Verketzerer der neuen, freisinnigen Bestrebungen des erleuchteten und erweckten Judenthumes?, welches kein Recht der Verjährung in Sachen des Glaubens und der Erkenntniß gelten läßt. Wie sehr aber gerade diese geistig lebendige Richtung des gebildeten jüdischen Bewußtseins dazu geeignet ist, auch an heiliger Stätte mit dem lebendigen und begeisternden Worte von frekgesinnten Lehrern der Religion vertreten und wahrhaft erbaulich gemacht zu werden, davon legen eben die unter No. 2 angeführten zwei Synagogalvorträge desselben Verf. ein schönes und kräftiges Zeugniß ab. Indem ersten führt er seinen Zuhörern den Druck der Vergangenheit und die Heimathlosigkeit Israels zu Gemüthe und schildert darauf mit Wärme und Innigkeit die Befreiung aus jener Zeit der Noth und Verlassenheit durch die Hand des Herrn. Daran knüpft er die Aufforderung zum Danke gegen den Gott der Väter und die eindringliche Mahnung an seine Glaubensbrüder, durch echte Menschlichkeit und hohe Würgertugend nach dem vollem Besitze der Rechte und Freiheiten rüstig zu ringen, die ihnen zum Theile schon gewähret sind und die der Name Vaterland umschließt. Die ruhige, klare, gemessen fortschreitende, hier und da zu lebhafter Empfindung gesteigerte Darstellung, den leichten und ungezwungenen Fluß der Gedanken, um die der Redner nie verlegen ist, und die gefällige, edel populäre, nur einige Male durch Inkorrektheit getrübte Sprache, welche jene erste Rede auszeichnen, treffen wir auch in der zweiten, die würdige Vorbereitung zum Passahfeste schildernden wieder, die auf eine sehr sinnige und ansprechende Weise mit der allgemeinen Idee des Festes, welches als ein Fest der Befreiung von schmachvoller Knechtschaft und Erniedrigung gefaßt wird, die Bedeutung der einzeln vorhergehenden Sabbate und ihrer Feien in Verbindung bringt, um daran das Wesen wahrhaft freier und fteiheitswürdiger Gesinnung und Handlungsart nach ihren verschiedenen Seiten hin, mit feiner Beredtsamkeit zu ent wickeln und eine Reihe fruchtbarer und anregender Gedanken und Gefühle in den Herzen der Hörer zu erwecken. Wie sie dem Gemüthe entquollen sind, .diese Vorträge, die das Licht der Oeffentlichkeit in keiner Hinsicht zu scheuen haben, so müssen sie auch von wohltätiger Wirkung auf das Gemüth gewesen sein und werden des Segens, den das Licht des Geistes überall bringt, wo es frei und, ungeschwächt strahlen darf, nicht verlustig gehen. Ja, Ref. trägt kein Bedenken, es auszufprechen, daß, wenn erst die Gesinnung des edlen Verfassers jener Vorträge lebendige und allseitige Anerkennung und Bewährung unter seinen Glaubensgenossen gefunden haben wird, die deutschen Christen nicht säumen werden, ihnen zu gewähren, was der Verf. für sie noch wünscht und hofft. Ein protestantischer Lheologe>