Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1842)
- Date
- 1842-04-09
- Page
- Seite 118 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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118 bereitwillig geöffnet und wird wohl auch ferner der Unparteilichkeit in diesem Streite huldigen, der jedenfalls ein gutes Zeichen erwachter Theilnahme an dem Unglücke der Lübecker Juden ist. Möchten Lübeck's christliche Einwohner fortan gemeinsam mit den dortigen und mit achtbaren auswärtigen Juden freundlich für denselben humanen Zweck wirken. — Ein kleiner Aussatz „Jude oder Israelit?" den Hr.Dr.Salomo n vor mehreren Jahren in die hiesigen „Lit. Blätter der Börsenhalle" einrücken ließ, ist auf Verlangen des Obervorstehers Hellwitz in Soest jüngst in mehreren hundert Exemplaren von Neuem abgedruckt worden. — In Nr. 4. des Telegraphen 1842» replicirt Gutzkow (wie uns scheint, ziemlich schwach) auf den Angriff im zweiten Hefte von Riesser's jüdischen Briefen, auf die wir nochmals zurückkommen werden *). — Hamburg und Altona werden durch die zu Hamburg gehörige Vorstadt, St. Pauli (früher „der Hamburger Berg" genannt) getrennt oder vielmehr mit einander in unmittelbaren Zusammenhang gebracht. Die Bevölkerung dieser, im Kriege ganz verwüsteten Vorstadt, hat in den letzten Jahren sehr zugenommen und wird jetzt aus 15,000 Seelen geschätzt.' Einige Quartiere St. Pauli's sind besonders dadurch sehr belebt, daß sie unmittelbar an den Hafen und die Elbe stoßen z die Hauptstraße, die von Hamburg nach Altona führt, (eine Art langer Allee mit zwei Häuserreihen, unter denen sich die neuen zu Vorstellungen aller Art. benutzten Gebäude vorteilhaft auszeichnen), ist während des ganzen Tages von Fußgängern und Omnibus bedeckt. Für den von Hamburg Kommenden rechts, in einer Seitenstraße, hat man den Prospekt auf ein Prachtgebäude, welches gegenwärtig noch im Baue begriffen ist. Es ist das Betty-Heine-Hospital, welches Herr Salomon Heine zum Andenken an seine Frau auf seine Kosten für die jüdische Gemeinde Hamburgs aufführen läßt und zu welchem im vorigen Jahre mit vielen Feierlichkeiten der Grundstein gelegt wurde. — Das bisherige jüdische Hospital, ein schmales Haus, liegt in der Stadt, in.der Nähe des Walles, bei den Hütten. — Im vergangenen Jahre haben zuerst Juden ihren Wohnsitz in St. Pauli aufschlagen dürfen. 5) Trefflich ist die als Mscpt..gedruckte, von Dr. Riesser für die Gebrüder Bang. Oppenheim in Köln, verfaßte Jmmediat-Eingabe an den König v. Preußen. Ja, ein junger, geachteter jüdischer Arzt, Herr Dr. Julius Heine, der kurze Zeit in Hamburg ansaßig gewesen war und dann nach St. Pauli zog, ist daselbst Armenarzt, und vor einigen Tagen unter die Verwalter der Hamburgischen Sparkasse (sechstes Bureau —> St. Pauli) gewählt worden 6 7). — Unter den Armenärzten und den Assistenten (Gehülfsärzten) am allgemeinen Krankenhause sind übrigens schon öfters Juden gewesen. — In dem „Kalender für Israeliten auf das Jahr 5602" (Wesel 1841 bei Prinz), der, wenn ich nicht irre, von Herrn Liepmannssohn herausgegeben wird, finde ich zu meinem Erstaunen auf der letzten Seite (S. 150) unter den Buchhändler-Anzeigen, unter der Rubrik „bei dem Verleger sind von demselben Verfasser ferner erschienen", fünf Werke angezeigt, die meines Wissens wirklich von Herrn Liepmannssohn herrühren, dann aber demselben noch folgendes Büchlein zugeschrieben: „Denkwürdige Beispiele aus der Kirchengeschichte für herrschende und beherrschte Gemeinschaften". Diese Brochüre rührt nicht von Herrn Liepmannssohn, sondern von einem in Hamburg lebenden, geistreichen und geachteten Arztes her und verdankt ihre Entstehung den Ereignissen, die sich 1835. in der „Alsterhalle" zu Hamburg zugetragen und b.ei allen Freunden der Toleranz ein gar trauriges Andenken zurückgelassen haben. Sie erschien in Commission bei Nestler und Melle in Hamburg, wo damals Herr Prinz eine Anstellung hatte und mag später vielleicht in dessen Besitz übergegangen sein. 6) Ein anderer Jude, ein geschickter Mechanikus, der einen christlichen Werkmeister, einen jüdischen und einen christlichen Lehrburschen hat, wohnt gleichfalls in St. Pauli und hat daselbst seine Werkstatt. ' 7) Dr. E. S. Nathan (pseudonym Essen na), geb. zu Eutin, promovirte 1830 in Kiel, machte 1831 den polnischen Feldzug mit und ließ sich dann in Hamburg nieder. Er ist bereits seit mehreren Jahren Armenarzt, ferner Mitarbeiter, Recensent und Revisor der Hamb. med. Zeitschrift, Mitglied de^ ärztlichen Vereins (in welchem er oft Vorträge hält) und hat sich auch in der jüd. Lit. durch seine Uebers. v. Salvador's „1n«titution8" re. (3 Bde. Hoffm. u. Comp.) und durch seine (anonym erschienenen) „ Gedanken aus dem Tagebuche eines Juden" einen Namen gemacht. Bolksthümliche Aufsähr »i» Neurtheilungrn. Die Judenzerrgniffe in Criminal - Sachen. (Fortsetzung.) 2) Rabbiner Geiger, Abhandlung über den Zeugeneid der Juden in Criminalfällen. Der Verfasser gestattet im Allgemeinen offenbar den Zwang zum Eide, wenn er ausführt: „Das jüdische Recht verlangt von dem Zeugen, in Civil- und Crim.-Fällen, ursprünglich keinen Eid. Später trat „„um der Ordnung der bürgerlichen Zustände willen"" die Bestimmung ein, diejenigen Personen, von welchen man vermuthete, daß sie ein Zeugniß wüßten, dahin zu beeidigen, daß sie der Ablegung des Zeugnisses sich nicht entziehen wollten. Selbst der Eid über die Wahrhaftigkeit der Zeugenaussage fand Eingang. J's a a k ben Scheschet, Vorgänger Salomo Duran's in Algier, bemerkt, mehrere Orte hätten den Brauch, die Zeugen