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Der Orient · 1842-04-09 · Heft 15 (9.4.1842) · p. Seite 115

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 15 (9.4.1842)
Date
1842-04-09
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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115 gogen bereits emgeführten Choralgesänge nunmehr allgemeiner Uncerrichtsgegsnstand in allen oberen Klassen der israelitischen Lehranstalten des Großherzogthums werden sollen. Es ist dies gewiß der sicherste Weg, den, den Gottesdienst so hebenden Choralgesangen in sämmtliche Synagogen den Eingang zu bahnen, und den Sinn fammtlicher Gemeinden, in welchen bisher die Synagoge dieser Gesänge noch ermangelte, mit diesem Institute vertrauter zu machen. Aufs Neue bewahrt sich hierin die immer befolgte Tendenz des Gr. Oberraths. Denn beobachtet man überhaupt das System, dem jene hohe Behörde in ihrem segensreichen Wirken seit nunmehr als 30 Jahren treu geblieben, das System, welches vorzüglich in der Person des Mannes repräsentier ist, dessen innerer und äußerer Beruf ihn' an die Spitze der Leitung unserer kirchlichen Angelegenheiten gestellt (des Herrn Oberraths Epstein), so wird uns das Streben immer sichtbar werden, die einzelnen Gemeinden zu den nothwendigen Reformen im Allgemeinen, so wie zu jeder einzelnen Maaßregel gleichsam zu erziehen, und heranzudildenz so daß am Ende von allen Einzelnen nicht nur jeder Vorschritt des Gr. Oberraths in Betreff des Eultus gebilligt, sondern verlangt wird. Wir sehen daher die wichtigsten Neuerungen in Betreff der Trauungsceremonien, der öffentlichen Schulentlassungen in den Synagogen, Predigten und Choralgesänge, Verbesserungen im Bereiche der Gebote selbst, rc. fast ohne alle Opposition mit Beifall und Billigung ausgenommen. Ein solches System wird freilich nicht immer die drängenden Wünsche mancher Ungeduldigen befriedigen. — Allein damit die Masse von den neuen lauternden Ideen durchdrungen, und die neueu Institutionen nicht sowohl als eine nun einmal nicht abzuwälzende drückende Lasten betrachtet werden sollen; damit nicht erst strenge Executiv-Mittel religiösen Einrichtungen die Bahn brechen müssen; damit endlich nicht durch Partheiungen die friedlichsten Gemeinden getrennt werden, ist dieser Weg geboten. Zum Segen des Landes huldigt auch Herr Willstätter, welcher jetzt als Rabbiner beim Gr. Oberrath fungirt, dessen guter Wille, ächte Religiosität und Tüchtigkeit allgemein anerkannt sind, obgedachter von dem verdienstreichen Herr Oberrath Epstein längst festgestellter Theorie. VLntevfvanftn (in Baiern) 29. Marz. Die erste Nachricht, die ich Ihnen von hieraus mitthelle, ist mindestens keine unerfreuliche, wenn auch durch ein trauriges Ereigniß veranlaßt. Der Jammerruf der Unglücklichen in Smyrna, der in allen Blättern ertönte, veranlage den Distrikts-Rabbiner Dr. Adler in Kisfingen sich an die k. Kreisregierung mit der Bitte zu wenden, die Erlaubniß zu einer Kollekte zu gestatten. Unsere humane Regierung wendete sich an Se. Majestät und Allerhöchstdieselben gestatteten eine solche für unseren Kreis. Sie wurde durch die k. Landgerichte vorgenommen und der Ertrag an die k. Regierungs-Expedition eingesendet. Er belief sich im Ganzen auf 369 Fl. 15 3fr. Diese sind von der k. Regierung an den obengenannten Distrikts-Rabbiner mir dem Aufträge Übermacht worden, das Geld, seinem Vorschläge gemäß, durch Herrn Rabbiner K o h n in Hohenems nach Smyrna zu befördern. — Schwerin, den 14. Marz. Die vor wenigen Wochen erschienene Bwchüre „Jude und Nichtjude, eine Erwiederung auf die Schriften der Triple-Allianz Holdheim, Salomon und Frankfurter" und die später erschienene „Festhalten am Gesetz, Fortschritt im Geist" haben auch, wiewohl Manchem nicht gerade erwünscht, hierher den Weg gefunden und uns für die Principien dieses Streites angeregt, und es muß uns dieß um so mehr freuen, als die Redaetion einer jüdischen Zeitung nur ihren eigenen, dem Alten nicht gerade sehr günstigen Grundsätzen Raum gönnend, jeder freien Beurtheilung und Besprechung ihr Blatt verschlossen hat, namentlich in der für das Judenthum so wichtigen Tempelsrage. Durch die erwähnten Schriften sowohl, als durch einige treffende Artikel des Orients, haben wir eine genauere Einsicht in den Gebetbuchstreit ^erhalten, und gewiß ist es nicht anmaßend, wenn wir uns dem Urtheile anschließen, daß jenes Gebetbuch bei genauer Prüfung nicht den Anforderungen eines Israelitischen genügt, da es den jüdischen Gebetgeist zerstört; mithin die Jnterdicte der Rabbiner Becnays und Cttlinger nicht nm gerecht sind, sondern es Pflicht dieser Geistlichen war, ihre Gemeinden vor Täuschung und Verführung zu warnen. Warum aber unser Rabbiner sich gerade der Partei des Tempels angeschloffen und nicht den Standpunkt eines Rabbiners genommen? Wie es kommt, daß Herr Hold heim, der doch so gern die orthodoxe Gelehrsamkeit reprasentiren möchte, sich verleiten lassen konnte, gleichsam als kwd üHD mit einem Votum zuerst aufzutreten? Um dieses zu begreifen, muß man auf den Gcundcharakter und auf die wissenschaftliche Stellung dieses Mannes einen Blick werfen. Ohne eigentliche klassische Bildung, und also ohne wissenschaftlichen Halt, haben sich bei ihm feste, bestimmte Grundsätze über Eultus und Reform nie ausgeprägt und ausprägen können, weil nur die Wissenschaft eine Leuchte im Dunkel dieser Fragen sein kann. Das in seiner frühen Jugend gepflegte Talmudstudium hat zwar dazu gedient, ihm den Schein einer tüchtigen rabbinischen Bildung zu verleihen um zu Rabbinecstellen schnell zu verhelfen, keinesweges aber die Bestimmung des Rabbinismus, seine göttliche Weihe, seine Mission in einer von Leichtsinn zerwühlten Zeit zu erfassen. Wie ein schwankendes Rohr, vom Sturme hin und her getrieben, mußte sichHr.H. natürlich, da er der Stütze eines Prmcips, eines Charakters ermangelt, jedem Einflüsse hingeben, und es braucht nicht einmal eine Käuflichkeit der Gesinnung zu sein, wenn ich behaupte, daß wenn die orthodoxe Partei sich zuerst an ihn gewendet, ec.eben so gut ein Vo- 15 *

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