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Der Orient · 1842-04-02 · 14 (2.4.1842) · p. Spalte 215-216

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
14 (2.4.1842)
Date
1842-04-02
Page
Spalte 215-216 (sequence 4)
Language
German
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215 21k Unsterblichkeit der Seele bei dm alten Hebräern. Won Z. Kämpf. dauer der Seele nach dem Tode allgemein verbreitet war^), keinesweges aber, daß man die abgeschiedene Seele sich in einem unterirdischen Todtenreich gedacht habe. Indessen, da wir die Begebenheit zu En- Dor einmal berührt haben, so wollen wir sie auch näher beleuchten. Schon die bessern der ältern israelitischen Interpreten wollen in der fraglichen Erscheinung Samuels nur eine kühne Gaukelei jenes Weibes erblicken, indem sie sich mit Recht auf zahlreiche Stellen in der heiligen Schrift berufen, m alle Zauberei für Lug.Md Trug erklärt wird. Sassen wir Mc die in der betreffenden -.Erzählung ,erwähnte Rede Samuel 's erst naher ins Auge, so ergiebt sich uns aus Form und Inhalt derselben, daß. sie unmöglich aus dem Munde eines wahrhaft gH.'ttt lichen Propheten, wie Samuel, geflossen sein konnte. Dieser hatte während sei- : nes Erdenlebens in Bezug-auf den Götzendienst und die * damit verbundenen abergläubischen Handlungen die einem > Gottesgesandten so würdigen Worte ausgesprochen: nornnn-’p hw xWfrw-ib (I Sam. 12, 21.) — j wie sollte er nun, nachdem er alles Irdische abgestresst! und Gott und der Wahrheit noch näher gerückt, dem j widersprechen, indem er auf eine so auffallende Weise; an den Tag legte, daß. auch dem heidnischen Zau-! berwesen Kraft.inwohne, die Zukunft zu enthüllen?; —- Dann wird dem unglücklichen König der.Untergang? auf eine so unprophetische Weise verkündigt, die deutlich? genug die ungöttliche Quelle dieser -Verkündigung ver-! rach. Der wahre Prophet warnet, erschüttert,! aber zerschmettert nicht; erdroht Strafe, verkündigt Unglück, — aber nur bedingt und wu\ derruflich. Wenn Micha ben Jimla dem laster-! h a ft en König Ach^ab Unglück prophezeiet (I-Reg. 22.) j so geschieht es nur bedingterweise, nämlich, wenn er! wider den Willen Gotles es wagt, einen unzeitigen Feldzug gegen die Syrer zu unternehmen; ihm ' wird j demnach sein Schicksal in die eigne Hände gegeben. In unserer Erzählung hingegen wird dem tiefgebeugten Sür- - sten ber Untergang .ganz um.be dingt und unwstd.e rs rufbich -angekündigt. --- Wie? wenn Saul und seine i S'ö hm e keine H e l d em, sondern F e i g l i ng e gewesen! wären, .die, durch diese Prophezeiung erschreckt, sich fern! von der Schlacht gehalten hätten? — Die Beweise der i 9) So -sagt auch Rabbi I ehud a ha- Levi zum Kui sari in Bezug auf .die vom König Saul ausgeübte Ne-! kr 0man,tie: IDdr ' i?üT] np j dwd byn v>n ■o, mio wn, by)., .mwn nfe im •nnN^':ni^D:n O, pwryn r>n p* d. h. „Wer auch das Unternehmen des Königs, nämlich die Nekromantie, in unserem Gesetze ver-! boten, so zeigt doch dieser Umstand, daß das Volk in den j Lagen der Propheten den Glauben hatte, daß die Seelen auch nach Verwesung der Leiber noch unvergänglich bleiben. Deßhalb befragten sie die Lobten." Anhänglichkeit und Liebe, welche diese königliche Familie vom Volke so oft empfangen, konnten -ihr sichere Bürgen sein, daß sie von demselben nicht nur nicht verrathen, sondern auch bis auf den letzten Blutstropfen vertheidigt werden würde. Wie würde es aber dann mit der fraglichen Prophezeiung gestanden haben? — Nein, dies ist keine göttliche Verkündigung; das Wort des Herrn 'greift nie in den freien Willen des Menschen ein. Und in der That sehen wir nicht ein, was uns veranlassen sollte, die in Frage gestellte Erscheinung Samuels als wirkliches Factum anzunehmm; die Schrift selbst Liebt uns auch nicht die geringste Ursache dazu, was sie auch nicht kann, ohne -sich selbst zu -widersprechen. Sie erzählt blos die Begebenheit, so wie sie von Saul aufgefaßt worden, ist aber weit davon entfernt, diese Auffassung als die ihrige auszugeben. Der eigentliche Zweck der Erzählung scheint uns nur zu sein, Mit leid sür den bemitleidenswerdhen König -zu erwecken, der durch Geisteszerruttung so tief gesunken, daß er verzweifelt zu einem Aberglauben seine Zuflucht genommen, den erfrüher bei klarem Selbstbewußtsein ,aufs entschiedenste bekämpft hatte. Nur so gewinnen die kritischen Worte: " riNl nteLsTI -l'ON •’pNrlD" (I Sam. 28, 3.) / welche die Schrift in die Einleitung der sraglichen Erzählung einschiebt, an Sinn und Bedeutung. Endlich was die leicht aufzuwerfende Frage betrifft, durch welche Kunstgriffe die angebliche Zauberin ihre Gaukelei ausg^führt habe, so kann darauf als Antwort dienen, daß sie dett König wohl erkannt, aber aus leicht begreiflichem Grunde anfangs geschwiegen, — daß sie ferner mit den landeskundigen Verhältnissen Saul's und der bereits bekannt gewordenen Salbung David's wohl vertrauet gewesen sei und das alles geschickt zu benutzen gewußt habe. — Auch wird ausdrücklich bemerkt, daß der König selbst die Erscheinung nicht gesehen, sondern nur ihre Stimme vernommen hatte, — was verhindert uns also anzunehmen, daß die Gauklerin eine Bauchrednerin gewesen sei? Genug, daß her göttliche Geschichtsschreiber bei der Erzählung der fraglichen Begebenheit sich neutral verhalt io)- vermeiden wir es daher, ihm einen Aberglauben aufzubürden, der von Moses und den Propheten,als Gotteslästerung ge.brandmarkt wird. — Wir gehen nun.zu denjenigen Stellen in;b$n poetischen Büchern der Schrift über, wo, nach den Gegnern unsrer Ansicht --- widersprechend genug bald die Unsterblichkeit der menschlichen Seele aufs Le- .stimmleste geleugnet, bald das fragliche Todtenreich so aussührlich beschrieben werden soll. Es wird nun unsere 10) Die Stelle im Sir ach 46, 23 ist uns nicht entgangen, — allein dieses Buch wird von der- Gemeinde Israels-nicht sür kanonisch gehalten, und zwar um so weniger, als das Original davon längst verschwunden.ist. u~

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