Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1842)
- Date
- 1842-04-02
- Page
- Seite 108 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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108 schlagenen Abhilfe zugleich ein Mittel, zur Erlangung des von uns so oft vergeblich nachgesüchten Bürgerrechts. Wir ergreifen auch dieses Mittel, wie der Ertrinkende einen Strohhalm. Die Hoffnung, jene trügerische, Glück prophezeihende Zigeunerin, wird wahrscheinlich uns tauschen (wie sie so oft uns' schon getauscht), selbst wenn der vom Herrn L. gemachte -Vorschlag sich realisiren sollte; dennoch können wir zum Heileunserer religiösen Angelegenheiten unsere völlige Billigung der ausgestellten Abhilfe und unfern innigsten Dank dem in dieser indifferenten Zeit energisch thatigen Mitgliede der Stettiner Gemeinde nicht vorenthalcen. Mögen seine Worte unsere jüdischen Bewohner aus dem Todesschlaf des Jndifferentismus rütteln, und sie zu einem frischen kräftigen Leben-erwecken! — g, 17-' März. Die Zeichen fortschreitender Toleranz mehren sich hier seit einiger Zeit auf erfreuliche Weise. Herr Dr. Ger son wird, obwohl er dem Vernehmen nach, auf' die -Stelle eines Oberarztes am allgem. Krankenhause verzichtet, den weit wichtigeren Posten beim Gesundheitsrathe, der ihm in gerichtlichmedicinischen Fallen großen Einfluß verleiht, auch fortan behalten; in einer Vorstadt ist ein Jude zum Deputirten des Maßigkeitsvereines erwählt worden; endlich ist Herr Adolph Robinow zum Hamb. Consul in Leich bei Edinburg designirt. Hc. Robinow gehört einer gebildeten und geachteten hiesigen Kaufmannsfamilie an. Sem ältester Bruder ist Deputirter bei der Tempelgemeinde und scheint das Wirken seines vor ein paar Jahren verstorbenen ehrwürdigen Vaters, der Jahrelang Tempel- Direktor war, zum Besten dieses religiösen Instituts fortzusetzen. Die Compagnie (3 Brüder) hat erst vor einer Reihe von Monaten ein Filialgeschaft in Leith etablirt. — Im heutigen Hamb. Corresp. findet sich eine Corresp. aus Petersburg, in welcher die aufopferungsvolle Thätigkeit eines russischen Juden, Breisch, bei Gelegenheit eines Brandes in Skopin im Rjasanschen Gouvernement erwähnt wird. Er ist an den empfangenen Brandwunden gestorben, und der Kaiser hat seiner Familie 200 Silberrubet geschenkt. — Der „Rhein. Zeit." ist im heutigen H. Correspondenten die erfreuliche Nachricht entnommen, daß Dr. Heinrich Oppenheim Privatdocent in Heidelberg geworden ist. .Derselbe ist'ein Enkel des hiesigen Banquiers Lazarus Gumpel, von dem eine wohlchatige Stiftung (Lazarus Gümpels Stift) begründet ist, die einer bedeutenden Anzahl jüdischer Familien freie Wohnung, also eine wesentliche Erleichterung für ihren Hausstand gewährt. Dr. Oppenheim, ein noch junger Mann, hat in Göttingen und Berlin Jura studirt, aber auch philosophische Studien mit Eifer betrieben; im Jahre 1841 sind von ihm Studien der innerN Politik (Leipz. und Grünberg) er- . schienen, die Bettina (der Frau v. Arnim) gewidmet sind Und auch eine Abhandlung über die Judenemancipation in sich schließen. — Die Gerüchte über einige in Schwerin gegen angebliche, von Herrn Dr. Holdheim beabsichtigte .Neuerungen stattgefundene Widersetzlichkeitensind ungegründet, vielleicht gar im^ Interesse einer hiesigen Fraktion ausgesprengt worden. — Dagegen hat sich am vorigen Sonnabende hier in der Hauptsynagoge (der sogenannten „Altonaer Schule^) ein kleiner Tumult ereignet. Ein Portugiese wollte nach seiner, d. h. nach portugiesischer Weise die Haphtara Vorträgen, wurde aber durch die Anhänger des strengen polnisch-deutschen Ritus daran verhindert. Darüber entstand Scharren und' andere unruhige Bewegung. Die Anhänger des Herrn Bernays behaupten, die Sache sei von einigen Reformern angestiftet gewesen. — Am vorigen Sonntage haben dem Vernehmen nach, die Freunde der Synagogenreform abermals eine Versammlung gehalten, in der, wie man erzählt, ein leitendes Comite für ihre Bestrebungen ernannt worden sein soll. — Beilausig theile ich Ihnen mit, daß der in Nr. 10 des Orients enthaltene Hamburger Artikel (von ..., d) die verschiedensten Auslegungen erfahren hat. Einige Orthodoxe, meinten, er sei zu Gunsten der Reformer geschrieben, wahrend andere, den Letzteren ungehörige Personen ihn für einen versteckten Angriff auf die Reform- Bestrebungen (v. H. Bonn) halten. Unter den Erstereu soll ich theilweise als Verfasser gelten. . Theilen Sie gefälligst beiläufig mit, daß dieser Artikel nicht von dem Verfasser der übrigen in Nr. 9 und 10 befindlichen Mit- (heilungen aus und über Hambung herrühre. *) —r -SSoti der Wergelandschen, durch die Bemühungen der Herren Dr. Steinheim und Riesser hervorgerusenen Schutzschrift für die- Aufnahme der Juden in Norwegen sind kürzlich Exemplare (in dänischer Sprache) hier eingetroffen. Sie führt den Titel:- Jndlreg i Ji?-den sagen til Underste ttelse for Forslaget ein Opkeyelse af Norges Grund-lors §. 2, sidste Passus, udgiyet'af Henrik Wergeland. „Vierer harmlijeilige, som Eders Fader og er harmlijertig“. Jesus. Kristiania i P. T. Mallings Ofsicin 1841. VI. 98 S. 8. -- ^Die Lettern sind durchgängig deutsch; nur der Deutlichkeit, und mancher Buchstaben (re, a) willen habe ich sie .Ihnen theilweise lateinisch auf dem Titel wiedergegeben.^ Auszüge ki deutscher Sprache standen in der Zeit, des Judenthums. Das Sonderbarste ist der Umschlag: die rechte (obere Seite) enthalt folgendes: „Jesus, Maria Son"; darunter „Moses"; tiefer unten in einem weißgelassenen Quadrate : Jndlaeg i Jödesagen"; noch tiefer eine Reihe von Namen, wie folgt: Josefus. Philo. Hillel. Saadia. Gamalierne (d. h. die beiden Gamaliel). Jochanan. Jehuda Halevu Salomo Raschi. Baruch ben Isaak. Maimonides. Kimchierne (d. h. die beiden Kimchi). Petachia. Isaak aben Sid. Kuh. Spinoza. Mendelssohn. Bendavid. — Diese ganze Seite bildet eine Art verzierten Säulenthores-— Die Rückseite des Um- *) Wird hiermit bestätigt. Red.