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Der Orient · 1842-04-02 · Heft 14 (2.4.1842) · p. Seite 106

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 14 (2.4.1842)
Date
1842-04-02
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
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106 aufmerksam zu machen. Ich meine das Rabbinat Hildesheim. Zehn Jahre sind jetzt seit der Berufung des Herrn Landrabbiners Bodenheim er nach Hildesheim verflossen, und wahrlich, freudig ergreift es mich, durchlaufe' ich das segensreiche Wirken dieses würdigen Mannes; rufe ich mir die Verdienste ins Gedachtniß zurück, die er um Schule und Tempel sich erwarb. Denn fand er auch wohl bei seiner Ankunft in Hildesheim eine Schule vor, durch die Bemühungen des vorigen Landrabbiners Hrn. A. Wolfssohn ins Leben gerufen, so war Herr Bodenheimec doch es zuerst, der der Schule durch Berufung tüchtiger Lehrer, durch Ertheilung eines wahrhaft frucht- und segenbringenden Religionsunterrichts, sder sich jetzt sogar auf die israelitischen Zöglinge der königl. Taubstummenanstalt zu Hildesheim erstreckt) und durch sonstige treffliche Anordnungen eigentlich rechtes Gedeihen gab. Vor allem aber mögen die Verdienste hervorgehoben werden, die. derselbe sich um die Heranbildung junger Lehrer, und um die Bildung eines Vereins zur Unterstützung jüdischer Handwerker erwarb. Denn da er bei seiner Ankunft in allen Gemeinden des Bezirks nur meist sehr unwissende Lehrer vorfand, suchte er sogleich in Verbindung mit den, an der Schule zu Hildesheim fungirenden Lehrern, durch Heranbildung tüchtiger junger Leute zum Lehrerfache, dem fühlbaren Mangel an guten Lehrern baldmöglichst abzuhelfen. Und feine Bemühungen sind mit den besten Erfolgen gekrönt werden; denn blicken wir jetzt auf die Gemeinden des Bezirks, so finden wir überall gut organisi'rte Schulen, denen in der Hauptschule zu Hildesheim trefflich gebildete junge Leute vorstehen. Eben so erfreut sich auch der unter Leitung des Rabbiners bestehende Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker der günstigsten und erfreulichsten Resultate, wie die jährlichen Berichte des - Vereins in öffentlichen Blättern darthun. Und nicht weniger große Verdieste hat sich der Herr.. Bodenheimer um die Anordnung des Cultus erworben. Streng an unserm alten heiligen Glauben haltend, ohne jedoch hyperorthodox zu sein, wußte er auf eine geschickte Weise dem guten Alten, ohne es auch nur im geringsten zu verletzen, das Neue und Zeitgemäße anzupaffen. Denn nicht nur, daß er durch eine neue Tempelordnung dem Gottesdienste eine würdige Gestalt gab, auch ein Chor bildete sich auf seine Veranlassung, der zur Verherrlichung des Gottesdienstes nicht wenig beitragt. Auch den Consirmationen, die zwar schon früher eingeführt waren, gab er sowohl durch seine Predigten, wie durch den gedeihlichen Religionsunterricht einen neuen Aufschwung. Von den gediegenen, oft mit philosophischem Geiste behandelten, Predigten und Vortragen des Herrn Bodenheimer wollte ich eigentlich nicht weiter reden; denn gewiß ein Jeder, der den Genuß schon einmal gehabt hat, ihn reden zu hören, wird mit mir darin überein kommen, daß weder Stoff noch Vortrag etwas zu wünschen übrig lassen. Allein trotzdem kann ich nicht umhin/ die letztgehaltene, wahrhaft erbauende Predigt, ParaschaWa-Jakhel zu erwähnen; denn indem derRedner zum Text Ezechiel c. 36. y. 10, 11. 12 nahm, wußte er auf eine geschickte Weise demselben die schönsten Ideen über Reinigung des Herzens durch die im Judenthume tief begründete Liebe gegen uns selbst, gegen unsre Angehörigen, gegen unsre Nebenmenschen überhaupt und gegen unfern Schöpfer anzuknüpfen. Möge der Geist der wahren Aufklärung, der wahren Erkenntmß unsrer heiligen Religion,' der sich in dieser Rede aussprach, doch bald ein Gemeingut Israels werden l Doch nicht allein auf Hildesheims Schule und Hildesheims Tempel erstreckte sich das segensreiche Wirken des Rabbiners, auch die übrigen Gemeinden des Landrabbinats empfanden bald die Wohlthat einer solchen geistlichen Fürsorge. Vornehmlich ist es die Gemeinde zu Peine, die zweite an Größe im Bezirke, die dem Herrn Bodenheimer zu großem Danke verpflichtet ist. Denn weder Mühe noch Hindernisse scheuend brachte ec es endlich nach langen Arbeiten und Verhandlungen bei der königl. Landdrostey dahin, daß daselbst eine Schule errichtet ward, die den gedeihlichsten Fortgang hat. Auch dieser Schute steht jetzt ein junger Mann aus der Vildungsanstalt des Rabbiners vor, nachdem der frühere tüchtige Lehrer nach vierjährigem segensreichen Wirken abgegangen ist. Dergestalt nun ist der Zustand'des Hildesheimer Landrabbinats, und ich glaube nicht zuviel zu behaupten, wenn ich sage, daß er in gar mancher Beziehung besser als der der meisten Rabbinate Deutschlands ist. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dem würdigen Manne, der, wie ja aller Welt bekannt istsowohl durch eine gründliche Vertrautheit mit den Zweigen des Talmuds, als durch eine genaue Kenntniß der orientalischen Sprachen, Literatur und Archäologie, wovon uns eine nächstens erscheinende Schrift wieder einen nenen Beweis liefern wird, einen der ersten Plätze unter den Rabbinern Deutschlands einnimmt, - doch recht bald durch Berufung an eine größere Gemeinde, eine Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens werden möge. ........ 8. Leipzig, 18. März. Allen von der Tempeldirektion eingeholten Gutachten über das Gebetbuch .ist die Ansicht gemein, daß dasselbe durchaus nicht anlijüdisch sei, wie von der andern Seite behauptet wurde. Bei dieser Gemeinschaft der Meinung stellen sich doch aber auch einige durchaus nicht unbedeutende und unwesentliche Abweichungen in den Gutachten heraus, die wir öes Hervorhebens wohl der Mühe werth halten, weil, nach unsrer Ansicht, ein wichtiges Resultat daraus hervorgehet. Ein Theil der Gutachten geht gar nicht in die Untersuchung des in Rede stehenden Gebetbuches ein, sondern beschäftigt sich lediglich mit der Frage, ob es

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