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Der Orient · 1842-03-26 · 13 (26.3.1842) · p. Spalte 201-202

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Spalte 201-202 (sequence 5)
Language
German
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201 Politisch - theologische Rhapsodien (aus Breslau). 202 nur im entferntesten mit dem fraglichen Todtenreich in Beziehung bringen konnte. Dieses Verbot will nur dem aus dem Glauben an die Unsterblichkeit sichleicht zu entwickelnden Aberglauben, „die abgeschiedene Seele durch Zauberkünste wieder mit ihrem ehemaligen Körper vereinigen und von ihr dann die Zukunft erfahren zu können", entgegen wirken. Es erklärt daher die Nekromantie für einen Grauel 8) , eine des Menschen unwürdige Handlung. (Fortsetzung folgt.) politischtheologische Rhapsodien. (aus Breslau.) 1. Noch waren unsre Seelen voll von süßen Bildern und Erinnerungen aus dem theologischen Templer-Turnier, so die gute Stadt Hamburg neulich vor den Augen von Israel angestellt hat; vor unsren Blicken zogen noch immer die edlen gepanzerten Gottesstreiter vorüber, die gegen den Ritter von der traurigen Gestalt ihre guten Lanzen einlegten, und auch an den ergötzlichen Gestaltrn der Nachzügler der fried- und ehrsamen Bürger und „Laien", die in die Schranken (raten und an ihren drolligen ungeübten Manoevres hatte unser un- 8) JmWkte steht: najnn, was hier nur in psychischer Hinsicht eine Anwendung findet, da die Handlung, an und für sich betrachtet, nichts Gräuelhaftes hat; sie wird daher nur darum ein Gräuel genannt, weil sie zu nichts führt und weiter nichts als ein dem menschlichen Verstände nicht geziemender Aberglaube ist. So heißt es auch Ies. 41, 24 in 'Bezug auf die gauklerischen Zauberer: „Ihr seid ja — Nichts! euer Werk — Tand! — DIQ atia'1 najJlfl ein Gräuel ist's, euch zu erwählen."— Sehr treffend bemerkt daher M. Maimonides über das Verbot der Nekromant ie: minn nmnttb, mn ibbn anana rmba lEsy "MO ayro mann nyab pann jw, imoia IPDJn.'TDDD Dm, Ü2 pW HDH ban&P ^OJO baN, »wtyn niwriOana wna nwDNinpn-iw nnw nwaDi m timp.-Djjb 'wn ivi, Njj-b« nrw niaapDi, 'Dl w ab nnb riDNn. Wäre an der Nekromantie etwas gewesen, so hatte das Gesetz sie nicht untersagt, da das Verlangen, die Zukunft zu wissen, an und für sich nicht abscheulich ist; aber sie ist verboten worden, weil sie nutzlos und albern ist, — weil sie die Seele in dem Glauben an die e r h ab e n e Börse h u n g irre macht und zu Aberglauben und Götzendienst führt. Es geziemt daher nicht dem heiligen Volke, das zur wahren Religion sich bekennt, sich mit absurden Dingen zu beschäftigen." So wird auch im Talmud dem Rabbi Jochanan (Redacteur des jerusalemischen Talmuds) nachgerühmt, daß er die Nullität der Zauberei mit den Worten zu demonstriren pflegte: mna nabö "ny pN d. h. „es steht in der Schrift (Deut. 4, 35): es ist Niemand außer Ihm", dem wahren Gottes — es kann also Niemand außer ihm auf übernatürlichem Wege wirken. — auslöschlicher Scherz noch kein Ende nehmen wollen; als plötzlich eine trübselige politische Ahnung durch unsre Seele geflogen kam, vor der all der schmucke Zauber wie zartgewobne Schatten vor dem Hauche der rauhen Morgenluft, erbleichte und verschwand. O über die Macht der Politik, wenn schon eine bloße Ahnung aus ihrem geheimen unergründlichen Reiche „aus deß Bezirk kein Wandrer wiederkehrt", die Herzen wie ein elektrischer Schlag tausendfältig durchzittert und alle Illusionen und Gedankenspietzeuge aus ihnen entfernt, um sie allein dem Ernst des Lebens zuzuwenden. Wer wird sich aber auch darüber wundern! Die theologischen Interessen, so heilig sie uns immer sein mögen, nehmen nur unser Herz ein, die politischen aber den Kopf, den ganzen Menschen; jene betreffen nur eine Sphäre unsres innern Gemüthslebens, sie gehören in eine Kategorie unsers idealen Seins, die zu ihrem Bestehen am Ende außerhalb des Menschen gar keines realen Spielraums bedarf; diese dagegen umfassen unser ganzes Dasein, sie betreffen die conerete Grundlage unsrer Gesammtexistenz nach allen Seiten hin , und hängen wesentlich von wirklichen äußern Bedingungen ab. Oder soll man sich in der That noch über eine Stelle im Gebetbuch zanken, im Augenblick, da man eben in den Text unsres Gesetzbuches einen vergilbten Palimpsest, einen ganz unechten Passus, mittelalterlichen Styles, interpoliren will? oder soll man über die Besitznahme und die politisch-religiöse Eonstituirung unsres heiligen Utopiens debattiren, da man uns den allerwirklichsten deutschen Grund und Boden uns unter den Füßen wegziehen will? Das werden die Frömmsten nicht verlangen! Ueber besagte politische Ahnung (aßt sich aber, eben so wenig wie über jede andere Ahnung, etwas Bestimmtes und Vernünftiges herausbringen, man muß darüber in jenem nebelhaft-oraculösen Ton sich halten, der dem officiellen Styl der deutschen Zeitungs-Diplomatie besonders bei den Vorwehen politischer Geburten einen so eigenen pythischen Zauber verleiht. Daß man überhaupt jetzt so somnambul und ahnungsschwer ist, liegt am politischen Wetter. Es ist im Grunde gar zu romantisch: Dämmernder Sommerabend mit bleichem Mondenschein Glöcklein tönen, Fledermäuse schwirren, Bienlein summen. Der ganze Zauber eines Fouque'schen Ma'hrchens entfaltet sich vor uns; über dem Kicchthurm pfeifen die Nachtvögel zu Schaaren gar graulich und erbaulich, eine Eule kam aus Athen geflogen und offenbart gar wundersüße Geheimnisse, und wer weiß was für Wunder noch heutzutage, oder vielmehr heutzunacht geschehen, und da sollte man nicht Ahnungen bekommen? Die Romantik vermag ja alles, und wie sie zu künstlerischen Zwecken das Mittelalter in die neue Zeit heraufbeschwor, den kalten klassischen Formen itäliänische Glut und deutsch-minniglich-herzinnigliche Frömmigkeit einhauchte, und weiß Gott welche Extreme sonst noch gegenseitig durchdrang und versöhnte, warum sollte sie nicht auch so ein märchendustiges Morgenland en miniature mitten im nüchternen Norden hervorzaubern können? Also zu

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