Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 13 (26.3.1842)
- Date
- 1842-03-26
- Page
- Spalte 199-200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Unsterblichkeit der Seele bei den alten Hebräern von I. Kämpf. 29» Griechen ähnlichen Ort gar nicht zu denken ist. Gehen wir auf diese Schriftstellen näher ein. Genes. Cap. 37, 83. 35 wird erzählt, daß Jakob die Tröstungen seiner Verwandten über den Verlust seines Joseph mit den Worten zurückgewiesen: ,,'rbtiU/ blü O", das nach jenen Interpreten Meißen soll :'„Denn ich werde zu meinem Sohne traurig in den Scheol hinab steigend -- Demnach hatte Jacob unter Sche6l das Todtenreich verstanden, wo er seinen geliebten Joseph wieder zu finden glaubte. Allein dann ließe sich nicht begreifenwarum er bei diesem Glauben so trostlos geblieben; man hätte erwarten sollen, daß der Gedanke an die Wiedervereinigung mit, seinem geliebten Sohne ihn mit Hoffnung und Vertrauen erfüllen und er in die Worte ausbrechen würde: „Ja, nun will ich freudig in den Schevl hinabsteigen! Denn ich werde da meinen Joseph wieder finden". — Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß hier nicht durch orcus, sondern durch s epilier um * * * 4)/ unb.^N nicht durch a d, sondern durch p rop ter5 6) zu übersetzen sind; nur so erhält man einen passenden Sinn — Jakob sagt: Denn ich werde wegen meines Sohnes traurig in das Grab gesenkt werden" 6), __ oder mit andern Worten: mich wird nichts mehr erfreuen in diesem Leben,— ich bleibe betrübt bis in den Tod. -— Man sieht also, daß hier weder vom Himmel, noch von der Hölle die Rede ist, und daß daher diese Stelle weder für, noch wider die Unsterblichkeit spricht. — Eben so wenig läßt sich aus den Stellen Num. 16, 30 und Deut. 32, 22 für oder wider die Annahme eines Todtenreiches bei den alten Hebräern etwas schließen. In ersterer Stelle wird in Bezug auf Ko ra ch und seine Rotte gesagt: nbttw das ganz einfach heißt: „und sie werden lebendig in die Gruft sinken", während alle andere Menschen nur todt ins Grab gesenkt werden. Endlich heißt es in letzterer Stelle: mnnn -innm-ny npm ^saa nmp yitin „denn entglommen ist das Feuer meines Zornes, und es brennt bis in die unterste Höhle", mit welchem Bilde der göttliche Sänger schildern will, wie weit der Zorn Gottes sich erstrecke: Gott thront im obersten Himmel, und sein Zorn brennt bis in die unterste Höhle der Erde, — dieser erstreckt sich demnach von der höchsten Höhe bis in die tiefste Tiefe. — In wie fern ist nun hier von einem Todtenreich die Rede? — Ganz unbegreiflich aber ist es, wie man sich einfat- und nicht identisch sind, geht schon daraus hervor, daß Prov.30, 16 unmittelbar nach sn auch und zwar als Personisication des Grabes, vorkommt. , 4) Im Hohenliede, Cap. 8, 33. 6, kommt als Parallele zu 7M vor, was hinlänglich beweist, daß'unter ersterm ein den'Körper verzehrender Ort verstanden wird. 5) Vergl. 1 Sam. 4, 19. 21; — 11 Sam. 21, 1. 6) Vergl. Genes. 44, 29. 31. len lassen konnte, den fraglichen Glauben der alten Hebräer an einen Orkus aus Stellen, wie Genes. 15, 15—25, 8—35, 29-37, 35-49, 29 u. 33. — Deut. 32, 50. — demonstriren zu wollen, da doch aus diesen Stellen gerade das Gegentheil hervorgeht. In diesen Stetten wird der Tod als ein „Heim gehen zu seinen Vätern", als ein „Versammeltwecden zu seinem Volke" dargestellt, woraus deutlich erhellt, daß der Glaube an die Unsterblichkeit unter den alten Hebräern allgemein verbreitet, daß sie von der Hoffnung beseelt gewesen, nach dem Tode mir ihren Freunden und Verwandten wieder vereint zu werden"). Unter dem Ausdrucke „Heimgehen zu seinen Vätern" konnte aber keinesweges ein „H i n a b st e i g e n in ein sogenanntes Todtenreich verstanden worden sein, denn die fragliche Benennung des. Sterbens wird vorzüglich auf das Hinscheiden ausgezeichnet frommer Personen, wie Abraham, Isaak, Jakob, Moses rc. angewendet, deren Eingang in die Seligkeit wir bereits im Vorhergehenden als von den alten Hebräern allgemein zugegeben, nachgewiesen haben. — Nicht minder unerklärlich erscheint es uns, wie man das Verbot der Nekromantie (Deut. 18, 11) auch 7) Höchst bedeutsam ist es, daß die in Rede stehende Benennung des zeitlichen Sterbens zu allererst von Gott selbst auf das Hinscheiden Abrahams angewandt (Genes. 15, 15.), und von da an allgemein herrschend wurde. M. Mendelssohn macht daher in seinem Commentar zur angeführten Stelle folgende Bemerkung: nsptea {innen mm mywn wau rn wenaw ny, p&^a nrmn ■pNi, m\Tn nv«ü nnw ^assm ym", myae nrwb nw, mo n-S nensn dd-hdeh yrv nan men tin nrnNtfh] ^mn -nontfiv rmn nynn by toinp^biNnlrpanD’ ♦ nmyu manei mfei mraen nrnnr, nm nn^pn mnn , m myrrn Dwpynon nyaa pcc6 dhsq .Nson - , D’yewb bbo nme warwm newa ioipei Domae vba bzwü by nnore wi, newa meomDen mynn ^y pt^n n-ne a/pnnj; na pDD ^a pal „Wer über diese Redeweise (heimgehen zu den Vätern für sterben) genau nachdenkt und in Erwägung zieht, wie sie bald in den allgemeinen Sprachgebrauch überging, so daß Jedermann darunter das zeitliche Sterben verstand, — der wird zur vollkommensten Ueberzeugung gelangen, daß der Glaube an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele unter den alten Hebräern allgemein verbreitet und über allen Zweifel erhaben war. Nur so konnte man sich an den Gedanken gewöhnen, „der Verstorbene gehe heim zu seinen Vätern", — nur so konnte diese Redensart Sinn und Bedeutung haben. Wäre es aber, wie unsere zeitigen Schristverdreher behaupten (daß nämlich die alten Hebräer keine Unsterblichkeit gekannt), so hätte die fragliche Redensart weder Sinn noch Bedeutung gehabt. Wo findet man aber eine Sprache, in deren allgemeinem Gebrauch Phrasen vorkämen, die mit der allgemeinen Denkweise des Volkes, das sie spricht, nicht vollkommen übereinstimmten? — Es ist daher ganz logisch, von der Sprachweise eines Volkes auf seine allgemeine Denkw eise zu schließen". — M. Mendelssohns Commentar zum Pent. Genes. 15, 15. —