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Der Orient · 1842-03-26 · Heft 13 (26.3.1842) · p. Seite 101

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 13 (26.3.1842)
Date
1842-03-26
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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101 Gute Leisten, wozu sie berufen ist, -soll sie nicht blos eine Unterrichtsanstalt sein, sondern veredelnd und Lief eingreifend auf das Thun und Treiben der Volksklasse wirken, so hat sie keinesweges die Kräfte und Mittel in sich selber, sie vermag so Hohes und Schwieriges nur zu erringen durch eine immer wachsende Aufmerksamkeit und Mitwirkung des wohlthä'tigen Publikums. In der That hat ihr die öffentliche Lheilnahme — das kann nicht dankbar genug anerkannt werden — den Charakter der Oeffentlichkeit verliehen. Demnach möchte der Stand einer öffentlichen Schule ihr unbezweifelt zukommen, denn sie ist ganz auf Gemeinnützigkeit berechnet, steht jedem armen Kinde offen, legt über alle ihre Angelegenheiten der hohen Obrigkeit, von der sie beaufsichtigt und geleitet wird, Rechenschaft ab und findet ihre Hülfsquellen größtenteils durch das Interesse, welches sie unleugbar für das Gemeinwohl hat. Es ist übrigens hier nicht der Ort, auf die finanziellen Verhältnisse einzugehen.; nur eine Bemerkung möge in dieser Beziehung gestattet sein. Die Existenz einer solchen Anstalt ist auf die Dauer nie vollständig gesichert, so lange sie nicht von ihrem Fonds oder von andern bestimmten Einkünften ihre Hauptbedürfniffe bestreiten kann. Doch auch rücksichtlich ihrer finanziellen Sicherstellung möchte die Schule getrost der Zukunft entgegensetzen können. (Beschluß folgt.) A c t e n si ü ck e Über die Gebetbuchfrage in Hamburg. Wir glauben den Lesern dieser Blätter Aufhellung über die ursprüngliche Entwickelung dieses Streites zu geben, indem wir hier zwei Actenstücke veröffentlichen, die theils die Entstehung der bekannten Modaa des Chacham erklären, theils aber auch die Schritte des Herrn Bernays zu motiviren geeignet sind. Die Veranlassung zu den folgenden zwei Schreiben des Hrn. Bernays wird der Leser aus den Schreiben selbst leicht entnehmen. Daß ich diese Aktenstücke aber gerade im „Oriente" mittheile, geschieht deshalb, weil der Orient bei diesem Streite keiner Partei seine Spalten verschlossen hat, sobald sie im Tone des Anstandes sich auszusprechen für gut fand. 1. Wohllöbliches Vorsteher-Collegium! Mehrere achtbare Gemeindeglieder hatten mich dringendlich angegangen, amtliche Schritte gegen das ruchbar gewordene Vorhaben des sogenannten Tempelcommite, einen grossen neuen Tempel zum Kostenbetrag von 100,000 fl. in hiesiger Stadt öffentlich zu errichten, von meinem geistlichen Stadtpunkte vorzunehmen, indem diese imposante Vergrößerung keine andere Absicht haben könnte, als die echtgläubigen Juden zu einem willkürlichen gesetzwidrigen und von,allen gelehrten Rabbinen bereits vor 23 Jahren als illegal verdammten Ritual, durch äußern Glanz und Pracht zu verleiten, die Würde des jüdischen Glaubens herabzudrück'en, und die jüdische Jugend für diese aller historischen Grundlage ermangelnden, und nur zur Befriedigung des äußeren religiösen Bedürfnisses gemodelten Gottesdienstes zu gewinnen, und so endlich sich aus ihrer vereinzelten blos eonnivirtenStellung zur Hauptkirche empor zu heben, zur tiefen Kränkung aller gläubigen Seelen. Auf welchen Antrag ich erwiederte, daß ich zwar ihre schmerzlichen Gefühle in vollem Umfange billige und Lheile, mich aber außer Stand sehe, ihrem Wunsche zu genügen, da der sogenannte Tempel als Privat-Erbauungs- JnstituL von meinem geistlichen Wirkungskreise vermöge §. 3 meines Bestallungsbriefes amtlich ausgeschlossen. Auf deren weitere Frage, ob es gerathen wäre, sich deshalb an das Vorsteher-Collegium zu wenden, rieth ich von diesem Schritte aus dem Grunde ab, weil einerseits solche Vorstellungen natürlicher Weise auch Gegenvorstellungen veränderen Parthei Hervorrufen, welche dann das Collegium in einen Confliet von Rücksichten hineinziehen würden, die seine anerkannte Selbstthätigkeit zur' Aufrechthaltung des Ansehens und der Würde der Herkömmlichen natürlichen Religion und des religiösen Communal-Verbandes nur lähmen und schwächen müßten, anderseits aber derselbe übrig wäre, indem das Collegium in seinem reinsten Streben die administrative Einheit in der Gemeinde zu bewahren, es nicht gleichgiltig ansehcn werde noch könne, wenn die Umgestaltung des, nur vorläufig ohne religiöse Untersuchung an dem bestandenen Orte obrigkeitlich geschehen gelassenen Erbauungs-Locals zu einem großen inponirenden Tempel den Gliedern desselben eine schismatische Selbstständigkeit gäbe, die alle administrativen peeuniären Bande der Gemeinde zerreißen, und die Communal- Verwaltung fast beschwerlich, ja für die Dauer unmöglich machen müßte: ich habe daher empfohlen der Umsicht und Berufstreue des Collegiums auch hierin zu vertrauen. Ich verfehle nicht, von diesem Vorgänge ein hochlöbliches Collegium Lu Kenntmß zu setzen, mit der innigen Erwartung, daß dasselbe meine jenen Männern gegebene Versicherung um so gewisser bewahrheiten werde, als ein aus der Mitte der Juden glanzend und prunkend hervortretendes Erbauungswesen, das überall aller biblischen Grundlage baar verpönt und verboten worden, dem christlichen und kirchlich biblischen Glauben gegenüber, die politische und individuelle Stellung der Gesammtgemeinde der Juden in hiesiger Stadt und Staat ernstlich gefährden würde und müßte. Mit vorzüglichster Hochachtung ergebenst Gez. Isaak Bernays- Geistlicher Beamter. Hamburg, 3. Februar 1841.

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