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Der Orient · 1842-03-12 · 11 (12.3.1842) · p. Spalte 169-170

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
11 (12.3.1842)
Date
1842-03-12
Page
Spalte 169-170 (sequence 5)
Language
German
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169 Philonische Literatur. Großmann über Philo gedrückt, von welcher Lebensbeschreibung.doch allgemein bekannt ist, daß sie unter den Schriften des Iosephus zuletzt anzusetzen und erst nach dem Jahre 94 unserer Zeitrechnung unter dem Kaiser Domitian verfaßt sei? Es konnte verdrießen, auch noch sein viertes Argument zu berühren, welches sich auf Philo's Sprache, auf das Colorit und die Beschaffenheit seiner Schreibart bezieht (S. 15. 27.). Da dieses Feld ein sehr weites ist und würdig,, daß sich ein Bernhardy'scher Scharfsinn daran messe, was thut unser Verfasser? Er macht die Sache, wie es ihm ziemte, mit wenig Worten ab, und entscheidet den in doppelter Hinsicht wichtigsten Punkt nur obenhin und als ob er ganz etwas Anderes damit bezwecke, durch Anführung zweier nichts beweisenden Beispiele. Und wenn die Farbe der Sprache wechselt, so sagt er uns nicht etwa, daß dies von ihrer natürlichen Verschiedenheit herrühre, weil sie entweder dialektische, rhetorische oder syntaktische Absichten verfolge, und daß Philo sie der Sprache der alten Dichter, Redner und Phliosophen, vor- ■ züglich der des Plato nachgebildet habe: nein, dies allein ist ihm schon Anhaltepunkt genug, daß sie bald brause und in reißendem Laufe dahin getragen werde, bald sanft und ruhig; sich fortbewege einem Bache gleich, welcher still zwischen den Feldern dahin fließt. Allein was folgt daraus? Nichts, als daß es ganz recht war, wenn die Schreibart, wie dies die Rhetorik nach Philo's eignem Urtheile (246, 2 folg.) verlangt, der Verschiedenheit des Inhaltes, der Personen, der Zeiten und der Gemüthsbewegungen angepaßt wurde. Denn die Verschiedenheit der Geister nach einem solchen Maaßstabe zu be- - stimmen, ist soviel ich weiß bis jetzt noch Niemandem einge- -- fallen. Aber wie hat er es nun angefangen, die Verschieden-; heit der Schreibart darzuthun? Er hat hervorgehoben, daß, während der Juden.- sonst überall mittelst des Pronomens rjpelg, ^(iszeqoi, communicativ, wie man es nennt, Erwähnung geschieht, dieselben in den Büchern de nobMtate (2, 440, 44. 2, 444, 441, 43, 2, 25), de eo, quod omnisprol)us über (2, 449, 46. 2, 452, 8. 2, 454, 6, 2, 456, ä. 2, 457, 4.) unter dem Eigennamen Juden Vorkommen (S.29). Wenn Kirschbaum die letzte Bemerkung auch auf die Bücher de mercede meretricis und de vita contemplatira ausdehnt, so ist dies unrichtig. Weit entfernt aber, daß diese Art, die Juden anzuführen, blos den zwei vorhergenanntm Büchern eigen sei; auch andere Bücher Philo's, die unser Kritiker freilich aus andern Ursachen für unächt zu halten beliebt'hat, haben sie mit jenen gemein, so z. B. de vita Mosis (2, 80, 2. 2, 81, 36. 2, 86, 14. 15. 2, 137, 12. 2, 140, 28. 2, 164, 29. 2, 168, 4.), de decalogo (2, 197, 7), de mouarchia (2, 227, 21), de specialibus legibus (2, 307, 32), de electione principis (2, 365, 47. 2, 273, 6), de lmmanitate (2, 386, 9. 2, 393, 19), adversus Flaccuni (2, 517, 2. 2, 550, 20. 32. 40. 2, 521, 32), de apologia pro Judaeis (2, 632, 13), das dritte Buch der Untersuchungen zur Genesis (Arm. 2, 219) und zum Exodus das zweite Buch (Arm. 2, 471).. Endlich wollen wir einmal den Fall 179 setzen, es sei wahr, was fälschlich behauptet wird, welcher Schluß läßt sich darauf gründen? daß nicht allein sämmtliche Bücher des Iosephus, welcher den Namen „Juden" unzählige Mal gebraucht hat, sondern auch die Bücher des Xenophon über den Feldzug des Eyrus für unecht ausgegeben werden müßten, deren Verfasser von sich selbst meistentheils wie von einer fremden Person spricht. Es wäre jedoch nichts abgeschmackter, als dies. Mögen die Bemühungen Kirschbaums ihr Glück genießen, das des Sisyphus! Dessenungeachtet sind nicht alle Bücher, welche Philo's Namen an der Stirne tragen, für echt und als aus seiner Feder geflossen anzunehmen. Vielmehr hasten an einigen von ihnen die unverkennbarsten Spuren der Unechtheit. Vorn an steht hier das Buch de mundo (2, 601, 1—2, 624, 9.). Wie dieses theils aus Bruchstücken von allegorischen Büchern zusammengesetzt sei, theils mit dem Buche itsgl dcpftccgaicis in einem so nähen Verwandtschaftsverhältniß stehe, daß auf letzteres selbst auch deshalb ein Schein des Verdachts gefallen ist, wird die am Schluffe beigesetzte Tabelle A zeigen. Allein da die Betrachtung der Welt einen gar nicht geringen Lheil der Philosophie ausmacht (419, 20. vergl. 41, 33 folg. 42, 5) und da die Ansicht, daß die Welt zwar entstanden und vielen und großen von Zeit zu Zeit eintretenden Zerstörungen und Verheerungen, mögen dies nun Ueberschwemmungen oder^ Brände sein, unterworfen sei (2, 1, 8. 2, 142, 41. 2, 175, 39. Armen. 1, 8. vergl. Jos. Antiq. 1, 2, 3), daß sie jedoch niemals untergehen werde — da diese Ansicht dem Philo mit dem Plato (Tim. 41, 6) gemein (19, 46. 40, 45.) und sie in sich selbst sehr übereinstimmend ist, weil Philo nach dem Vorgänge Plato's (Lim. 29, 5. 92, e.) den Grundsatz festhält, es werde durch die äußere Welt das Wesen der göttlichen Ideen ausgedrückt (2, 154, 22. 23. 548, 6. 2, 635, 27. Arm. 2, 11), so habe ich mich noch nicht überzeugen können, daß diese Abhandlung tcsqI dcp&ocQGlag ebenfalls für unecht anzusehen sei. Desto zuversichtlicher aber würde ich die Bruchstücke der neuerdings von Aucher aus dem Armenischen übersetzten Reden über Jonas und Samson, als unserm Vers, mit Unrecht beigelegt, verwerfen, nicht sowohl wegen des übergroßen Wortreichthums und der Schwülstrgkeit derselben oder wegen der darin ausgestellten Engellehre (Arm. 1, 557^ 558 vergl. 487 zu Ende), als vielmehr der Erwähnung des Leusels wegen, welcher sonst nirgends in dm philonischen Schriften verkommt*), wenn ich es über mich gewinnen könnte, über die Schreibart in einem Buche abzuurtheilen, welchesich weder griechisch gelesen habe, noch von dem ich bestimmt weiß, daß es nicht in griechischer Sprache abgesaßt sei, oder wenn es mir möglich wäre, gegen theoretische und hagadische Untersuchungen der Rabbinen in dieser Art weniger mißtrauisch *) Arm. 1, 550. vergl. Dähne a. a. O. p. 987 und Georgi in der Abhandlung: „Die neuesten Auffassungen der Alexandrinischen Religionsphilosophie" in Jllgens Zeitschrift für die historische Theologie. Jahrgang 1839. Heft4. S.80ff.

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