Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Spalte 167-168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Philonische Literatur. Großmann über Philo. 188 heißurig des großen Synedrlums (Jost Antiq. -18, 1, 4 zu Anfang: olv 6 Xoyog kqCvcis n a q £ 8 cok sv dyct&cov snovxat, tjI ‘qysfioviy vergl. 508, 29. 2, 385, 33) nach allen Seiten sich ansbreiteten / dennoch keineswegs die bestimmte Gestalt einer auf feste Grundsätze zurückgeführten unüberschreitbaren Norm annahmen, sondern nach Gelegenheit und Umständen verschieden von den Nabbinen benutzt wurden, indem diese den Wahlspruch Augustins befolgten: In notwendigen Dingen Einheit, in zweifelhaften Freiheit! Wenn nun aber nicht einmal die Rabbinen selbst, die sich doch alle vom Geiste Gotres angehaucht glaubten (266, 21 folg. Num. 11, 17. 270, 9. 21 folg.), an jener Verschiedenheit der Meinungen Anstoß nahmen, schon damit zufrieden, wenn sie über die Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebens übereinstirnmten*), was sollen wir den Philo, welcher sich ebenfalls der göttlichen Eingebung gewürdigt bekannte (143, 36 folg.), den heiligen Geist für die Quelle aller menschlichen Weisheit ansah (265, 37. Genes. 1, 2: nvsv^ia &sov — rj dv.riQaxog £7CLax7]^rj, rjg nag 6 cocpog sixoxcog pü£x£%u) und die Weisen d. h. die Rabbinen alle für unfehlbar erklärte (381, 37. Arm. 2, 31. — vergl. Cicero pro Mur. C. 29. de paradox.« Stoicurum, sapientem nulla in re falli), aus dem. Grunde verdammen und sogar ihn aus der Zahl der Schriftsteller auszustreichen uns für verpflichtet halten, weil er einige in sich unhaltbare und mir sich streitende Sätze (ich könnte, wenn es sich der Mühe verlohnte, aus seinen Werken 16 solche Stellen hintereinander aufzählen) in seinen Schriften auf ihren-Unwerth zurückzuführen gewußt hat.? Und werden wohl die heutigen Kritiker in dieser Gattung sich noch für weiser als die Rabbiner dünken wollen? Der dritte Beweisgrund, welcher zu Hilfe genommen wird, ist theils von dem Stillschweigen, theils von der abweichenden Darstellung des Iosephus, des jüdischen Geschichtschreibers, entlehnt. Es verhält sich allerdings so, daß Iosephus, obgleich er ein sehr belesener Mann war, und viele Namen von Schriftstellern der Vergessenheit entrissen hat, ja dem Philo selbst theils wegen seiner ausgezeichneten Gelehrsamkeit, theils wegen der bei der Gesandtschaft an den Eajus für das Beste der jüdischen Nation übernommenen Gefahren sehr verdiente Lobsprüche ertheilt (Antiq. 18, 1, 4), dennoch der Schriften Philo's schlechterdings keine Erwähnung Lhut. .*) Hirschfeld im angef. B. S. 12: „Was in derHalacha die strenge Auktorität des Gesetzes der Schule ist, das tritt in der Hagada als die Herrschaft der Meinung und der Sittlichkeit auf (Zuwz, S. 58). Aber innerhalb dieses Kreises, so er nicht das Leben und das Gesetz umfaßte, herrschte die größte Freiheit in der Auslegung..— Sobald kein Widerspruch aus der Schrift oder aus dem Leben vorhanden war, galt als Grundsatz über neben einander laufende, verschiedene Meinungen „,,beide und alle seien Worte des lebendigen Gottes"" und man suchte, so weit, es nur anging, auf dem Wege der Harmonistik sie mir einander auszugleichen und in Aebereinstimmung zu bringen. —- Man hielt an jeder Auslegung fest und gab keine auf." Aber er hat ihn cpiXococplag ovv. genannt (Antiq. 18, 8, 1.). Kann er dies nicht aus den Schriften Philo's geschöpft haben? llnd wenn er es nicht daraus geschöpft hat, was folgt daraus? Dies mögen die Logiker entscheiden z meine Meinung ist diese: da durch sehr viele Zeugnisse des Alterthums dem Philo in der Zahl der Schriftsteller ein sehr ehrenvoller Platz angewiesen wird, so fällt das Stillschweigen des Iosephus für Philo günstig aus, nach der alten Rechtsregel: wer schweigt, giebt seine Einstimmung. Wird aber die Glaubwürdigkeit Philo's nicht dadurch geschwächt, daß er in der Darstellung der von der Alexandrinischen Gesandschaft der Juden vor dem Kaiser Eajus (Ealigula) gepflogenen Verhandlungen zwar der Hauptsache nach mit Iosephus übereinstimmt (Antiq. 18, 8, 1. folg.), jedoch in einzelnen Dingen um ein Weniges von ihm abweicht (S. 23.)? Nun, als Hauptperson der Gesandtschaft und als Wortführer seines ganzen Volks (2, 573, 18) hat er doch die Unterredungen mit Eajus selbst gehabt, er hat sodann den ordnungsmäßigen Hergang der Sache viel pünktlicher und genauer als Iosephus auseinander gesetzt, auch konnte er die Fürsprache des Königs Aprippa des Großen für die Juden bei dem Kaiser, als Vertrauter von Jenem und durch des Vaters Bruderssohn. Markus mit ihm verwandt, auf frischer That wieder erfahren, ferner hat er sein Buch über die Gesandtschaft an den Eajus sogleich nach der Begebenheit selbst herausgegeben, wahrend Iosephus mehr als fünf Iahrzehnde nachher, erst unter dem Kaiser Diocletian (? — Domitian), seine Erzählung niederschrieb, ohne vielleicht die Schrift Philo's darüber gelesen zu haben. Was kann man sich nun für einen zuverlässigeren Zeugen, als den Philo, denken? oder welchen unzuverlässigeren als Kirschbaum? Denn daß er eine Veranlassung zu einer Beschuldigung Philo's darin gesucht hat, weil dieser dem Bericht des Iosephus zuwider erzählt habe, die Gesandten der Juden aus Alexandrien seien zu Rom mit jüdischen Gesandten aus Palästina zusammengetroffen, welche wegen einer dem Kaiser Eajus im Tempel zu setzenden Bildsäule abgeschickt waren (S. 23.), dieses ist mehr als Träumerei, dies ist eine Erdichtung, von unserm Schwätzer dem Philo aufgedrungen, aber auch durch dessen eignes Jeugniß widerlegt. Wir lesen bei ihm mit ausdrücklichen Worten, daß die Palästinenser zwar eine Gesandtschaft zu den Eajus hätten schicken wollen, um ihn um eine Statue zu bitten, allein, da sie vom Proconsul Petronius keine Erlaubnis dazu erlangt, sie es bei der Berufung auf dem Kaiser hätten bewenden lassen (2, 581, 32. 2, 582, 40). Oder meint etwa unser Verfasser, die Leser seines hochkritischm Buches werden so stumpfsinnig, oder so verwundert, oder alles Wahrhcitssinnes so entblößt sein, daß sie einem Menschen Glauben beimessen, welcher alle Zeitverhältniffe in dem Grade vermengt und verwirrt, daß er den Apostel Paulus zum Nachahmer des Schriftstellers Iosephus zu machen (S. 8) und zu behaupten wagt, es sei in den Paulinischen Worten 2 Ecrr. 11, 22. 'Eßgaloi da; v.dy™ eine Stelle aus dem Leben des Iosephus Eap. 39 aus-