Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Spalte 163-164 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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163 164 Franz Delitzsch: Ueber die Prophetie Habakuk's. Strafe yerausforderte, oder wenigstens des durch ihn unter dem Volke in einem höheren Grade als je verbreiteten Götzendienstes. Da von beiden in der Weissagung unseres Propheten keine Spur anzutreffen ist, so werden wir auf eine Zeit hingedrängt, in welcher das Gedächtniß Manasse's etwas verwischt und der Götzendienst aus dem Vordergründe der im Schwange gehenden Greuel etwas zurückgetreten war, aber ungeachtet des einigermaßen verbesserten religiösen Zustandes doch die in den sechs prägnanten Worten: vQN, "W, ITH, |HD von Habakuk gezeichneten Sünden die Grundzüge des verfallenen Zustandes des jüdischen Staates bildeten. Zweitens spricht gegen die Annahme, daß Habakuk unter Manasse geweissagt habe, die Nichterwähnung Assyriens in seiner Weissagung. Das assyrische Reich nahm unter Esärhaddon, Sanheribs Sohn und Nachfolger, noch einen neuen Aufschwung; dieser ist es, welcher die Kuthäer in die Provinz Samaria verpflanzte und dessen Heerführer einen Krregszug nach Judäa unternahmen, der so siegreich für die Assyrer und so schmachvoll für die Iudäer ablief, daß Manasse, wie ein Verbrecher, gefangen nach Babylon abgeführt wurde (2 Chr. 33, 11.°*), welches nach Angabe des Seder Olam im 22. I. Manasse's, also 37 I.'nach der Niederlage Sanheribs erfolgte. Es ist unwahrscheinlich, daß Habakuk, mit Verschweigung der Assyrer, den Einfall der Chaldäer in einer Zeit geweissagt hätte, Ln welcher noch eine so empfindliche Züchtigung des Volkes und seines Königs durch die Assyrer bevorstand 2). Aber, kann man einwenden, vielleicht hat Habakuk während der Negierungszeit des aus Babylon bußfertig zurückgekehrten Königs Manasse geweissagt! Keineswegs möchte ich dieser von Einigen aufgestellten Behauptung die 2 Chr. 33, 11 — 19 gegebene und von Iosephus amplisicirte Schilderung der letzten Regierungszeit Manasse's, als unvereinbar mit dem von Habakuk entworfenen Sittengemälde, entgegen halten. Vielmehr ist die Eine schon §. 6 gemachte Bemerkung zur Widerlegung hinlänglich, daß Habakuk etwas tiefer herab in eine Zeit verlegt werden muß, in welcher die Chaldäer bereits als eroberndes, nach der Weltherrschaft strebendes Volk aufgetreten und als solches einigermaßen bekannt waren, wie aus Hab. 1, 6 hervorgeht — ein Gegengrund, durch welchen zugleich ein nicht unbedeutendes Gewicht in die Wagschale der angeführten anderen fällt. §. 10. Habakuk unter Iosia. Somit bleibt uns für unfern Propheten nur die Regie- 21) Joseph. Ant. X, 4. c. ydg zotg avzolg snifievov, izoXsfiov ht avzovg smvst nctga zov zcov Baßv- Imvmv wcd Xcddcdcov ßaGikiajs , og gzqoczslclv' zne/Mpsv zig zrjv ’lovSollccv, zijv ts %c6quv sXsrjXazrjGs, ueä zov ßaglIscc MccvciGGrjv, Xrjcp&svzci nal Ttgog avzov a%- &ivza ngog t]v ißovXszo zificogiuv zl%zv v7co%£lqlov. 22) Deshalb will Kalinsky (1748) durch ein eigensinniges Quidproquo unter den Chaldäern Habakuks , den er nicht lange vor Manasse's Wegführung nach Babel auftreten läßt, die Assyrier verstanden wissen. rungszeit Iosia's übrig. In dieser hatten'die Chaldäer, von den Assyriern aus Nordmesopotamien nach Babylonien verpflanzt, bereits stolz ihr Haupt erhoben. Auf diese Zeit paßt die von Habakuk entworfene Sittenschitderung, wie aus ihrer Uebereinstimmung mit der ausführlicheren Ieremia's (Cap. 1 — VI.) erhellt. Auch unter Iosia dauerte die prophetische Strasverkündigung der Zerstörung Jerusalems fort (2 Kön. 23, 26. 27. vgl. 22, 14. 23, 2.), und die Propheten erfuhren heftigen Widerspruch und thätliche Unbill (vgl. Hab. 1, 1. 2, 1. mit Ier. 1, 19.); Ieremia bezeichnet, wie Habakuk 1, 3., DDnn&y 7, 7. als Grundcharaktere seiner Zeit, und faßt die Darstellung des herrschenden Verderbens in die schauererregenden Worte zusammen: pjo nrprü mnytSM HDIP 5, 30. Es fragt sich nun, in welcher Zeit unter Iosia Habakuk austrat; wir glauben auch darauf die Antwort nicht schuldig bleiben zu müssen. Da Zefanja noch den gänzlichen Ruin Ninives, der mit der Eroberung dieser Weltstadt durch das vereinigte Heer der Chaldäer und Meder im I. 625 erfolgte, vorherverkündet, so muß Habakuk vor dem 14. I. Iosia's ausgetreten sein, und unter den Eroberungen der Chaldäer, die er in Aussicht stellt, ist auch e o m p l ex e die Nineve's inbegriffen (s. 1, 10. wo das Suffix in vielt, emphatisch zu fassen ist) — es sei denn, daß der Sammler die beiden gleichzeitigen Propheten nicht chronologisch ungeordnet, sondern aus irgend einem sachlichen Grunde, umzustellen vorgezogen hätte. Aber diese Vermuthung widerlegt sich dadurch, daß Ieremia, in dem uns auch sonst unverkennbare Reminiseenzen aus Habakuk begegnen "), bereits in den unmittelbar nach seiner Berufung im 13. I. Iosia's ausgesprochenen Weissagungen sich an Habakuk anschließt-^). Man findet bereits da folgende Anklänge an die Prophetie des Letzteren: Ier. 4, 43. VDID D'ftSMD ftp > Hab. t, 8. DftDJD 6p1 1'DID. Scr. 5, 6. nmy by npw ici nntft Nftix dn?; Hab. 1, 8. D1J} ’DNtD — Sei-. 5, 15. pimD 'U Ujby NftD 'jin; Hab. 1, 6. DftKon hn ll'pv \un, Ier. 6/ 23. nid nDN; Hab. 1, 7. ivn iottl D’N. Ist diese Uebereinstimmung in Worten und Gedanken keine zufällige und ist man berechtigt, ohne Schmälerung des Inspirationsbegriffes anzunehmen, daß der Heil. Geist die in der Seele des Propheten vorhandenen Erinnerungen als Material für die neuen ihm darzustellenden Gesichte in Anwendung brachte, so hat man Fug und Recht, sich dahin zu entscheiden, daß Habakuk vor dem 13. I. Iosia's, dem 23) Eine augenscheinliche Zurückbeziehung auf Habakuk 2, 13. ist Ier. 51, 53. (im 4. I. des Zedekia, laut 51, 59. 60.), s. Küper, Jeremias V. 1. Interpres atque Vindex p. . . 24) Daß die Gleichzeitigkeit durch solche Anklänge nicht ausgeschlossen wird, geht aus dem ganz ähnlichen Verhältnisse des Amos zu Joel, des Micha zu Iesaia hervor.