Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Spalte 161-162 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meralnrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur, M 11. Leipzig, den 12. März 184B. Biblische Einleitung. Ueber die Abfassungszeit und den Plan der Prophetie Habakuk's. Von Dr. Delitzsch. Habakuk nicht unter Hiskia; Habakuk nicht unter Manasse. Habakuk unter Josia. —- Biblische Exegese. Wessely's Cominentar über die Genesis. — Ph ironische Literatur. Dr» Großmann's Abhandlung über die Reihenfolge und die chronol. Ordnung der Schriften des Juden Philo. — Bekanntmachungen und literarische Ankündigungen. Biblische Einleitung. Ueber die Abfassungszeit und den Plan der Prophetie Habakuk's. Von Franz Delitzsch. (Schluß.) §. 8. Habakuk nicht unter H i s r i a. Daß Habakuk unter Hiskia mit der uns erhaltenen Weissagung ausgetreten sei, ist von Niemand ernstlich behauptet worden^), und widerlegt sich schon durch das 1, 5., welches, da es sicherlich streng zu fassen ist und der Prophet nicht zu den Kindern, sondern zu den Erwachsenen im Volke redet, jedenfalls eine kürzere Frist bis zum Einfall der Chaldäer bezeichnen muß, als die selbst von dem Letzten Regierungsjahre Hiskia's (696 v. Chr.) bis dahin verflossenen 92 Jahre sind. §♦ 9. Habakuk nicht unter Manasse. Aber auch der Annahme, daß Habakuk unter Manasse geweiffagt habe, welche selbst noch einige Neuere durch Hinweisung auf die Sittenschilderung des Propheten (Kalinsky), seinen Styl (Wahl), das Paradoxe seines Orakels (Jahn) probabel zu machen versucht haben, stehen gewichtige Gründe entgegen, obschon die Schrift ausdrücklich erzählt (2 Kön. 21, 10. ff. vgl. 2 Chr. 33, 18.), daß unter Manasse Propheten auftraten, deren Grundthema die 20) Nur Wahl laßt unbestimmt, ob „der geschmackvolle Dichter" unter Manasse oder schon Hiskia (jedoch nach Jesi und Hosea) geblüht habe, jedenfalls im „Silberalter der hebräischen Dichtung." Verkündigung der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems war. Vorerst spricht dagegen die Nichterwähnung des Götzendienstes in der Schilderung, welche der Prophet von dem dissoluten Zustande des jüdischen Staates entwirft. Zwar hörte der Götzendienst, seit er unter Manasse eine vorher nie erreichte Höhe erstiegen hatte, in Judäa nie gänzlich auf; nach der Bekehrung des Königes trat an dessen Stelle ein nur halbirter Jehovadienst; unter Amon siel auch dieser wieder zusammen; der Wiederanschluß des Volkes an den durch Josia wiederhergestellten reineren Cultus war ein heuchlerischer (Jer. 3, 10.) und nicht ungeteilter (Jer. 2, 11. 20. 27. 28.); Joahas wurde vom Volke gewählt, wahrscheinlich weit er seine götzendienerische Stimmung begünstigte; Jojakim trat in die Fußtapfen seiner gottlosen Ahnen, unter Jojachin befleckte sich das Volk mit allen Greueln der Heiden und verschonte damit selbst nicht den jerus. Tempel (2 Ch. 36, 14.). Aber gerade unter Manasse war jene Sünde des Abfalls zum Heidenthum so himmelschreiend und das Maaß derselben so voll geworden, daß eben um ihretwillen das^ göttliche Strafgericht zwar aus gewissen Gründen noch zögernd, aber unhintertreiblich heranzog. Der persönliche tiefe Abfall des götzendienerischen Königs ist die Ursache, aus welcher die Propheten den nahen Untergang des jüdischen Staates Herletten (2 Kön. 21, 11. 12.). Auch unter Josia sind es Manasse's Sünden, um deren willen der Zorn Gottes sich nicht von Juda wendet (2 Kön. 23, 26.)» Selbst bei der Erzählung der Invasion Nebukadnezars wird es wiederholt, nicht daß Jojakim's, sondern daß Manasse's Sünden die Quelle des von den Propheten verkündigten Vernichtungszuges der Chaldäer wider Juda waren (2 Kön. 24, 3.). Hätte Habakuk unter Manasse geweiffagt, so erwartete man mit Recht in seiner Weissagung nach 2 Kön. 21, 11. 12. eine Erwähnung des Königes, in dem das allgemeine Verderben culminirte und der vor allen die göttliche 11