Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 87 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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87 wie dieses spater aus Mißverstand geschah und größtentheils noch geschieht, und Maimonides mit Recht, aber vergebens rügt. S. Berachot fol. 60. Maimonides hilchot Thesilla 7,9. Nur. hinsichtlich der ursprünglich wesentlichen Bestandtheile des israel. Gottesdienstes, des joy unb rfen> fönb von jeher Allgemeinheit und Übereinstimmung statt, so daß keine israel. den Talmud anerkennende Gemeinde bekannt ist, die diese Gebete bei ihrer GotLesverehrung nicht hätte; in allem Uebrigen aber herrschte zu allen Zeiten die größte Freiheit und nicht nur die Liturgien der Juden ganzer Länder als z. B. die deutschen von der polnischen, die sefardische von beiden, weichen von einander ab, sondern auch die einzelnen Gemeinden differiren bedeutend von einander, wie z. 35. das Gebetbuch der st g. niSnp in Frankreich sich wesentlich von allen übrigen Gebetbüchern unterscheidet. Nie ist aber darum einer andern Gemeinde oder einer Religionsbehörde in den Sinn gekommen, sie deßhalb zu verketzern oder für nicht rechtgläubige Israeliten zu erklären. Erst wenn eine Gemeinde so weit ginge, yfeyj und rfon aus ihrem Gebetbuche zu streichen, würde sie, zwar nicht häretisch der Synagoge, aber doch schismatisch andern Gemeinden entgegen treten, und man könnte sagen, daß, wer nach herkömmlichem israelitischen Ritus sein Gebet verrichten wolle, sich eines solchen Gebetbuches nicht bedienen könne; so lange aber dieses nicht geschieht, fallen die Veränderungen unter die Kategorie des (Gebrauchs), in welcher Hinsicht die verschiedenen Gemeinden von jeher von einander abwichen. So wie die Weglassung lassen sich auch die Abkürzungen und die Modisicationen der Gebete von dem orthodoxen Standpunkte aus noch vollkommen rechtfertigen. Die Männer der großen Synagoge (rp ton), von welchen das älteste Gebet, das wir besitzen, rf> herrühren soll, wollten selbst nicht, daß man mechanisch ihre Worte nachspreche. Nur die drei ersten und die drei letzten Benedictionen der soll man weder vermehren noch vermindern, noch überhaupt verändern; alle übrigen aber soll man sogar nach seinen individuellen Bedürfnissen modisiciren, weil sie erst dadurch zum eigentlichen Gebete werden. Maimonides hilch. Thesilla 1, 4. Aber selbst in den drei ersten und den drei letzten Benedictionen der weichen die verschiedenen Gebetbücher nicht unbedeutend von einander ab, Beweises genug, daß man zu jeder Zeit sich für befugt hielt, Aenderungcn mit den Gebeten vorzunehmen. Ja, es kann mit Wahrheit und Gewißheit behauptet werden, daß wir nicht ein einziges Gebet mehr in der Form besitzen, in welcher es ursprünglich verfaßt worden ist. Nicht nur weil die Gebete das Schicksal aller alten Schriftwerken theilten, und durch Abschreiber und Abdrukker Veränderungen erfuhren, sondern weil auch die Gemeinden nie das Recht sich streitig machen ließen, die einzelnen Gebetstücke zu vermehren, zu vermindern und überhaupt sie nach Umständen und Bedürfnissen zu modisiciren. S. Zunz gottesdienstliche Vorträge S. 369. Die Abkürzung und Modisieation vieler Gebete in dem vorliegenden Gebetbuch, und besonders des nm TDHN , der NDn a. hat ohnehin die sefardische Agende für sich, aus welcher sie ausgenommen sind, und rechtfertigt sich durch diese. Daß den Gemeinden von jeher das Recht zustand, die vorhandenen Gebete mit neuen zu vermehren, dieses bedarf keines weitläufigen Beweises, da wir diesem Rechte es verdanken, daß die Liturgie, die, wie sie noch Maimonides kennt, ökonomisch gedruckt, keine hundert Seiten anfüllen würde, zu einem bändereichen Werke anwuchs, das ein Mann nicht im Stande ist, ins Gotteshaus zu tragen. Es erhob sich gegen den bis zur Ungebühr getriebenen Mißbrauch dieses Rechtes die Stimme der B?ssergesmnten aller Zeiten vergebens, warum sollte es jetzt den Uebelgesinnten gelingen, es da streitig zu machen, wo man es anwendet, um zeitgemäße, die Andacht und die Erbauung befördernde Gebete an die Stelle der alten und veralteten zu setzen? Das Vorlesen der Thora in einem dreijährigen Cyclus statt in einem einjährigen hat einen uralten, schon vom Talmud gekannten Gebrauch für sich, Megilla fol. 29. der sich zwar nicht allgemein verbreitete, Maimonid. hilch. Thesilla 13,1. aber um so mehr wieder hervorgesucht und eingeführt zu werden verdient, als nichts mehr die Langweile, den Ueberdruß und die Störung des öffentlichen Gottesdienstes befördert, als die ungeheuer langen Pericopen, welche von dem größten Theil der beim Gottesdienst Anwesenden nicht verstanden werden. Derselbe practische Grund spricht auch für die Entfernung der Hastara, da auch diese weder der Andacht noch der Erbauung, sondern nur der Gedankenlosigkeit und der Werkheiligkeit Vorschub leistet. Wer weiß nicht, daß von jeher das Beginnen der Hastara das Signal war, die Synagoge bis zu deren Beendigung zu verlassen? Rechtfertigt sich somit diese Maßregel von selbst, so kann noch weiter dafür angeführt werden, daß die prophetische Lection nicht, wie die pentateuchische von Esra, sondern viel später zu einer Zeit eingeführt wurde, wo es verboten war, aus der Thora zu lesen. Dieses Verbot ist aber längst außer Kraft gekommen, seine Erneuerung steht auch in unfern Zeiten nicht mehr zu befürchten, daher auch nicht einzusehen ist, warum der Stellvertreter neben dem, das er vertreten soll, fortbestehen muß. Daß dergleichen Maßregeln,, wo sie durch die Umstände geboten werden, dem Talmud selbst nicht nur nicht fremd, sondern sogar durch sein eigenes Beispiel gebilligt werden, beweist gerade die Geschichte der Haftara. Ursprünglich fand nicht nur bei dem Morgengottcsdienst an Sabbath - und Festtagen, sondern auch bei dem Abendgottesdienste des Sabbaths und wahrscheinlich auch Montags und Donnerstags und überhaupt so oft aus der Thora vorgelesen wurde, eine Lection aus den Propheten statt. S. Sabbath fol. 24 und 116. Diese ließ man in Abgang kommen, nicht wie Teschubat Ha-Güonim meint, weil die persische Regierung sie verbot, denn diese würde sich schwerlich auf die Sabbath-Abend-Hastara beschränkt haben, sondern, wie Raschi zu Megilla sol. 21. bemerkt, weil es für