Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 85 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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85 versichtlich, daß die so zeitgemäße Läuterung und Reformirung des Rabbinatinstituts, der unsere erleuchtete Regierung neuerdings ein verschärftes Augenmerk zuwendete, mit Zuratheziehung des oben bezeichneten aufgeklärten Mannes glücklich an das Ziel der allseitigsten Wünsche und Erwartungen gelangen dürfte. (L. A. I.) Volksthümliche Aussätze un- Keurtheilungen. Der Streit über das Gebetbuch des Tempelvereins L N Hamburg. Gutachten über das Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht, nach dem Gebrauche des neuen israelitischen Tempels in Hamburg. Vom Kirchenrath Maier in Stuttgardt. Von der Direktion des israelitischen Lempelverems zu Hamburg um ein Gutachten über das obenbezeichnete Gebetbuch ersucht, habe ich dieses in Folgendem abzugeben die Ehre: Das vorliegende Gebetbuch unterscheidet sich wesentlich von allen vorhandenen Gebetbüchern der Israeliten, omHD, sowohl in materieller als in formeller Hinsicht. In ersterer Beziehung besteht seine Verschiedenheit 1) in Weglassung vieler Gebete, als z. B. fth, nn rob, f’D 'n, und ppy^io HDS am Vorabende, nb)y pns\ m:m monn 'o, pipD nw, ny pir, mp** IpnD, wrfriO pN bei dem Morgengottesdienste, und miN nnN bei dem Vespergottesdienste des Sabbats; sämmtlicher Piutim an Sabbaten und an den drei hohen Festen, Pessach, Wochen- und Laubhüttenfeste; des bei weitem größten Theils der Piutim und Selichoth am Neujahrsfeste und Versöhnungstage u. a. 2) in Abkürzung vieler Gebete, als z. B. der Benedictionen vor: ^nn, im* bn, nw hdn, ton ruiöNi, )&bo mH, Nton by, rr> rfen a. 3) in Veränderung der Gebete UNDn iJDDl in Mussas an Sabbat- und Festtagen, wo die Morte "pJD^D pn VP verwandelt sind in ^2priV mm NiV, wrain nump Dijm wnm ninN psnm mama pm t^D/ wo anstatt rpnnro ^ma xn das ‘■pmroD zu lesen tfa'nm mnN,' wo die Worte -nhvb mnryi der sefardischen Form wrbto Jn ‘pomi, jedoch zusammengezogen, Platz gemacht hat; fr, rfen, wo die Benedictionen ypn, rDWl und cpbttfim!?! mobificirt sind, tu a.; endlich 4) in Ausnahme neuer Gebete, theils hebräischer aus dem sefardischen Machsor, dem überhaupt alle Piutim, welche dieses Gebetbuch für das Neujahrsfest und den Versöhnungstag enthält, entnommen sind, theils deutscher, eigens zu diesem Zwecke verfaßter. In formeller Hinsicht unterscheidet sich dieses Gebetbuch von den übrigen Sidurim: 3) durch seine Anordnung und Aufeinanderfolge der einzelnen Gebete, in welcher Hinsicht es sich zwar der sefardischen Agende nähert, wie dieses z. B. die Einleitung des Gottesdienstes am Vorabend der Sabbate und Feste mit dem □? bw m?OID, des Vorabends des Versöhnungstages mit dem Verse Dirn Nim, der Anfang jeder rten am Versöhnungs- Lage mit rf^mN beweist, ohne jedoch derselben ganz zu folgen; 2) durch die Sprache, indem es viele Gebete, als die n£TD am Vorabend des Sabbats und der Feste, alle Benedictionen die Mittlern Benedictionen des ryi nbDn nur in deutscher Sprache hat. Eine weitere, theils formelle, theils materielle Verschiedenheit dieses Gebetbuchs von andern besteht darin: 1) daß es keine rfen weder jnt# rten ein Sabbat- und Festtagen, noch pn rfen an den Werktagen wiederholt; 2) daß der Pentateuch nicht, wie es allgemein üblich ist, in einem einjährigen, sondern in einem dreijährigen Eyclus vollendet wird; und 3) daß die Haftara ganz weggefallen ist. Fragen wir nun zunächst nach den Grundsätzen, welche die Verfasser bei Feststellung dieses Gebetbuches geleitet haben, so lassen sich folgende nicht undeutlich erkennen: * 1) Die Wiederherstellung der Einfachheit und Weise des ursprünglichen israelitischen Gottesdienstes. Daher die Weglassung sämmtlicher Piutim, Selichot und Gebete, die für den Gottesdienst unwesentlich sind, und womit dieser im Laufe der Zeit überladen, und die Entfernung aller Mißbräuche, womit derselbe verunstaltet wurde. Ein eigentliches Princip vermißt man hier, und es ist kein Grund abzusthen, warum, während Institute, die im Talmud begründet sind, antiquirt, andere die weit später» Ursprungs sind, wie z. B. &nmp ^et &em Gottesdienste, von dem selbst der Schulchan Aruch, Ocach Chajim269, 4, sagt, daß es besser wäre, wenn es unterbliebe,