Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 83 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 83 - ortl) odoxen SLandpunkte. Das neue sogenannte Erbauungswesen, welches vor 23 Jahren in einem Privatlocale Hamburgs eingefkhrt wurde, hatte bekanntlich damals alle rabbinische Autoritäten Europas beschäftigt z erschöpfend wurde diese Frage von ihnen behandelt, und ein einstimmiges Verdammungsurtheil darüber gefällt. Das Auffallendste dabei war, daß diese sogenannte Neuerung, die von den Verteidigern ein bedeutender Fortschritt genannt wurde und noch wird, nur von Leuten gewünscht ward, die größtentheils dem jüdischen Ceremorrialgesetze und mithin dem Judenthum entwachsen sind, es daher mit der Förderung der jüdischen Religion nicht ernst meinen können, aber dennoch äußerlich einen Religionsmantel umhüllen, um im Häuslichen um so freier leben zu können; was demnach von dem Verein zu erwarten stand, hat eine 23jährige Wirkung beurkundet. Die Direction sah im vorigen Jahre zu deutlich ein, daß das „Erbauungswesen" nicht geeignet sei, die religiösen Juden zur Theilnahme an demselben zu locken, und beschloß daher durch Errichtung eines neuen großen Lokals mit äußerem Prunk und Glanz das zu fördern, was der innere religiöse Geist nicht vermochte; sie fand es auch für nothwendig, das Gebetbuch des Vereins zu verändern. Es erschien eine neue Auflage deffelden, aber auch mit einem allgemeinen Titel für alle Juden, was, wie es scheint, auf Täuschung abzielen mochte. War nun die Täuschung richtig berechnet, so mußte um so härter das Jnrerdlct des geistlichen Beamten die Verfasser jenes Buches treffen; denn einige Worte dieses Geistlichen waren hinreichend, den beabsichtigten Zweck dieses Vereins öffentlich darzuthun, und ganz geeignet, das Gewebe zu zerreißen und so den Tempel für lange Zeiten unschädlich zu machen. Ist dafür doch Beweis genug, .daß es dm Vertheidigecn ganz unmöglich war, die Sache selbst zu rechtfertigen, indem sie zu Persönlichkeiten Zuflucht nehmen mußten, deren Unwahrheit klar vor Augen liegt; ja sie gingen so weit, dem Herrn Isaak Bernays alle Kenntnisse abzusprechen. Die Verläumdungen und Schmähungen von Seiten derDirecrion und der Prediger mußten allgemein mißfallen, und es hat der hohe Senat den Directoren einen solchen Verweis im Decret gegeben, daß alle Mitglieder des Vereins dieselben schwer zu bereuen haben. War man mit der Person fertig, so ging man zu den Leistungen über, und nahm keinen Anstand in allen jüdischen Zeitungen über die Talmud- Tora-Schule, ein Institut, deffen in ganz Deutschland anerkannte segensreiche Wirksamkeit nur den vortrefflichen Einrichtungen des Herrn Bernays zuzuschreiben ist, solche lügenhafte Berichte einzusenden, die zu deutlich zeigten, aus welcher Feder sie flössen, und was die Veranlassung zu denselben war; man stellte dieselbe endlich in Vergleich mit der Freischule, bei deren 25jährigem Jubiläum öffentlich bewiesen wurde, wie diese Schute geeignet sei, jüdische Jugend zu erziehen, indem öffentlich bei der Feierlichkeit und dem Feste das Judenthum verletzt wurde. Wahrlich es wäre ganz unnütz, hierüber zu sprechen, würden nicht auch noch diese Unwahrheiten von auswärts beschönigt und sogar neue hmzugesügt. Obengedachtes Jntecdict des geistlichen Beamten in Hamburg und das später vom Rabbiner in Altona erschienene, mußte daher die Vertheidiger und Prediger des Vereins in die Schranken rufen; cs erschien ein Votum von Holdheim, den wohl nur persönliche Rücksichten dazu bestimmten', da er doch als Rabbiner nicht gegen den Talmud schreiben würde,, und 2 andere Schriften von Salomon und Frankfurter: alle drei tragen wohl das Gepräge des Partei-Zweckes, aber nicht das der theclogischen Wissenschaftlichkeit. Ausführliches hierüber enthält ein vor kurzem erschienenes Buch, „Jude und Nichtjude", .welches alle Eitate der oben erwähnten Werkchen widerlegt, den wahren Standpunkt des Vereins berichtet und endlich den Beweis liefert, wie sehr der Zweck dieser Neuerer verfehlt sei; es ist uns wirklich sehr leid, den Verfasser dieses echt religiösen Buches nicht zu kennen, der sich wahrlich ein Verdienst erworben hat, und dem mit vollem Rechte öffentlicher Dank gebühret. Ein anderes Gutachten gegen den Tempelverein ist das so eben in Ihrem Blatte erschienene, liesdurchdachte Schreiben des Dr. Frankel in Dresden, das mit einer so tiefen Kenntniß des Wesens unserer alten Liturgie abgefaßt ist, daß wohl eine Vertheidigung von Seiten des Vereins kaum möglich ist.—Habe ich nun berichtet, wii der Eindruck der letzten Vorfälle in Hamburg aufzufassen seien, so kann ich noch hinzufügen, daß die religiösen Juden daselbst hinsichtlich der Verwaltung und der Masse von wohlthaugen Instituten anderen Gemeinden zum Muster dienen können, und durch das Streben des Tempel- Vereins weder verleitet, noch durch deren Schmähungen aufgebracht wurden, dieselben auf gleiche Weise zu erwiedern, obschon ihrerseits viel Stoff zur Erwiederung vorhanden ist. Blicken wir auf die Jugend, so sehen wir die Wirkungen des Herrn Bernays, und dürfen der Gemeinde Hamburgs Glück wünschen, einen solchen Mann an ihrer Spitze zu haben, der dem jüdischen Jndifferentismus einen Damm entgegen zu setzen geeignet ist. Möge Gott ihm langes Leben und das Glück, viele Schüler zu haben, die seine Lehren auffassen und wiedergeben können, schenken, damit erfüllt werde der Wunsch unserer Weisen: rri<nb nmn D'TDbri rroym. — P — Böhmen. Pvttg, 24. Febr. Die humane Absicht unserer Regierung, die äußern oder politischen und bürgerlichen Verhältnisse der Juden durch einzelne Ergänzungen immer regelrechter zu machen und auf der Grundlage eines liberalern, der Zeitbildung entsprechendern Princips 11*