Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1842)
- Date
- 1842-03-12
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 82 - 444 und in dem Bombayschen Heer, mit Einschluß von Weibern und Kindern, auf etwa 1000. Die Zahlen, deren Summe 5255 beträgt, entnehme ich aus einer unter meiner eigenen Leitung angestellten Zahlung: sie sind um 3000 geringer als die gewöhnliche Angabe» Die Beni Israel gleichen in ihrem Aeußern den arabischen Juden, obgleich sie es für einen Schimpf halten, wenn man sie „Jehudi" nennt. Sie sind schöner als die Emgebornen, die mit ihnen aus gleicher Stufe stehem unterscheiden sich indeß in ihrer Tracht wenig von diesen. Sie haben nicht, wie die Hindu, ein Schendi auf dem Scheitel des Kopfes, sondern lassen zu beiden Seiten der Ohren einen Haarbüschel stehen. Ihre Turbane, Angrakhas und Schuhe gleichen denen der Hindu, ihre Beinkleider denen der Mohammedaner. Sie essen nicht mit Personen von einem andern Glauben, trinken indeß ohne Anstand aus Gefäßen, die einem Christen, Mohammedaner oder Hindu gehören. Bor und nach dem Mahl sprechen sie ein hebräisches Tischgebet. Jeder unter den Beni-Jsrael hat in der Regel zwei Namen, einen aus der Schrift und einen andern, den sie sich nach dem Gebrauch der Hindu beilegen. Der hebräische Name wird bei dev Beschneidung gegeben, der Hindu- Name einen Monat nach der Geburt; letzterer meistens nach den Dörfern, in welchen sie sich ursprünglich niederließen. Die Sprache der Beni-Israel ist das Marathi; einige wenige unter ihnen verstehen indeß auch das Guzerathi und Hindustam. Sie haben, wie schon früher bemerkt, in ihren Synagogen kein Sefer-Tora, oder geschriebenes Gesetz, wie die Juden, geben indeß das göttliche Ansehen alter Bücher des alten Testaments zu. Erst neuerdings sind ihnen die Namen der Propheten bekannt geworden und in die Anerkennung der spätem Propheten willigten sie nicht ohne einiges Bedenken ein. Von den arabischen Juden haben sie die hebräische Liturgie empfangen, die sie rheilweise bei ihrem Gottesdienst gebrauchen. Einige Exemplare des Rituals von Cochin, das gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Amsterdam gedruckt wurde, finden sich gleichfalls unter ihnen. Die fünf Bücher Moses bilden die Hauptquelle ihres Religionsgesetzes, obgleich sie deren Vorschriften nur theilweise beobachten. Pergamentblättchen mit darauf geschriebenen Bibelstellen werden nicht selten an verschiedenen Theilen des Körpers von ihnen getragen. Den Gebrauch von Zaubermitteln, wozu sie durch ihre heidnischen Nachbarn verleitet wurden, haben sie in der letzten Zeit gänzlich aufgegeben. Sie rechnen ihren Tag von einem zum andern Sonnenaufgang und benennen ihre Monate mit hebräischen Namen; ein Dritttheil der Bevölkerung beobachtet auch den wöchentlichen Sabbat. Um 6 Uhr Vormittags versammeln sie sich zum Gottesdienst in der Meschid, wo sie gegen zwei Stunden unter Gebet, Nachsprechen von Bibelstellen nach dem Ehasan oder Leser und Kniebeugungen verweilen; einige Andächtigere sieht man dort auch noch des Mittags oder zwischen 2 und 3 Uhr Nachmittags. Der Abendgottesdienst fangt gegen 6 Uhr an und wird am zahlreichsten besucht» Er dauert gegen 2 Stunden und wird häufig damit beschlossen, daß die Anwesenden den Segenskelch mit den Lippen berühren. Von dem größten Theil der Bevölkerung wird der Sabbat gänzlich vernachlässigt. Der Tag des Neumonds heißt bei ihnen, wie bei den Juden Rofch Chodesch, wird aber-wenig feierlich begangen, außer wenn er auf einen Wochen-Sabbat fällt. Das „Jobel" wird gleichfalls nicht gefeiert. Wenn in einem Dorfe, wo die Beni-Jsrael nicht zahlreich sind, eine Geburt stattfindet, so besuchen fast alle das Haus und werden dort mit Confekt und Früchten dewirthet. Die Heirathen finden in der Regel so früh wie bei den Hindus statt. Die Ceremonien dauern 5, anstatt, wie bei den alten Juden, 7 Tage und tragen in mancher Hinsicht einen heidnischen Charakter. Die eheliche Treue wird im Allgemeinen streng bewahrt, obgleich Ehebruch nur leicht, z. B. mit einer Geldbuße von 2 Rupien (1 Thlr. 10 Sgr.) bestraft wird. Bei schwereren Vergehen der Ärr findet Scheidung statt, und der nicht schuldige Theil darf sich wieder verheirathen; dem schuldigen ist dies eigentlich untersagt, bei ber lockeren Disciplin der Gemeinde kann er es aber durch Geld gleichfalls erlangen. In einer beträchtlichen Familienzahl kommt Polygamie vor, doch giebt es kein Beispiel, daß ein Mann mehr als drei Frauen gehabt habe. Unfruchtbarkeit wird, wie bei den alten Juden, als ein großes Unglück angesehen; die Adoption von Kindern, bei Mangel an Leibeserben, geschieht durch einen schriftlichen Vertrag. Die Weiber sind keineswcges so erniedrigt, wie bei den rabbinischen Juden, doch dürfen sie nicht in die Meschid zum Gottesdienst gehen. Das Begräbniß folgt schnell nach dem Tode. Die Todten werden, ohne Särge, in 3 oder 4 Fuß tiefen Gräbern, mit dem Kopf nach Osten, bestattet. Zuweilen werden den Seelen der Verstorbenen Opfer von Reis, Milch und Kokosnüssen gebracht und zur Zeit des Begräbnisses Wasser mit Mehl vermischt gesprengt; auch pflegt man am dritten, fünften und siebenten Tage nach der Bestattung an dem Grabe zu beten. Die jährliche Todtenfeier der Beni-Jsrael hat in ihren Ceremonien etwas Aehnliches mitdemSchradda der Hindu. Einige unter ihnen glauben an ein Fegefeuer für die Aufnahme der Seelen nach dem Tode. Die Trauerzeit dauert 7 Tage." Deutschland. Hamburg, 1. März. (Eingesandt.) Es werden so viele Berichte über die Gemeinde-Verhältnisse Hamburgs in allen jüdischen Zeitungen gegeben, daß es nicht auffallen kann, wenn ich zur Beleuchtung entstellter Thatsachen Einiges mittheile. Freilich refecire ich vom