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Der Orient · 1842-03-05 · 10 (5.3.1842) · p. Spalte 155-156

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Spalte 155-156 (sequence 6)
Language
German
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156 155. Literarische Übersichten. Riesser. noch kein genügender, sichtbar. In den unpolitischen, in den kosmopolitischen Liedern, wie (in den meisten Fällen, wo von Juden die Rede sein kann) in den „deutschen Jahrbüchern" und in dem „Wesen des Christenthums" werden die Juden und ihre Religion schonungslos angegriffen, was in dem letztgenannten Falle um so mehr auffallen muß, da dieselben ja im Rufe antichristlicher Tendenzhascherei stehen. — Und dennoch irrt Gutzkow, wenn er annimmt und berichtet, daß die Juden dieselben Schriftsteller, die sie früher vergötterten,. bei der ersten feindseligen Aeußerung verdammten. Nie hat ein redlicher Jude, nie ein ehrlicher Mann überhaupt dies gethan. Und wenn Referent hierin seinen Glaubensgenossen sammt und sonders allein gegenüber stände — was aber durchaus nicht der Fall ist — er würde zu behaupten fortfahren, daß Direktor Weber, Dahlmann, Hoffmann von Fallersleben, Dingelstedt, Feuerbach und andere Männer der Wissenschaft, die einmal oder öfter gegen die Juden geschrieben, ihm stets dieselbe Hochachtung, dieselbe Liebe, dieselbe Verehrung einflößen werden. Die Sympathie für die Sache, der jene Männer huldigen, kann nie ersterben, und wie könnte man dieselbe von den Personen trennen, wenn man auch charakterlos genug wäre, es zn wollen? Innig bedauern muß man freilich, daß in diesem einen Punkte gar oft der Pöbel sich auf den Beifall hochachtbarer Männer berufen darf; tief s ch m e rzen muß es uns, daß die Vaterlandsliebe..im deutschen Volke noch nicht so tiefe Wurzeln geschlagen hat, um^ jede Sonderung nach Religion und ererbtem Glauben zurückzuweisen und zu bannen; am meisten aber verwunden muß es den'Freund der Freiheit, daß die Partei des Rückschrittes sich vielleicht bald des schlechten Mittels bedienen wird, die Vertreter freier Nationalität wegen des Zurückbleibens in dieser einen Hinsicht als befangen, als ausschließend, als einseitig zu verschreien. Es ist dies allerdings nur eine Besorgniß, die vielleicht um so ungegründeter,erscheinen wird, je weniger bis jetzt die Feinde der Repräsentativverfassung in dem Kömgsberger Arzte Jakoby den Juden angegriffen haben; aber es ist gur, sich auf Alles gefaßt zu machen. — 2M) in dem Falle aber, wo ein jüdischer Schriftsteller den Worten eines christlichen einen Sinn unterlegte, den wir nicht als den richLigen anerkennen können, wie es unserer individuellen Ansicht nach Sreinheim im zweiten Hefte der Meditationen in Bezug auf eine Stelle in Wienbarg's „Quadriga" gethan har, treten wir unbedingt trotz aller sonstigen Anerkennung von Sternheim's Gesinnung und Zweck, auf Wienbarg's Seite.—-- Und so wird wahrlich nicht Referent allein Handeln; die meisten seiner denkenden, und freisinnigen Glaubensgenossen können nicht anders und dürfen nicht - anders wollen, ohne gegen ihr Gewissen anzukämpfen. — Man wixd hierbei wohl der Ansicht des Referenten Gerechtigkeit wiederfahren lassen, und die Hoffnung, diese, wenn auch nur als individuelle, anerkannt zu sehen, wird il;n trösten, wenn man ihn vielleicht, einer Selbstüberschätzung zeihen wollte, von der ihn sein Bewußtsein freispricht. ~ Er wenigstens sieht kein wahres Heil, keinen Ausgang aus dem Elkan (Geschichte der Israeliten). Labyrinthe als in der Eintracht zwischen Christen und Juden, in einem Bruderbünde, zu dessen Stiftung und Befestigung jeder edle Christ das Seinige beitragen möge, damit nicht der Partikularismus , der gefährlichste Auswuchs des gesellschaftlichen Lebens, von Neuem wuchere und die schönsten Regungen der Gemüther im Keime ersticke. Eduard Cohn. Leitfaden beim Unterrichte in der Geschichte der Israeliten, von den frühesten Zeiten bis auf unsere Tage, nebst einem kurzen Abriß der Geographie Palästina's für rsr. Schulen, von M. Elkan, israel. Lehrer. Minden und Leipzig, 1839. \ So viel wir wissen , ist der Unterricht in der Geschichte der Israeliten an jüdischen Schulen bisher sehr vernachlässigt worden. Die große Wichtigkeit dieses Gegenstandes mochte gewiß einem jeden Schulmanne einleuchten, nur scheuete er die allerdings bedeutende Mühe, sich ein eignes Kompendium anzulegen , da es an allen passenden Lehrbüchern fehlte. Nur die biblische Geschichte, die Geschichte von Erschaffung der Welt bis etwa zur Trennung oder Zerstörung der beiden Reiche Juda und Israel, war Gegenstand des Unterrichts in der Schule. Dies sehr beschränkte Feld wurde immer wieder von Neuem bebauet, und die Schüler mußten endlich in den Wahn verfallen, daß die Geschichte der Israeliten gar nicht weiter ginge, daß von dem oben bezeichnten Punkte ab das Schicksal ihrer Glaubensgenossen so bedeutungslos ist, daß es nicht der Mühe werth galt, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Und doch, welcher Kenner weiß nicht, daß der Zustand der Israeliten im Mittelalter und ihre Geschichte bis zur Jetztzeit, des Studiums und des Unterrichts sehr werth ist. Die Fügungen Gottes, seine Vorsehung und sein Wille, reden dort eben so beredt, als in der Bibel > die Aufgabe, welche das Judenthum zu lösen hat, erhält hier erst ihre eigentliche Bedeutung und wird bis zur Evidenz klar; das Steigen und Sinken des irdischen Glückes der Juden, ihre Ausdauer in Verfolgungen und Noch, ihr Gottvertrauen bei den harten Prüfungen, die ihnen auferlegt wurden, ihr Ausharren bei der angestammten Lehre, wo es doch nur eines Wortes von ihren Lippen bedurfte,, um aus Drangsal und Elend in Glück und Wohlleben versetzt zu werden: diese Dinge im Allgemeinen und unzählige einzelne Züge, Facta und Begebenheiten, sind wahrlich derartig, daß es sich der Mühe verlohnt, den Jüngling und die Jungfrau davon in Kenntniß zu setzen. Namentlich in diesem Augenblicke bedarf es einer Stärkung, wie der eben angedeuteten; auch jetzt tauchen der Verlockungen viele auf, welche zum Abfall auffordecn, auch jetzt muß das jugendliche Herz schon frühzeitig in der Schule gestählt werden, gegen die Einflüsterungen der Verführung/ welche Jagd auf un-. befangene Gemüther macht.

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