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Der Orient · 1842-03-05 · 10 (5.3.1842) · p. Spalte 153-154

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
10 (5.3.1842)
Date
1842-03-05
Page
Spalte 153-154 (sequence 5)
Language
German
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153 Literarische Ueberslchten. Hasses und des Hochmuths - wider den sittlichen Lod der Demütigung und des steten Gefühls der Kränkung. Das ist die wahre, hohe, geistige Bedeutung des demokratischen Prinoips unserer 'Lage, daß jeder unterdrückte Stand, jede der Geburt oder des Glaubens wegen zurückgesetzte Classe in dem Kerne ihres Bewußtseins, in dem Gefühle ihrer Menschenwürde, die Kraft des sittlichen Widerstandes finde und den Sieg der geistigen Befreiung vor der bürgerlichen feiere. In sofern haben wir, auf denen nicht das Gewicht eines einzelnen bevorzugten Standes, sondern das der großen bevorzugten Mehrheit der bürgerlichen Gesellschaft druckend lastete, wir, die wir von der Demokratie, wo sie als Partei austritt, oft verschmäht und gemißhandelt werden, doch die äußerste, letzte und schwerste Anwendung des demokratischen Princips in dessen edelster Bedeutung an uns durchzuführen." „Denn von dieser einen Seite ist mein Gleichniß (die obige Parallele) mangelhaft, das muß ich einräumen. Dem Bürgerstande mußte es unendlich viel leichter werden, sich von dem moralischen Uebergewichte des Adels geistig zu befreien/ jede Spur peinlicher Unterordnung in seinem Gemüthe zu verwischen und zu aller der Unbefangenheit zu gelangen, die das sichere Gefühl freier und gleicher Menschenwürde allein zu geben vermag, als uns das^Alles der christlichen Mehrhnt gegenüber werden kann. Dort brauchte nur der erste Gedanke der Freiheit zu erwachen und die geistige Befreiung war bald vollbracht. Es brauchte dem Bürgerstande nur das Eine zu voller Klarheit gebracht zu werden, was er denn eigentlich fei, wie er alle wesentlichen Bestandtheile der bürgerlichen Gesellschaft Ln sich schließe, und er konnte leicht mit einem einzigen frischen Arhemzuge den drückenden Alp eines alten Wahnes von seinem freigewordencm Bewußtsein abwäizen. So wie es nur Lag geworden um ihn, sah er alle wirkliche Kraft und allen wahrhaften Reichthum des Staatslebens auf seiner Seite und nur ein erblassender ohnmächtiger Schatten stand ihm gegenüber. Jenes weckende Zauberwort der Wahrheit: „Was ist der dritte Stand?"', das die politische Revolution begonnen, hat jene geistige vollendet. Ganz anders ist es mit uns. Wir sind ein schwaches Häuflem und eine ungeheure Macht steht uns entgegen. Dennoch ist die Aufgabe dieselbe, dennoch ihre Lösung unerläßlich^ nur ist sie weit, weit schwerer; nur erfordert sie größere Anstrengung und Kraft des Charakters; darum sollte man um so nachsichtiger sein, wenn die, die daran mit ihrer besten Kraft arbeiten, einmal ein wenig ungestüm dabei werden. Trotz allem Vorurtheil, trotz allem Uebelwollen, trotz aller dünkelhaften Geringschätzung das reine Bild freier Menschlichkeit in uns zu entwickeln und zu bewahren, in welchem keinerlei Spur anzutreffen von der traurigen Einwirkung jener schlimmen Dämonen — denn jede solche Einwirkung, wie sie auch gestaltet sei, ist vom Uebel — das ist die Aufgabe, die sich ein jeder von uns zu setzen hat." . Ungern versagen wir es uns, den eben angeführten Worten Riesters noch jene anderen (S. 81 — 91) hinzuzufügen, in welchen er das Verhältniß des erwachten oder wiedergesesselten Rieffer's Jüdische Briefe. .154 Volkslebens und konstitutionellen Geistes zu der Behandlung und den praktischen Resultaten der Judenemancipations-Frage in Kurheffen, Baden, Würtemberg, Baiern und Ungarn,, oder die persönlichen Freundschaftsverhältnisse zwischen Juden und Christen, seine in dieser Beziehung gewonnenen trostreichen Erfahrungen, so wie den oft , freiwillig von Seiten der Juden gesuchten und von Seiten der Christen nie zurückgewiesenen Beitritt zu allen solchen Vereinen, welche Edles, Gemeinnütziges, Großartiges zu fördern streben, endlich auch das Endergebniß seiner Beobachtungen und seines Nachdenkens bespricht und als unwandelbare Regel und Norm den Grundsatz aufstellt, daß das Vorurtheil oder die Idiosynkrasie gegen die Juden aus der Sphäre, aus dem Dunstkreise des Egoismus, der kalten Berechnung, des Festhaltens an, gewinnverheißenden Vorrechten selten oder nie emporsteige. Aus allen diesen Untersuchungen leuchtet derselbe Geist der Freisinnigkeit, des strengsten Rechtsgesühls, der Lebendigsten Vaterlandsliebe; überall tritt der entschiedene und zuweilen schwärmerische Ausdruck derselben Gesinnung hervor, die in seinen öffentlichen Reden und Handlungen selbst unter Umständen und bei Gelegenheiten sich kund that, wo mancher Andere aus stolzem Dünkel oder scheuer Befangenheit sich nicht blicken ließ. Wir wollen hier nicht in Abrede stellen, daß ein solcher politischer Glaube, wie derjenige, zu dem Rieffer sich offen und frei bekennt, Einigen unpolitisch, Andern zu politisch, Vielen also ungehörig, Manchem gar, weil von einem Juden mit Stolz und würdevoller Ueberzeugung ausgesprochen, verwerflich erscheinen wird. Aber welcher Sterbliche könnte es wohl Allen, zumal den Tadelsiichtigen, recht machen? — Das Urtheil des Pöbels ist in dieser wie in jeder andern Be-! ziehung mit Verachtung aufzunehwen. Aber die Sache wird, : wenn auch Ln der Lhat nur scheinbar, bedenklicher, wenn! Ehrenmänner, Patrioten, Denker, Heroen der Wissenschaft, ' prophetische Dichter, den Stab über die Juden brechen, gleichviel, ob diese dem Rückschritte, oder ob sie dem Fortschritte huldigen. Rieffer selbst scheint dm Kummer, den er, wie jeder edle, überzeugungstreue Jude, über die Verdächtigung oder; über den Verdacht von solcher Seite her, empfinden muß, in den oben angeführten Worten anzudeuten: „Wir (die Juden) . werden von der Demokratie, wo sie als Partei austritt, oft verschmäht und mißhandelt J" Rieffer nennt keine Namen; Rest will sie nennen und seine Ansicht klar und unumwunden aussprechen. — Die freien Städte Deutschlands haben noch manche den Juden zugefügte Unbill wieder gut zu machen; . in einer derselben, wo manseit 23 Jahren zum ersten Male eine Zulassung der Juden' zum Handwerksflande beabsichtigt, hat sich die Abneigung gegen sie noch kürzlich in dem einzigen daselbst erscheinenden Wochenblatte öffentlich, wenn auch nur von Seiten eines Privatmannes kund gegeben; in einer andern eifert ein berühmter Philologe und Pädagog, dem wir in wissenschaftlicher Beziehung die größte Hochachtung zollen, bei jeder, auch der unpassendsten, Gelegenheit gegen die Juden; nur in Hamburg ist ein wirklicher Fortschritt, wenn auch

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